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Fussball

"Ich wollte einfach mal weg"

Von Fatih Demireli

© getty

SPOX: Sie haben sich gleich für anderthalb Jahre ausleihen lassen. War es keine Option, im Sommer beim FC Bayern unter Carlo Ancelotti neu anzugreifen?

Gaudino: Die Vereinbarung hat mein Vater gemacht, ich habe es abgesegnet. Ich wollte einfach mal weg, um mich weiterzuentwickeln. Da habe ich nicht viel darüber nachgedacht, wer ab Sommer Trainer beim FC Bayern wird. Ob meine Chancen im Sommer größer gewesen wären, weiß ich nicht. Ich muss erst einmal hier Leistung bringen und dann wird man sehen, wie es aussieht. Ich konzentriere mich auf St. Gallen und nicht auf Bayern.

SPOX: Haben Sie keine Bedenken, dass man Sie in der Schweizer Liga aus den Augen verliert?

Gaudino: Nein, die habe ich überhaupt nicht.

SPOX: Setzen Sie da voll und ganz auf den "Lahm-Effekt" bzw. "Alaba-Effekt", die auch über Umwege den Durchbruch beim FC Bayern geschafft haben?

Gaudino: Die Situation ist bei jedem Spieler anders. Es war natürlich nicht schlecht, wie es damals bei ihnen gelaufen ist. So könnte es natürlich bei mir auch laufen, aber darauf schaue ich nicht. Ich bin darauf fokussiert, jetzt erst einmal viel zu lernen.

SPOX: Aber die Vision ist schon, irgendwann zum FC Bayern zurückzukehren, oder?

Gaudino: Ja, wenn sie mich wollen... (lacht) Ich glaube, da wird keiner "Nein" sagen.

SPOX: Sie hatten einen sehr verheißungsvollen Einstand in München, sind quasi aus dem Nichts aufgetaucht und haben Ihr Profi-Debüt gefeiert. Es folgten weitere Einsätze, Auftritte in der Champions League, Sie bekamen einen Profi-Vertrag. Wann gab es den Knick?

Gaudino: Das muss man den Trainer fragen, das weiß ich nicht. Aber so ist der Fußball. Irgendwann wurde es einfach schwierig, als es erst viele Verletzte gab und dann wieder alle fit wurden. Irgendwann kamen nacheinander die wichtigen Spiele und ich war für den Trainer wohl einfach noch nicht weit genug.

SPOX: Haben Sie mit ihm über die Situation gesprochen?

Gaudino: Nein, nicht so viel.

SPOX: Pep Guardiola kam zum FC Bayern - und mit ihm die Erwartung, dass er wie in Barcelona junge Spieler fördert und in der 1. Mannschaft installiert. Als Betroffener: Haben Sie sich mehr erhofft?

Gaudino: Nachdem, was er in Barcelona erreicht hat, war es grundsätzlich ein Wow-Effekt für uns, als er gekommen ist. Natürlich war die Hoffnung da und er hat mir die Chance auch gegeben, beim FC Bayern in der 1. Mannschaft zu spielen. Ich bin ihm unendlich dankbar.

SPOX: Im Sommer schickte er Sie, Sinan Kurt und Julian Green in die Regionalliga-Mannschaft. Dafür gab es Kritik - unter anderem auch von Ihrem Vater. Wie haben Sie die Zurückstufung empfunden?

Gaudino: Aus dem Gesichtspunkt heraus, dass wir dadurch mehr Spielpraxis bekommen sollten, war es natürlich okay. Aber es war schade, dass wir nicht mehr oben mittrainieren durften. Es war keine einfache Zeit.

SPOX: Wie wurde das begründet?

Gaudino: Da gab es viele Gründe.

SPOX: Dürfen Sie die Gründe nennen?

Gaudino: Nein, das möchte ich auch nicht.

SPOX: Was macht es so schwer für die Junioren, sich oben durchzusetzen?

Gaudino: Beim FC Bayern wird eher ein erfahrener Spieler gekauft, wenn sich ein anderer Spieler verletzt. Das hat sich gerade erst wieder gezeigt. Die Belastung ist relativ hoch, man braucht eine gewisse Qualität und die nötige Erfahrung, um gegen starke Gegner - gerade in der Champions League - zu bestehen. Und natürlich weiß man dort, dass ein junger Spieler diese Leistungen nicht sofort abrufen kann. Daher holt man eher einen Neuen, als auf einen Jungen zu setzen.

SPOX: Auf Ihrer Position hat der FC Bayern im Sommer Joshua Kimmich geholt. Was haben Sie gedacht?

Gaudino: Ich habe mir gesagt: "Ich gebe Gas, ich bin besser!" Es ist für mich kein Problem, dass Spieler gekauft werden, so ist es nun mal immer gewesen und es wird auch immer so sein. Man muss sich immer beweisen und Konkurrenzkampf ist immer gut. Aber es war leider so, dass ich zu dem Zeitpunkt runter in die 2. Mannschaft musste, als er kam.

SPOX: Liegen beide Vorgänge zusammen?

Gaudino: Das weiß ich nicht.

SPOX: Holger Badstuber hat neulich für Aufsehen gesorgt, als er die Talente des FC Bayern teils als zu "bequem" bezeichnete. Einige würden sich nicht voll reinhängen und es deswegen nicht schaffen. Können Sie dem folgen?

Gaudino: Es gibt unterschiedliche Charaktere im Fußball. Manche geben 100 Prozent Leistung im Training, andere ticken anders. Vielleicht gefällt ihm das nicht. Ich weiß nicht, was er gesehen hat.

SPOX: Fühlen Sie sich angesprochen?

Gaudino: Nein, überhaupt nicht.

SPOX: Die Aktualität heißt St. Gallen. Wie soll Ihr Weg dort nun weitergehen?

Gaudino: Ich will gar nicht so weit vorausblicken. Meine Vision ist das nächste Spiel, das nächste Training. Und mit jedem Spiel und mit jedem Training will ich dazulernen.

Gianluca Gaudino im Steckbrief

Seite 1: Gaudino über St. Gallen, Flugstunden und Heimweh

Seite 2: Gaudino über den Alaba/Lahm-Effekt, Guardiola und Joshua Kimmich

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