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Heiko Vogel im Interview: "Salah trainierte am ersten Tag unterirdisch"

Von Niklas König

Im ersten Teil des Interviews mit SPOX und Goal sprach Heiko Vogel über seinen Einstieg ins Trainergeschäft, sein Praktikum bei Real Madrid, die von Pep Guardiola vermittelte Besessenheit und Hermann Gerlands besonderen Umgang mit "Filou" Bastian Schweinsteiger sowie Philipp Lahm.

Im zweiten Teil erinnert sich der 43-Jährige an seine Zeit beim FC Basel zurück. Vogel berichtet vom "unfassbar emotionalen" Spiel gegen Manchester United, dem "Natural Born Leader" Granit Xhaka und seiner ersten Begegnung sowie der Verpflichtung des heutigen Liverpool-Stars Mohamed Salah.

Ein Gespräch über die Gefahr, Talente zu verkennen, Vogels belastenden Doppeljob beim FC Bayern und die Zusammenarbeit mit einem umstrittenen Investor beim KFC Uerdingen.

Herr Vogel, von Januar bis Dezember 2007 haben Sie unter Thorsten Fink als Co-Trainer beim FC Ingolstadt gearbeitet. Wie kam es dazu?

Vogel: Finki und ich haben über sechs Monate zusammen den Fußballlehrer gemacht uns dabei kennen und schätzen gelernt. Er ist dann zu Ingolstadt gewechselt und hat mich gefragt, ob ich mitkommen möchte. Für mich war das sportlich interessant, weil es meine erste Tätigkeit im Seniorenbereich war. Wir sind dann aus der damaligen Regionalliga Süd in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Das war der erste Schnupperkurs von Ingolstadt in die oberen beiden Ligen.

2009 wechselten Sie dann gemeinsam zum FC Basel. Fink wurde schließlich im Oktober 2011 vom HSV abgeworben - und Sie übernahmen erst als Interims- und dann als Cheftrainer. Was ist Ihre Lieblingserinnerung an die Zeit?

Vogel: Da gibt es nur eine Sache.

Das 2:1 gegen Manchester United.

Vogel: Klar. Als Alex Frei das 2:0 machte, wusste ich: United schafft es heute nicht. Das war unfassbar emotional. Nach dem Spiel bin ich irgendwann in den VIP-Raum gegangen, dann meinte der Präsident Bernhard Heusler: 'Du, wir müssten zum Barfiplatz (Barfüsserplatz, Anm. d. Red.)' Es war der 7. Dezember, kurz vor Mitternacht. Ich habe erstmal gar nicht verstanden, was wir da jetzt machen sollen. 'Da sind 6.000 Fans, die die Mannschaft und Dich sehen wollen', sagte er. Ich konnte das erst gar nicht glauben. Dann sind wir angekommen und haben mit den Fans gefeiert. Das war ein sensationeller Moment. Ähnlich war der Cupsieg in Klagenfurt mit Sturm Graz gegen die Übermacht aus Salzburg. Wenn du etwas Außergewöhnliches erreichst, gibst du dem Ganzen eine persönliche Bedeutung. Ich glaube deshalb, dass es emotional gar nicht so ein Unterschied ist, ob du die Champions League gewinnst oder in die Bezirksliga aufsteigst.

Yann Sommer, Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka, Mohamed Salah: Sie haben in Basel viele talentierte Spieler trainiert. Wer hat Sie am meisten beeindruckt?

Vogel: Granit Xhaka. Dazu muss man den Kontext kennen. Xherdan Shaqiri kam mit unglaublich vielen Vorschusslorbeeren, war sofort integriert und hat seine Sache überragend gemacht. Im ersten Meisterschaftsjahr war es unglaublich eng. Am letzten Spieltag hatten wir ein Auswärtsspiel bei den Young Boys Bern, die punktglich waren. Shaqiri hat als Linksverteidiger gegen Seydou Doumbia gespielt, der in dieser Saison über 30 Hütten gemacht hatte. Shaq hat ihn komplett abgemeldet und ein überragendes Spiel gemacht. Dementsprechend war er schon mega-beeindruckend, auch im Manchester-Spiel. Mit was für einem Selbstverständnis er da gespielt hat: unfassbar. Erfahrene Spieler wie Evra sind an ihm abgeprallt. Er hat gegen United ja auch beide Tore vorbereitet.

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Heiko Vogel: "Ihr redet von Shaqiri? Xhaka ist besser"

Kommen wir zu Xhaka.

Vogel: Das war die Zeit, als Granit U17-Weltmeister geworden ist. Es war Länderspielpause und wir hatten mit Basel eine Latte von Freundschaftsspielen. Granit kam in der 70. Minute rein. In der 75. bekommt er den Ball, macht ein paar Meter und schweißt das Ding aus 25 Metern ins Kreuzeck. Ich weiß noch, wie ich danach im Bus saß und gedacht habe: Ihr redet von Shaqiri? Xhaka ist besser. Das war für mich der Beginn meiner persönlichen Liebe zu ihm. Granit war schon als 18-Jähriger unfassbar klar in seinen Aktionen und seinen Ansichten. Er war ein Natural Born Leader. Auch Momo war beeindruckend - auf eine andere Art.

Inwiefern?

Vogel: Ihn habe ich bei Gegge (Sportdirektor Georg Heitz, Anm. d. Red.) im Büro erstmals auf Videos gesehen. Da habe ich zu Gegge gesagt: 'Guck Dir den mal an, das ist ja unfassbar, die haben die Videos manipuliert.' Der Kerl war so herausragend schnell, das war irre. Man muss dazu sagen, dass Momo damals - mit 20 - schon ein Star in Ägypten und auf dem Sprung in die A-Nationalmannschaft war. Es war klar, dass er nicht zu den beiden großen ägyptischen Vereinen geht. Momo wollte entweder bei seinem kleinen Heimatverein bleiben oder nach Europa wechseln.

Salah hatten sicher auch andere Teams auf dem Zettel.

Vogel: Es war ganz komisch. Nachdem wir die Videos angeschaut haben, sagte Gegge zu mir: 'Weißt Du, was das Beste ist? Der kommt zum Probetraining.' Ich fragte: 'Wie bitte? Was macht der?' Das fanden wir unfassbar beeindruckend. Bei seinem Talent dachten wir natürlich auch, dass an ihm zig andere Vereine dran sind.

Wie lief es dann ab?

Vogel: Er kam nach Basel, wir haben ihn vom Flughafen abgeholt und ins Hotel gebracht. Das war ein sehr angenehmer Abend. Diese Offenheit, diese Neugier und diese Demut, die Momo ausgestrahlt hat.

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Heiko Vogel: Salah zerlegte alles an Tag drei

Konnte er Englisch?

Vogel: Nein, gar nicht. Er wollte ja Deutsch lernen. Da habe ich ihm gesagt: 'Bleib mal ruhig, Meister. Deutsch ist sauschwer. Lern Englisch, das reicht schon.' Momo hatte einen ganz tollen Berater dabei, den Yaya. Er konnte fließend Englisch. So haben wir uns verständig.

Und dann kam die erste Trainingseinheit.

Vogel: Gegge und ich haben ihm gesagt: 'Pass auf, Du kannst eigentlich trainieren, wie Du willst. Wir haben unsere Entscheidung sowieso schon getroffen.' Dann trainierte er am ersten Tag unterirdisch. Alle haben zugeguckt. Wir haben uns gefragt, ob er vielleicht einen Zwillingsbruder hat. Am zweiten Tag war es etwas besser, aber auch nicht gut. Da haben Gegge und ich schon bei den kleinsten Aktionen Werbung für ihn gemacht. Nach dem Motto: Habt Ihr den Pass gesehen? Und dann kam der dritte Tag.

Wie lief der ab?

Vogel: Da hat er alles zerlegt, war wirklich nicht zu stoppen. Ich habe selten einen so dominanten Auftritt im Zwei-gegen-Fünf gesehen. Das war absolut außergewöhnlich. Er war so wendig, so explosiv - nicht zu greifen. Wenn er das Ding auf dem linken Fuß hatte, war der Ball eh drin. Momo hatte aber auch immer den Blick für den Mitspieler. Nach dem Auftritt war allen klar, warum wir ihn holen wollten.

Wie erklären Sie sich seine Auftritte an den ersten beiden Tagen?

Vogel: Nicht mit Nervosität, Momo war selbstsicher, ist aber in eine neue Welt eingetaucht. Da musste er sich im wahrsten Sinne des Wortes erstmal akklimatisieren. Er kam aus dem heißen Nordafrika zu uns. Es ist immer schwierig, wenn du in ein Umfeld reinkommst, in dem du die Sprache nicht wirklich verstehst.

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