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Fussball

BVB-Gegner Besiktas in der Auswärtsspiel-Kolumne: Pjanic oder Batshuayi? Der Star ist der Trainer!

Von Fatih Demireli

Borussia Dortmunds erster Champions-League-Gegner Besiktas (Mi., 18.45 Uhr im Liveticker) rüstete im Sommer mit Michy Batshuayi, Miralem Pjanic, Alex Teixeira und Co. ordentlich auf. Doch der Glaube an den Erfolg der Fans ruht nicht auf den Spielern, sondern auf einem Trainer, der eigentlich nie Trainer werden wollte.

Sergen Yalcin wollte noch eine kluge Schlusspointe setzen, nachdem er zuvor fast zwei Stunden über Fußball sprach und er einmal mehr sein ganzes Fachwissen eindrucksvoll präsentiert hatte.

"Ich hoffe, das Glück ist auf unserer Seite in dieser Saison", sagte der Trainer von Besiktas zum Abschluss des Live-Interviews bei TRT: "Man sagt ja: 'Der Ball hat ein Auge. Schieß einfach, der Ball wird mit seinem Auge den richtigen Weg schon finden.'" Als sein Gegenüber zugab, die Weisheit zum ersten Mal gehört zu haben, sagte Yalcin: "Okay, kann sein, dass ich mir das gerade ausgedacht habe." Schallendes Gelächter im Studio.

Nachdem sich der Moderator vom Lachen erholt hatte, sagte er: "Also ich finde den Spruch gut. Da ist was dran." Und seither spricht das türkische Fußballvolk in der Tat immer wieder über die Augen eines Balles. Möglich, dass jeder andere Absender für seine ausgedachte Weisheit auf immer verdammt gewesen wäre, aber wenn Sergen Yalcin so etwas sagt, wird da schon was dran sein.

Der heute 48 Jahre alte Yalcin war einst ein begnadeter Fußballer. Pässe, Schüsse, Dribbling - alles sah so überragend und so einfach aus. So einem glaubt man, wenn er über Fußball spricht. Hätte Yalcin Lust gehabt, mehr aus seiner Karriere zu machen, hätte er es getan. Doch dafür war einfach keine Zeit. Das Nachtleben in Istanbul war viel zu schön, tagsüber standen Pferderennen an, die er liebte.

Wie soll man sich da nur auf Fußball konzentrieren? Und dennoch spielte er für die größten Klubs des Landes: Besiktas, Fenerbahce, Trabzonspor und Galatasaray. Verblüffend: Trotz verbotenem Farbenwechsel wurde er überall gleichsam geliebt, weil er eben einfach so überragend Fußball spielte.

© getty
Der Meister und sein Meisterteam: Sergen Yalcin hat bei Besiktas Heldenstatus.

Besiktas-Trainer Yalcin: Der ewige Sergen?

Nur bei Besiktas, seinem Stammklub, ist die Liebe ausgeprägter und diese beruht auf Gegenseitigkeit. 63 Spiele hat er als Trainer dort nun absolviert. Eine Ewigkeit für einen Trainer, dessen Durchschnitt bei 16,87 Spielen liegt. "Als Spieler war es einfacher. Du warst für dich selbst verantwortlich. Wenn das Training vorbei war, verließ ich das Gelände. Als Trainer musst du für alles und für alle da sein", sagt Yalcin.

Eigentlich nichts für einen Genießer des Lebens, doch wie intensiv die Hoffnungen der Besiktas-Fans mit Yalcin verbunden sind, lässt sich mit zwei kurzen Erinnerungen erzählen. Als Besiktas im Januar 2020 Yalcin als neuen Trainer vorstellte, waren 25.000 Menschen im Stadion. Als er im Sommer dieses Jahres überlegte, den Klub zu verlassen, weil er mit dem Vorstand nicht einer Meinung war, kamen mehrere Hundert vor das Haus ihres Lieblings, um ihn von einem Verbleib zu überzeugen.

Am nächsten Tag gab es die Unterschrift. "Ich kann diese Menschen nicht im Stich lassen", sagte er mal. Und lässt Taten folgen. Der aktuelle Erfolg von Besiktas, die Meisterschaft im letzten Jahr und der starke Start in diese Saison, ist eng verknüpft mit der Rolle des Trainers. Ein Klub, der horrende Schulden hat und insbesondere in der letzten Saison nahezu handlungsunfähig war, wird fast ausschließlich von seinem Selbstvertrauen gestützt.

Besiktas und die Altlasten: Aus der Not eine Tugend machen

Fenerbahce und Galatasaray rüsteten Jahr für Jahr auf. Besiktas, das immer noch unter den Altlasten früherer verschwenderischer Tage leidet, musste sich mit Leihspielern begnügen. Einer von ihnen war Rachid Ghezzal, der bei Leicester City keine Perspektive mehr sah und einen neuen Klub suchte. "Ein befreundeter Berater hat mir Ghezzal auf seinem Handy gezeigt. Ich hole normalerweise keine Spieler, die ich nur auf einem Handyvideo gesehen habe."

Aber Yalcin war sofort Feuer und Flamme: "Ich habe gefragt: 'Wo hast du den denn her? Hol ihn sofort.' Dabei hatte ich eigentlich auf dem Video nur gesehen, wie er den Ball annahm und weiterspielte. Es war ein Zufallstransfer." Doch jener Ghezzal führte Besiktas mit acht Toren und 18 Vorlagen zur Meisterschaft. Inzwischen wurde der Algerier fest verpflichtet, doch er ist längst nicht die einzige Offensivwaffe der schwarzen Adler.

Da wäre Michy Batshuayi, den Besiktas vom FC Chelsea ausgeliehen hat. Der Belgier hat keine Anlaufzeit benötigt und ist auf Anhieb eine feste Größe. Da wäre Alex Teixeira, der eigentlich schon in Dubai weilte, um seinen Transfer abzuschließen, aber dann doch von Besiktas überzeugt wurde, nach Istanbul zu kommen. Da ist aber vor allem Miralem Pjanic.

Den Bosnier verpflichtete Besiktas an dem Tag, als die Spieler für die Champions League gemeldet wurden. Und wieder war der Berater am Werk, der einst Ghezzals Filmschnipsel dem Trainer zeigte. "Er sagte mir, dass man eventuell Pjanic bekommen könnte", erzählt Yalcin: "Ich dachte, dass er mich auf dem Arm nimmt, aber er meinte das ernst und innerhalb weniger Stunden haben wir den Transfer durchgezogen."

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Besiktas-Neuzugänge Pjanic und Co. mit starken Debüts

Pjanic musste beim Spielermeldungszentrum des türkischen Verbands persönlich erscheinen, um seine Lizenz zu beantragen. Türkische TV-Sender berichteten live vor Ort und filmten dabei auch den Pizzalieferanten, der Pjanic und Co. mit Proviant versorgte.

Wie Batshuayi und Teixeira, die beide schon trafen, hat auch Pjanic ein eindrucksvolles Besiktas-Debüt absolviert und versetzte den Klub in Ektase. Besiktas hat vor allem in der Offensive einen Kader zusammengestellt, der die Anhänger träumen lässt. Doch Yalcin ist genervt, dass man die Gruppe mit Dortmund, Lissabon und Ajax als "Losglück" bezeichnet.

"Wir spielen in einer extrem schwierigen Gruppe", sagt er. "Wenn wir mithalten wollen, müssen wir Gas geben." Auch das ist eine Entwicklung des Trainers Yalcin. Der Spieler Sergen hielt nichts von Understatement. Er war viel zu gut, ehrfürchtig zu sein. Als Trainer muss er die Balance finden.

Er weiß, dass ein Gegner auf dem Platz steht, der sicher eine gute Idee hat, ein Spiel zu gewinnen. Er weiß, dass die Spieler von Champions-League-Auftaktgegner Dortmund um Erling Haaland, Marco Reus und Co. so gut kicken können, dass seine Mannschaft Probleme bekommen könnte.

Daher will Yalcin erst einmal verhindern, ins offene Messer zu laufen. Und vorne? Die Augen des Balles werden es schon richten.

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