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Fussball

Kommentar zum FC Bayern München: Ratlosigkeit mit einem Hauch Schönrednerei

Von Nino Duit

Nach dem vierten sieglosen Bundesligaspiel hintereinander verwiesen die Protagonisten des FC Bayern München in erster Linie auf die mangelhafte Chancenverwertung, doch damit machten sie es sich zu einfach. Es entsteht der Eindruck von Ratlosigkeit mit einem Hauch Schönrednerei. Ein Kommentar.

Hasan Salihamidzic zuckte in der Mixed Zone nach beinahe jedem Satz mit seinen Schultern, Julian Nagelsmann lugte während seiner schmallippigen Pressekonferenz gerade noch so über dem bis zum Kinn hochgezogenen Kragen seiner schwarzen Kapuzenjacke hervor: Der Sportvorstand und Trainer des FC Bayern untermalten mit ihren Auftritten nach dem 0:1 beim FC Augsburg optisch die Ratlosigkeit im Klub ganz wunderbar.

Erstmals seit 2001 blieb der FC Bayern in der Bundesliga viermal in Folge ohne Sieg, erstmals nach 87 Spielen ohne Torerfolg. In der Tabelle liegen die Münchner nach sieben Spielen nur auf Platz vier und könnten am Sonntag weiter abrutschen. Aufgehübscht wird die besorgniserregende Situation lediglich vom starken Start in die Champions League mit zwei Siegen, wobei der am Dienstag gegen den FC Barcelona eher glücklich zustande kam.

Als Hauptgrund für die nächsten Punktverluste in der Bundesliga nannten die Bayern-Protagonisten erneut eine mangelhafte Chancenverwertung. Laut Thomas Müller hätte der FC Bayern "10:2 gewinnen" können, eine Augsburger "Druckwelle" erkannte er nicht. Nagelsmann erklärte: "Wenn ich die Statistik sehe, ist es grundsätzlich so, dass wir das Spiel gewinnen müssen." Damit machten sie es sich aber zu einfach und erregten darüber hinaus den Verdacht der Schönrednerei.

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Thomas Müller: "Kann keine schlauen Antworten geben"

Ein solch überwältigendes Plus an Großchancen wie diese Aussagen vermuten lassen, hatte der FC Bayern trotz eines Torschuss-Verhältnisses von 19:11 und deutlich mehr Ballbesitz nämlich nicht. "Wir hatten noch nie so viele Chancen gegen Bayern München", fand Augsburg-Manager Stefan Reuter. Stattdessen sollten beim FC Bayern andere Statistiken Sorgen bereiten: Augsburg lief mehr, absolvierte mehr Sprints und gewann mehr Zweikämpfe als der FC Bayern. Die Passquote lag wie schon gegen Barcelona bei für Münchner Verhältnisse schwachen 83 Prozent.

Das Remis gegen Borussia Mönchengladbach vor drei Wochen konnte man noch mit jedem Recht auf die Chancenverwertung schieben, mittlerweile gehen die Probleme des FC Bayern aber darüber hinaus. Trotz der Taktik-Umstellung von 4-2-3-1 zu 4-2-2-2 fand Star-Neuzugang Sadio Mané erneut keine Bindung zum Spiel, seine Formkrise ist alarmierend. Die Leichtigkeit vom überragenden Saisonstart ist längst verflogen, der neuen flexiblen Offensive fehlt aktuell die Durchschlagskraft. In allen Mannschaftsteilen leistet sich der FC Bayern viel zu viele völlig unnötige Fehlpässe und Ballverluste.

Salihamidzic diagnostizierte darüber hinaus ein Einstellungs-Problem. Ein gerne bedienter Aspekt, wenn man nicht weiter weiß. Die Mannschaft habe gegen körperbetonte Gegner "brutale Probleme" und lasse die "nötige Gier" vermissen: "Ich habe das Gefühl, dass wir uns darauf verlassen, dass wir Top-Qualität haben." Besorgniserregende Aussagen über diese im Sommer teuer und hochkarätig verstärkte Mannschaft. Mit Blick auf die Ergebnisse wirkt es aktuell, als würde sie die letzten Prozente nur in der ruhmreichen Königsklasse aus sich herauskitzeln.

"Wir können uns nicht wirklich argumentativ verteidigen", sagte Müller abschließend. "Ich kann euch keine schlauen Antworten geben." So hört sich Ratlosigkeit an.

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