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Fussball

Joshua Kimmichs Comeback beim FC Bayern München: Genesen, zurückgeschickt, gelobt

Von Nino Duit

Der FC Bayern München hat zum Rückrundenauftakt stark ersatzgeschwächt mit 1:2 gegen Borussia Mönchengladbach verloren. Dabei feierte immerhin Joshua Kimmich sein Comeback nach langer Corona-Pause: In alter Rolle zeigte der 26-Jährige eine eher durchwachsene Leistung, sein Trainer lobte ihn trotzdem überschwänglich.

Das letzte Mal, als Joshua Kimmich auf der Position des Rechtsverteidigers für den FC Bayern München begann, schlug er eine geschichtsträchtige Flanke auf Kingsley Coman. Der Franzose köpfelte den Ball dann ins Tor seiner alten Kollegen von Paris Saint-Germain, der FC Bayern war Champions-League-Sieger 2020.

Corona gab es damals zwar auch schon, das beweisen die leeren Ränge im Lissabonner Estadio Da Luz. Die Kaderstärke des FC Bayern behinderte das Virus aber noch nicht. Ganz anders sieht das eineinhalb Jahre später im Januar 2022 aus: Gleich neun Spieler fielen zum Rückrundenauftakt gegen Borussia Mönchengladbach wegen Corona-Infektionen aus, dazu fehlten vier weitere aus anderen Gründen.

Trainer Julian Nagelsmann musste sich also etwas einfallen lassen - und das tat er. Auf der Bank saß eine Auswahl an Drittligameistern (Timo Kern), niedersächsischen Landespokalsieger (Nicolas Feldhahn) und Spielern mit berühmten Namen wie Ibrahimovic und Copado, die aber nicht die berühmten Vornamen Zlatan und Francisco tragen, sondern Arijon (16) und Lucas (17). Jamal Musiala lief in der zweiten Halbzeit in einem Trikot von Corentin Tolisso auf - vielleicht um dem Gegner frische Kräfte vorzugaukeln?

Und der eigentlich als Anführer und Motor im zentralen Mittelfeld etablierte Kimmich wurde aus Mangel an Alternativen wie damals in Lissabon nach rechts hinten zurückgeschickt.

Joshua Kimmichs Corona-bedingte Leidenszeit

Es ist bekanntermaßen nicht seine Lieblingsposition, ganz im Gegenteil: Einst drängte Kimmich vehement und erfolgreich darauf, von der rechten Verteidigung ins Zentrum wechseln zu dürfen. An diesem eisigen Freitagabend in der verschneiten Allianz Arena dürfte ihm die Rückkehr auf die alten Position aber ziemlich egal gewesen sein. Zunächst einmal wollte Kimmich nämlich nur das tun, was er in den vergangenen Wochen kaum tun durfte: an der frischen Luft Sport treiben.

Letztmals bei einem Pflichtspiel auf dem Platz stand er beim 2:1-Sieg gegen den SC Freiburg am 6. November. Anschließend wurde ihm seine fehlende Corona-Impfung zum Verhängnis: Zweimal musste er als Kontaktperson in Quarantäne, ehe er sich - just bevor er sich doch noch impfen lassen wollte - selbst ansteckte. Weil sich in seiner Lunge Flüssigkeit ansammelte, wurde er bis zur Winterpause geschont.

62 Tage und acht verpasste Pflichtspiele später kehrte Kimmich nun also unter den widrigstmöglichen Bedingungen zurück, an dem eher unansehnlichen Spiel mit dem aus Sicht des FC Bayern eher unansehnlichen Ergebnis von 1:2 konnte aber auch er nichts ändern.

Spötter dürften anmerken: Immerhin gelang ihm wie damals in Lissabon ein Assist, mit einem missratenen Klärungsversuch bereitete Kimmich nämlich Florian Neuhaus' Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1 vor. Robert Lewandowski hatte den FC Bayern zuvor mit 1:0 in Führung gebracht, Gladbachs 2:1 besorgte später Stefan Lainer. Kimmichs missratener Klärungsversuch stand ein bisschen exemplarisch für sein Comeback gegen Gladbach: äußerst bemüht, aber auch fehlerhaft.

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Julian Nagelsmann lobte Joshua Kimmich überschwänglich

Bei eigenem Ballbesitz rückte Kimmich von der rechten Seite genau wie sein ebenfalls aus dem Mittelfeld abkommandiertes Pendant auf links, Marcel Sabitzer, etwas ein. Gemeinsam mit dem Sechser Marc Roca bildeten sie dann eine Aufbau-Dreierkette vor den beiden Innenverteidigern. Immer wieder probierte sich Kimmich mit mutigen Pässen, einige kamen durchaus ansehnlich an - zu viele davon blieben aber hängen. Weil Kimmich darüber hinaus den einen oder anderen Ball vertändelte, leistete er sich die zweitmeisten Ballverluste (25) nach dem einmal mehr enttäuschenden Sabitzer.

Immerhin war Kimmichs Wille deutlich zu sehen, das belegen auch die Zahlen: Er verzeichnete mit Abstand die meisten Ballaktionen beim FC Bayern (125), spulte die meisten Kilometer ab (12,52) und lief die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit (7,64 km/h). "Josh hat die ersten 75 Minuten herausragend gut gespielt. In den letzten 15 hat man körperlich gesehen, dass er lange nicht gespielt hat", lobte Nagelsmann durchaus etwas überschwänglich, am Ende sei "kein Saft mehr im Tank" gewesen.

"Fußball ist immer noch was anderes als Laufband oder durch den Wald laufen. Er braucht ein bisschen Zeit", sagte Nagelsmann. So bald wie möglich braucht sein Trainer Kimmich aber wieder auf seiner Paradeposition im zentralen Mittelfeld. Ohne Kimmich und seinen Stammpartner Leon Goretzka, der unter Problemen an der Patellasehne leidet, fehlte es dort gegen Gladbach sichtlich an Struktur und Führungsstärke.

Hoffnungen auf eine schon zum nächsten Bundesligaspiel am kommenden Samstag beim 1. FC Köln arg entspannte Personallage dämpfte Nagelsmann aber direkt nach dem Gladbach-Spiel: "Ich rechne nicht mit extrem vielen Rückkehrern, die für die erste Elf in Frage kommen." Immerhin dürften den betroffenen Spielern genau wie dem frisch genesene Kimmich nach ihren Comebacks für den Rest der Saison keine weiteren Corona-bedingten Pausen mehr drohen.

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