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FC Bayern München nach dem Remis in Augsburg: Die Protagonisten widersprechen sich

Von Nino Duit

Der FC Bayern München ist beim FC Augsburg nicht über ein 2:2 hinausgekommen und hat in der Bundesliga somit zum zweiten Mal in Folge nicht gewonnen. Zur Qualität des Spiels hatten die Protagonisten danach unterschiedliche Ansichten.

Der FC Bayern hat beim FC Augsburg nur 2:2 gespielt, die Gegentore fielen ganz am Anfang (1. Minute, Marco Richter) sowie ganz am Ende (90.+1, Alfred Finnbogason) - und dazwischen hatte der FC Bayern Chancen für weit mehr Tore als die beiden, die er schoss. Soweit waren sich alle einig.

Aber dazwischen? Hat der FC Bayern gut gespielt oder nicht? Die Meinungen der Münchner Protagonisten nach dem zweiten sieglosen Bundesligaspiel in Folge (davor 1:2 gegen die TSG Hoffenheim) gingen auseinander.

Neuer bemängelt fehlende Ballstafetten und Ballverluste

Zunächst kam Kapitän Manuel Neuer in die Mixed Zone. Der einzige Bayern-Spieler, der sich äußern wollte. Neuer schien nicht nur unzufrieden mit dem Ergebnis, sondern auch mit der Spielweise. "Das ist nicht das, was der FC Bayern zeigen möchte. Das ist nicht unser Anspruch", sagte er. "Es war ein guter Platz heute. Man hätte wirklich tolle Passstafetten haben können." Hätte. Also gab es sie in Neuers Augen nicht. Außerdem bemängelte Neuer "viel zu häufige" Ballverluste im Aufbau.

Das Spiel des FC Bayern in Augsburg war wie so oft unter Trainer Niko Kovac stark flügellastig. Verstärkt wurde diese Statik durch die erstmalige Startelfnominierung von Javi Martinez in dieser Saison. Er machte es generell ganz gut, schlug vor allem einige gute Diagonalpässe. Durch seine tiefe Positionierung waren die Abstände zu seinen beiden zumeist hoch aufgerückten Mittelfeldkollegen Philippe Coutinho und Thiago jedoch groß und die besten Techniker des Teams somit weniger eingebunden als gewohnt. Nur etwa 25 Prozent der Angriffe gingen durchs Zentrum. Ansehnliche Kombinationen und lange, für den Gegner ermüdende Ballstafetten gab es kaum. Stattdessen: Flanken und individuelle Klasse.

Wie in der 14. Minute, als Robert Lewandowski eine perfekte Hereingabe von Serge Gnabry zum 1:1 einköpfte und somit weiterhin in jedem Pflichtspiel der Saison traf. Oder in der 49., als Gnabry von rechts nach links das halbe Spielfeld durchquerte und dann zum 2:1 einschoss. Oder auch dazwischen, etwa in der 39., als Gnabry eine Flanke von David Alaba an den linken Pfosten streichelte. Flanken und individuelle Klasse.

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Kovac und Salihamidzic loben die Leistung

Kovac war zwar wie Neuer naturgemäß unzufrieden mit dem Ergebnis, mit der Spielweise aber war er hochzufrieden. "Wir haben es genauso gemacht wie wir wollten: den Gegner laufen gelassen, den Ball verlagert", lobte er bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. "Außerordentlich gut" sei die Leistung seiner Mannschaft gar gewesen, vor allem "positionstechnisch".

Sportdirektor Hasan Salihamidzic sah es ähnlich: "Wir haben den Ball laufen gelassen, Kontrolle gehabt. Das Spiel war sehr, sehr gut. Das Problem war die Chancenverwertung." Und um seine These zu unterstreichen, hatte er sich sogar eilig alle relevanten Zahlen zusammengesucht. 15 Torchancen, 24 Torschüsse und 78 Prozent Ballbesitz zählte Salihamidzic auf: "Das sind alles Höchstwerte."

FC Bayern: Defensive Anfälligkeit im Höchstwertbereich

Im Höchstwertbereich ist für Verhältnisse des FC Bayern derzeit jedoch auch die defensive Anfälligkeit. In den vergangenen vier Pflichtspielen kassierte der FC Bayern jeweils zwei Gegentore. Nach acht Bundesligaspielen sind es bereits zehn, mehr waren es zu diesem Zeitpunkt zuletzt in der Saison 2008/09 unter Trainer Jürgen Klinsmann (damals 13). Gegen Augsburg sahen beim 0:1 Benjamin Pavard und Niklas Süle (der wenig später mit Verdacht auf Kreuzbandriss ausgewechselt werden musste) nicht gut aus. Beim 2:2 waren es dann Lucas Hernandez und Martinez.

Dass die Treffer kurz nach Anpfiff und kurz vor Abpfiff fielen, war "nicht Bayern-like", wie Neuer befand. "Ich will nicht sagen, dass es überheblich ist", sagte er und wollte eigentlich genau das sagen. Stattdessen formulierte er es so: "Das ist schon ein bisschen lässig und vielleicht auch ein bisschen zu selbstbewusst." Neuer übrigens trug keine Schuld an den beiden Gegentoren, darüber hinaus hatte er jeweils vorbildlich den Reklamierarm gehoben.

Kovac: "Dann brauchen wir nicht noch ein drittes Tor"

Kovac widersprach Neuer auch in dieser Hinsicht, indem er auf die Worte seines Kapitäns angesprochen betonte, dass das "nichts mit Lässigkeit" zu tun habe. "Wenn es knappe Ergebnisse gibt, muss man sich auch als Bayern München hinstellen und gut verteidigen. Dann brauchen wir nicht noch ein drittes Tor", sagte Kovac.

Ist das wirklich der Anspruch des FC Bayern gegen einen verunsicherten und (bis auf die erste Minute und die Nachspielzeit) harmlosen FC Augsburg, der in den vorangegangenen beiden Spielen übrigens acht Gegentore kassiert hatte und im Abstiegskampf steckt?

Kovacs Spieler jedenfalls sahen das anders und taten nach dem Führungstreffer das Gegenteil: Sie verteidigten nicht tief, sondern flankten und flankten und schossen und schossen munter auf der Suche nach der Entscheidung. Die womöglich beste Chance vergab übrigens der erneut nur eingewechselte Thomas Müller, der in der 90. freistehend verzog. Im direkten Gegenzug fiel der Ausgleich, der dafür sorgte, dass der FC Bayern von den acht bisherigen Bundesligaspielen nur die Hälfte gewann - und sogar noch einen Punkt weniger hat als zum selben Zeitpunkt in der vergangenen Saison.

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