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Fussball

Uli Hoeneß ruft im Doppelpass an und knöpft sich Andreas Rettig vor - das Gespräch im Wortlaut

Von Maximilian Lotz

Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß hat am Sonntag im Sport1-Doppelpass angerufen und sich in puncto Fußball-WM in Katar ein Wortgefecht mit dem früheren DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig geliefert.

Der Doppelpass jeden Sonntag ab 11 Uhr LIVE auf Sport1.

Hoeneß ergriff dabei Partei für den umstrittenen WM-Gastgeber, der aufgrund von Korruptionsvorwürfen, Rassismus und Menschenrechtsverletzungen stark in der Kritik steht. Er bezeichnete Rettig als "König der Scheinheiligen" und fragte Rettig: "Ob er im Winter nicht mehr so warm duscht, oder ob er sich über das Gas, das wir demnächst aus Katar beziehen, schon mal Gedanken gemacht hat."

Hoeneß glaubt, dass nur die WM-Gastgeberrolle und daraus resultierenden Diskussionen über Katar etwas an der Situation vor Ort ändern können: "Durch die WM und das Engagement des FC Bayern in der Golfregion werden die Arbeitsbedingungen besser werden und nicht schlechter. Das einzige Land in der Region, wo es wirklich besser wird, weil diese Diskussionen stattfinden, ist Katar."

Rettig konterte cool: "Es überrascht mich nicht, dass sie als 'Botschafter' von Katar so argumentieren." Hoeneß und der FC Bayern seien mit dem Herrscherhaus in Katar verbunden und "seit Jahren pro domo". Es wundere ihn nicht, dass die Bemühung der Katerer in Bezug auf "Sportwashing bei ihnen verfängt", so Rettig in Richtung Hoeneß. Die Bayern haben seit Jahren eine bei den Fans höchst umstrittene Sponsor-Partnerschaft mit dem Emirat.

Am Sonntagabend hat Hoeneß in der Bild die Gründe für seinen überraschenden Anruf erläutert: "Die Aussage von Alfred Draxler, den Sport nicht zu überfrachten! Das ist der Punkt. Katar ist Anteilseigner z.B. von VW und der Deutschen Bank. Der Bundeskanzler bittet in Katar um Öl und Gas. Da geht es um unser Land. Sonst könnten wir nur noch mit 17 Prozent der Welt Geschäfte machen. Wir Deutsche müssen aufpassen, dass wir uns nicht isolieren."

Auf die Frage, ob er glaube, der Sport könne die Menschenrechtslage verbessern, sagte Hoeneß: "Natürlich. Ein Beispiel: Die Frauen-Mannschaft des FC Bayern hat vor einigen Jahren als erstes Frauen-Team in Katar mit kurzen Hosen gespielt. Das war eine Sensation und ein Durchbruch für den Frauenfußball."

"Scheißdreck" und "Katastrophe": Wenn die Bayern nachtreten

Uli Hoeneß vs. Andreas Rettig: Das Gespräch im Wortlaut

Uli Hoeneß: "Eigentlich wollte ich ja schon anrufen, bevor Alfred Draxler seine wie ich finde fantastische Rede gehalten hat und seinen Kampf für diese Geschichte - aber ich hatte die Telefonnummer nicht." (Draxler hatte zuvor beim Thema Katar-Kritik von Scheinheiligkeit gesprochen, Anm.d.Red.) So habe ich jetzt die Werbepause nutzen können, um ihm sagen zu können, dass ich zu 100 Prozent hinter dem stehe, was er gesagt hat - was ja nicht so oft der Fall ist, das wissen die Herren von der Bild-Zeitung, dass man da oft anderer Meinung ist.

Aber ich möchte dem Andreas Rettig, dem König der Scheinheiligen, mal sagen, ob er denn jetzt im Winter irgendwann auch nicht mehr so warm duscht? Ob er auch das Gas, das wir demnächst aus Katar beziehen und vielleicht sogar auch das Öl aus Saudi-Arabien - was ich jetzt nicht so gut fände - ob er sich da schonmal Gedanken gemacht hat.

Und noch ein weiteres Argument: Als in Afghanistan die Problematik war, sind die ganzen deutschen Beamten und die Leute, die uns dort geholfen haben, über Katar und nur mit großer Hilfe von Katar überhaupt ausgeflogen worden."

Uli Hoeneß: "Arbeitern in Katar geht es durch die WM besser"

Uli Hoeneß: "Und eines ist jetzt schon sicher: Die WM und auch das Engagement des FC Bayern und andere Sportaktivitäten in der Golfregion werden dazu führen, dass die Arbeitsbedingungen für die Arbeiter dort besser werden und nicht schlechter. Denn ich habe noch nie in solchen Sendungen etwas gehört über Dubai, über Kuwait - es wird nur über Katar gesprochen. Und das einzige Land, wo es wirklich besser wird, wenn diese Diskussion stattfindet, das ist Katar. Und das muss sich der Herr Rettig mal überlegen. Dieses ewige Sticheln!

Die Entscheidung, da kann man jetzt geteilter Meinung sein, vor zehn, zwölf Jahren, als die WM vergeben wurde. Das ist wieder was anderes. Aber jetzt ist es nun mal so. Und eines ist auch klar: Den Arbeitern in Katar geht es durch die WM besser und nicht schlechter. Und das sollte man endlich mal akzeptieren und nicht ständig auf die Leute draufhauen. Denn nur durch die Diskussion und dadurch, dass der Herr Scholz (Bundeskanzler, Anm.d.Red.) dahin fährt, dass die Nationalmannschaften dahin fahren, wird es auf die Dauer besser.

Und wenn wir demnächst nirgends mehr irgendetwas kaufen oder zusammenarbeiten mit Ländern, wo die Menschenrechte nicht so gehandhabt werden wie bei uns - da gibt es eine Statistik, dass 83 Prozent der Länder auf der Welt die Menschenrechte nicht so behandeln wie wir -, dann können wir unseren Laden zusperren. Und das sollten all die Schlaumeier sich mal überlegen, die so unglaublich katastrophal argumentieren wie Sie. Vielen Dank."

Andreas Rettig zu Hoeneß: "Empfehle Ihnen andere Quellen"

Andreas Rettig: "Es überrascht mich nicht, dass Sie so argumentieren, Herr Hoeneß, als Botschafter von Katar. Sie sind seit Jahren verbunden mit dem Hause. Dass Sie daher pro domo sprechen, dass überrascht jetzt nicht in der Frage.

Die Beispiele, die Sie genannt haben, sind deshalb nicht zielführend, weil die alle keine Weltmeisterschaft ausgetragen haben wie es jetzt in Katar der Fall ist. Und man sieht ja, dass dieser lange Weg der Kataris auch bei Ihnen verfängt, was das Thema Sportswashing angeht. Und ich empfehle Ihnen dringend - ich war gestern auf einer Veranstaltung, die unter anderem von der Rosa-Luxemburg-Stiftung organisiert worden ist und wo Amnesty und ein Blogger aus Kenia dabei waren. Mit dem sollten Sie sich mal unterhalten, der war nämlich vor Ort. Lassen Sie sich mal von dem die Umstände in diesem Land erklären, wie dort gearbeitet wird.

Ich finde, wir sollten nicht den Themen hinterherhecheln, die leider über die Propaganda der Katarer hier transportiert werden: Alles wird besser ... (Hoeneß versucht zu unterbrechen) ... Ich habe Sie auch ausreden lassen ... und ist auf dem Wege. Ich kann nur hoffen, dass sich Herr Neuendorf (DFB-Präsident, Anm.d.Red.) mit diesen Themen eines Fonds für Todesopfer der Baustellenopfer, wo Tausende Arbeiter dort gestorben sind, durchsetzt. Der Bericht derer, die vor Ort waren, war gestern eindrücklich. Ich würde Ihnen vielleicht empfehlen, dass Sie die Quellen, die Sie anzapfen, demnächst etwas breiter aufstellen."

Hoeneß: "Eine Frage an Sie: Waren Sie schonmal in Katar?"

Rettig: "Nein, das gehört nicht zu meinen bevorzugten Reisezielen."

Hoeneß: "Ah ja. Ich war schon in Katar. Da habe ich mich vor Ort umsehen können. Und ich glaube, es wäre ganz gut, wenn Sie mal nach Katar fahren und sich vor Ort die Dinge mal anschauen."

Rettig: "Aber Herr Hoeneß, Herr Beckenbauer hat ja auch keine Sklaven dort gesehen. Dann ist ja alles in Ordnung."

Hoeneß: "Ich gehe mal davon aus, dass Sie etwas intensiver suchen würden."

Rettig: "Davon können Sie ausgehen."

Hoeneß: "Vielen Dank, meine Herren."

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