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Fussball

FC Bayern - Franck Riberys Bruder Steeven: Königsbruder sucht Königreich

Von Nino Duit

© getty

Franck Riberys jüngerer Bruder Steeven spielte einst für die Reserve des FC Bayern. Sein Talent ließ er in München zwar aufblitzen, bei den Kollegen eckte er aber an. Es folgte eine äußerst unerfolgreiche Fußball-Reise quer durch Europa.

Als Erik ten Hag 2015 das Traineramt bei der Reserve des FC Bayern München niederlegte, sollte er eine Prognose abgeben: Welchen seiner Spieler gelingt eine Profikarriere? "Rico Strieder und Lukas Görtler können es schaffen", sagte ten Hag damals bei transfermarkt.de. Beide bestätigten ihren Trainer, indem sie beachtliche Karrieren in den Niederlanden und der Schweiz hinlegten.

Als dritten Kandidaten nannte ten Hag, mittlerweile bei Manchester United unter Vertrag, noch Steeven Ribery, den damals 19-jährigen Bruder von Klub-Ikone Franck: "Er hat großes Potenzial. Ich denke, er kann mal Profi-Fußball spielen." Mittlerweile ist Steeven Ribery 26 Jahre alt - und spielt für den französischen Amateurklub US La Charite. Seine Karriere scheiterte wohl nicht am Talent, sondern eher an der Mentalität.

Wie Franck kam Steeven in der nordfranzösischen Stadt Boulogne-sur-Mer am Ärmelkanal zur Welt, später durchlief er die Akademie des nahen Traditionsklubs RC Lens. Im Januar 2014 folgte er schließlich seinem 13 Jahre älteren Bruder Franck zum FC Bayern. Der mittlere Bruder Francois hatte seine unspektakuläre Fußballerkarriere zu diesem Zeitpunkt schon beendet. Er war nicht über die dritte französische Liga hinausgekommen.

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Von 2014 bis 2016 spielten Steeven und Franck Ribery für den FC Bayern München: Der jüngere Bruder kam aber nicht über die Reserve hinaus.

Steeven Riberys Zeit beim FC Bayern München

Steeven Ribery verbrachte den Frühling 2014 vorrangig bei der A-Jugend des FC Bayern, ehe er anschließend zwei Saisonen für die Reserve in der Regionalliga Bayern spielte. Die erste unter ten Hag verlief mit 13 Scorerpunkten in 27 Ligaspielen vielversprechend. Ribery kam auf der Zehn und den Flügeln zum Einsatz, glänzte dort bisweilen mit seinen technischen Fähigkeiten - wie bei einem umjubelten Seitfallziehertor gegen den VfR Garching. So spektakulär er offensiv spielte, so nachlässig dafür defensiv.

"Technisch war er gut, aber gegen den Ball hat er nichts gemacht", erinnert sich sein damaliger Mitspieler Rico Strieder im Gespräch mit SPOX und GOAL. Das war jedoch nicht der einzige Grund, warum er in der Mannschaft aneckte. "Wenn es mal schlecht lief, wurde er sehr schnell überemotional", sagt Strieder: "Er hat gedacht, dass er sich wie sein Bruder verhalten darf. Steeven war ziemlich abgehoben, hat den König raushängen lassen. Es gab einige Vorfälle mit Mitspielern und Trainern, die sich so nicht gehört haben. Franck musste regelmäßig auf seinen Bruder einwirken und dafür sorgen, dass er sich zusammenreißt."

Das Verhältnis zwischen den beiden war eng, während seiner ersten Monate in München wohnte Steeven sogar im Haus seines älteren Bruders. Außerdem durfte er dessen Dienst-Audi benutzen, mit dem er als Beifahrer eines Freundes einmal in einen Unfall involviert war. Die Schuld lag beim gegnerischen Porsche-Fahrer, der Sachschaden betrug 100.000 Euro.

Wie es in solchen Fällen halt so ist, wurde Steeven regelmäßig sportlich mit seinem deutlich erfolgreicheren Bruder verglichen. "Wir haben daran gearbeitet, dass er seine eigene Identität entwickelt", erklärte ten Hag. "Er muss Steeven Ribery sein - nicht der Bruder von Franck Ribery." Als Steeven Ribery schaffte er es aber nicht zu den Profis, nach einer blasseren zweiten Saison bei der Reserve unter Trainer Heiko Vogel verließ er den FC Bayern.

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Im Frühling 2019 machte Steeven Ribery fünf Pflichtspiele für den schwedischen Zweitligisten FC Syrianska.

Steeven Riberys erfolglose Fußball-Reise durch Europa

Es war der Beginn einer erfolglosen Fußball-Reise quer durch Europa. Zunächst kehrte Steeven Ribery in die Heimat zurück zum viertklassigen Jugendklub seines Bruders US Boulogne. Es folgte ein Intermezzo mit sieben Einsätzen beim Zweitligisten GFC Ajaccio auf Korsika, dann war er erstmal vereinslos.

Im Sommer 2018 probierte er sich rund zwei Wochen lang in Griechenland bei Apollon Larissa, bis ihn deren Trainer Marcello Troisi nach nur einem Freundschaftsspiel wieder wegschickte. "Er hat viel Qualität und sollte der Star unserer Mannschaft werden, hatte aber zwölf Kilo Übergewicht", sagte Troisi damals zu UOL Esporte. Dazu kamen Verständigungsprobleme: "Er konnte auf englisch nicht einmal 'Hi' sagen. Die Kommunikation war sehr schwierig."

Ohne Vertragsunterzeichnung endeten auch ein angebliches Interesse aus der australischen A-League sowie ein Probetraining beim israelischen Erstligisten Hapoel Hadera. Nach einem halben Jahr Vereinslosigkeit unterschrieb Ribery im Januar 2019 schließlich beim schwedischen Zweitligisten FC Syrianska. Das Abenteuer dauerte ein halbes Jahr, fünf Spiele und eine gelbe Karte. Anschließend wurde er beim mexikanischen Club Toluca gehandelt, bis deren Verantwortungsträger die Gerüchte entschieden dementierten. Dann: vereinlos, FK Jelgava in Lettland, vereinslos - und seit 2021 beim Amateurklub US La Charite.

Während Steeven Riberys Traum von einer Profikarriere ausgeträumt sein dürfte, arbeitet beim FC Bayern aber der nächste Ribery daran: Seit 2020 spielt der mittlerweile zehnjährige Seif in der Jugendabteilung. Papa Franck führte US Salernitana im Alter von 39 Jahren als Kapitän unterdessen zum sensationellen Klassenerhalt in der italienischen Serie A - und hofft nach eigener Auskunft auf eine Rückkehr zum FC Bayern nach der aktiven Karriere.

Steeven Ribery: Seine Karriere-Stationen

ZeitraumKlubSpieleToreAssists
2014FC Bayern (U19)114-
2014 bis 2016FC Bayern (Reserve)50516
2016 bis 2017US Boulogne (4. Liga Frankreich)1--
2017 bis 2018GFC Ajjacio (2. Liga Frankreich)7--
2019Syrianska FC (2. Liga Schweden)5--
2019 bis 2020FK Jelgava (1. Liga Lettland)61-

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