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Fussball

FC Bayern München - Rico Strieder im Interview: "In der Bayern-Kabine gab es richtige Socken-Schlachten"

Von Nino Duit

Sie kamen mit elf Jahren zum FC Bayern. Damals befand sich die Nachwuchsabteilung noch an der Säbener Straße, ehe 2017 der Campus im Norden der Stadt eröffnet wurde. Wie haben Sie diese Nähe zur Profimannschaft erlebt?

Strieder: Ich bin froh, dass ich vor der Campus-Eröffnung bei Bayern in der Jugend war. Es war ein besonderes Gefühl, zum gleichen Trainingsgelände wie die Stars zu gehen. Die Kantine befand sich direkt neben dem Platz der Profis. Von dort konnten wir während dem Mittagessen den Profis beim Trainieren zuschauen. Man hatte sein Ziel immer vor Augen. Gleichzeitig verstehe ich den Umzug aber auch: Das Gelände an der Säbener ist für die Nachwuchs- und Profiabteilung mittlerweile zu klein. Vor allem, wenn man sich anschaut, was für Anlagen zum Beispiel Manchester City oder Real Madrid haben.

Wann kamen Sie erstmals mit den Profis in Kontakt?

Strieder: In der Saison 2010/11 war ich bei der U19 und durfte ein paar Mal bei den Profis mittrainieren. Ganz am Anfang kam Ribery zu mir und meinte in seinem witzigen deutsch-französisch: "Mach' dein Ding! Wenn dich jemand kritisiert, dann hau' ich den!"

Ribery war bekannt für seine Späße. Woran können Sie sich erinnern?

Strieder: In der Kabine wurden die Socken immer nass gemacht und herumgeworfen. Es gab richtige Socken-Schlachten, vor allem Ribery und Alaba haben sich förmlich bekriegt. So ein nasser Socken kann ziemlich wehtun.

Die Trainer hat das nicht gestört?

Strieder: Nein, in der Kabine konnten die Spieler machen, was sie wollten.

Sie hatten bei der Reserve sowohl Mehmet Scholl als auch Erik ten Hag als Trainer. Der eine lehnt eine Verwissenschaftlichung des Fußballs kategorisch ab, der andere steht genau dafür. Wie haben Sie den Übergang erlebt?

Strieder: Das war schwierig. Bei Scholl hieß es: "Geht's raus und spielt's Fußball!" Wir haben gekickt, ohne großartig nachzudenken. Scholl hat auch oft selbst mitgespielt, hat viele Späße gemacht. Der Ansatz ist vor allem für junge Spieler schön, aber taktisch hat er uns kaum etwas mitgegeben. Bei Scholl hat ein Training maximal eineinhalb Stunden gedauert, das erste Training unter ten Hag ging zweieinhalb Stunden. Danach habe ich gedacht: Bewegt habe ich mich aber nicht viel. Bei ten Hag war man nach jedem Training im Kopf kaputt, in den Beinen weniger.

© imago images
Rico Strieder und Erik ten Hag arbeiteten von 2013 bis 2015 bei der Reserve des FC Bayern und von 2015 bis 2017 beim FC Utrecht zusammen.

Inwiefern?

Strieder: Beim Elf-gegen-Elf hat er das Spiel alle paar Augenblicke unterbrochen, um irgendjemanden zu packen und zwei Meter nach rechts oder links zu verschieben. Nach dem nächsten Pass hat er wieder unterbrochen und den nächsten Spieler zwei Meter nach vorne geschoben. Wir sind uns vorgekommen wie Figuren auf einem Schachbrett. Für uns war das komplett neu, komplett verrückt.

Hat es sich gelohnt?

Strieder: Ja. Wir haben recht schnell gemerkt, dass wir dadurch sowohl als Mannschaft als auch individuell besser werden.

Sie meinten, dass man nach Trainingseinheiten von ten Hag nur im Kopf, nicht aber in den Beinen müde war. Gab es Fitness-Probleme?

Strieder: Nein, Fitness wurde separat trainiert. Anders als unter Scholl hatten wir bei ten Hag meistens zwei Einheiten pro Tag.

Ten Hag kam 2013 gleichzeitig mit Pep Guardiola zum FC Bayern. Hatten die beiden ein enges Verhältnis?

Strieder: Ten Hag hat, sofern es sich zeitlich ausgegangen ist, bei jedem Profi-Training zugeschaut und jeden Tag versucht, Kontakt mit Guardiola aufzunehmen. Wie Guardiola das empfunden hat, weiß ich nicht. Ihr Verhältnis wurde erst intensiver, als ten Hag bei Ajax Erfolg hatte.

Hat Guardiola während seiner Zeit beim FC Bayern Interesse an der Reserve gezeigt?

Strieder: Den Eindruck hatte ich schon. Einmal habe ich mit zwei, drei anderen Reserve-Spielern bei den Profis mittrainiert. Da hat er mich konkret auf unser Spiel gegen Würzburg am Wochenende davor angesprochen. Ich fand es cool, dass er Bescheid wusste, gegen wen wir gespielt haben und wie es gelaufen ist. Als wir mittrainiert haben, hat er auch uns junge Spieler aktiv gecoacht.

Seine Anweisungen wirken aus der Distanz durchaus komplex.

Strieder: Es war schon kompliziert zu verstehen, was er will. Das hat auch bei den Profis länger gedauert. Guardiola hat sich während der Trainingseinheiten regelmäßig Spieler rausgenommen, um mit ihnen individuell zu arbeiten. Am Anfang war das vor allem bei Jerome Boateng sehr oft der Fall. Guardiola hat ihm genau vorgemacht, wie er sich positionieren, wie er die Tiefe verteidigen, wie er pressen soll.

Inwiefern haben sich die Trainings von Guardiola und ten Hag unterschieden?

Strieder: Sie hatten ähnliche Ansätze und ähnliche Übungen. Ten Hags Taktik-Training war aber extremer. Bei Guardiola hat eine Übung vielleicht zehn Minuten gedauert, bei ten Hag eine Stunde. Einen Robben oder Ribery kannst du aber auch nicht eine Stunde lang über den Platz schieben.

Seite 1: Strieder über sein Psychologie-Studium und Versäumnisse seiner Ex-Klubs

Seite 2: Strieder über Socken-Schlachten und die Arbeit mit ten Hag und Guardiola

Seite 3: Strieder über Stimmung in der Bayern-Kabine und seinen Ex-Kollegen Haller

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