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Fussball

FC Bayern München - Analyse zum Transfer von Matthijs de Ligt: Das deutsche Atletico

Von Nino Duit

© getty

Die Verpflichtung von Matthijs de Ligt (22) wird das nächste große Statement des FC Bayern München und lässt bei der Transferpolitik tief blicken. Für Trainer Julian Nagelsmann gilt sie als immenser Vertrauensbeweis. Eine Analyse.

Der FC Bayern München versteht sich als Klub des Offensiv-Fußballs: In der Allianz Arena geht es selbstverständlich um Titel, aber auch um Dominanz, Spektakel und Tore. Nicht nur irgendwie gewinnen, sondern auch schön (und) hoch. Blickt man aber auf das klubinterne Ranking der Rekordtransfers, könnte man das Gegenteil vermuten. Das wirkt eher wie die Einkaufsliste von Defensivfanatikern wie Atletico Madrid.

Die neueste Errungenschaft Matthijs de Ligt von Juventus Turin reiht sich - bei erfolgreicher Absolvierung des Medizinchecks am Montag - mit einer Ablösesumme in Höhe von 70 Millionen Euro (die durch mögliche Boni noch um zehn Millionen ansteigen könnte) zunächst auf Platz zwei ein. Hinter seinem "Artgenossen" Lucas Hernandez, der 2019 für 80 Millionen Euro von Atletico kam.

In den Top-10 rangieren darüber hinaus noch zwei weitere aktuelle Innenverteidiger: Dayot Upamecano (2021, RB Leipzig) mit 42,5 Millionen Euro auf Platz vier und Benjamin Pavard mit 35 Millionen Euro (2019 vom VfB Stuttgart) auf Platz neun - gleichauf übrigens mit Mats Hummels (2016, Borussia Dortmund).

Fünf der zehn teuersten Neuzugänge der Klubgeschichte sind also Innenverteidiger, dazu kommen (defensive) Mittelfeldspieler wie Javi Martinez, Arturo Vidal und Corentin Tolisso. Die einzigen echten Offensivspieler in dieser Phalanx sind Leroy Sane und Mario Götze. Dieser Umstand kann auf verschiedene Arten interpretiert werden.

FC Bayern: Der De-Ligt-Transfer lässt tief blicken

Zum Beispiel positiv: Der FC Bayern verweigert das teils völlig irrationale Stürmer-Wettrüsten, das vor allem die spanischen Topklubs FC Barcelona und Real Madrid mit größter Wonne praktizieren, und kümmert sich stattdessen um alle Mannschaftsteile gleichermaßen. Oder aber negativ: Der FC Bayern handelt auf dem Transfermarkt in der Defensive deutlich undurchdachter als in der Offensive.

Die Verpflichtung von de Ligt ist zweifelsohne das zweite kolossale Statement des FC Bayern an die internationale Konkurrenz nach Sadio Mane innerhalb kürzester Zeit und eine sportliche Verstärkung, sie lässt tatsächlich aber auch tief blicken. In der jüngeren Vergangenheit gab außer vielleicht Manchester City kaum ein europäischer Topklub so viel Geld für Abwehrspieler aus wie der FC Bayern - und nahm gleichzeitig so gut wie nichts durch Verkäufe ein. Während ein kostspieliger Innenverteidiger nach dem anderen in München ankam, verließen mit Jerome Boateng, David Alaba und Niklas Süle drei der besten den Klub innerhalb kürzester Zeit ablösefrei.

Schon vor de Ligts Ankunft verfügte der FC Bayern mit Hernandez, Upamecano und Pavard über drei Nationalspieler des amtierenden Weltmeisters Frankreich und mit Tanguy Nianzou über ein hochgehandeltes Talent. Josip Stanisic und Chris Richards gelten als ordentliche Alternativen. Mit Blick auf diese Besetzung und die dafür investierten Summen war der Kauf eines weiteren dermaßen hochkarätigen Innenverteidigers rational gesehen gar nicht nötig. Beziehungsweise besser: Sollte eigentlich nicht nötig gewesen sein.

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Matthijs de Ligt wird den FC Bayern verstärken.

De Ligt: Ein immenser Vertrauensbeweis für Nagelsmann

Trainer Julian Nagelsmann war mit der Zusammenstellung der Innenverteidigung aber trotzdem unzufrieden, ihn störte vor allem das Fehlen eines kommunikationsstarken Abwehrchefs. Die Entwicklung in diese Rolle traute er keinem seiner bisherigen Spieler zu. Nach Informationen von SPOX und GOAL war die Verpflichtung eines Abwehrchefs deshalb schon seit Wochen Nagelsmanns absolute Transfermarkt-Priorität.

Dass die Klubführung um Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic ihrem Trainer diesen äußerst kostspieligen Wunsch ohne große Not mit der absoluten Premiumbesetzung erfüllt, kommt einem immensen Vertrauensbeweis gleich. De Ligt ist schließlich der geborene Abwehrchef: Er avancierte einst mit 19 Jahren zum Kapitän von Ajax Amsterdam und wurde bei Juventus als Spielführer der Zukunft gehandelt.

Aktuell arbeitet der FC Bayern auch an einer Verpflichtung von Nagelsmanns Wunschspieler Konrad Laimer von RB Leipzig. Sollte dieser Transfer ebenfalls klappen, hätte Nagelsmann in der nächsten Saison keine Ausreden.

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FC Bayern will wohl noch einen Innenverteidiger abgeben

Nach den hohen Investitionen in de Ligt strebt der Klub unterdessen wohl den Verkauf eines anderen Innenverteidigers noch in dieser Transferperiode an. Sinn machen würde das nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus kaderhygienischen Gründen. De Ligt (22), Hernandez (26), Upamecano (23) und Pavard (26) sind allesamt im besten Fußballeralter und haben den Anspruch, Stammspieler zu sein. Selbst wenn Nagelsmann künftig vermehrt auf eine Dreierkette zurückgreifen würde, müsste mindestens einer auf der Bank sitzen.

Hernandez bringt mit seiner Aggressivität eine besondere Note in die Münchner Abwehr und gilt als gesetzt. Vermutlich wird es also eher den erst vor einem Jahr verpflichteten Upamecano oder Pavard treffen. Einem kicker-Bericht zufolge würde Nagelsmann lieber den flexibel einsetzbaren Pavard behalten. Er spielte in den vergangenen Jahren zumeist als Rechtsverteidiger, drängt aber vehement ins Zentrum.

Für Upamecano gibt es angeblich Interesse aus der Premier League, an Pavard sollen Atletico, Juventus und der FC Chelsea interessiert sein. Sollte Pavard tatsächlich zu Atletico wechseln, würde er dort übrigens aller Voraussicht nach zum teuersten Verteidiger-Einkauf der Klubgeschichte avancieren und Mario Hermoso (2019 für 25 Millionen Euro von Espanyol Barcelona) ablösen.

Der Blick auf die Rekordtransfers verwundert nicht nur beim FC Bayern: Beim für seine ausgezeichnete Defensive berüchtigten Atletico Madrid rangiert unter den zehn teuersten Neuzugängen tatsächlich kein einziger Innenverteidiger - dafür sind dort aber acht Stürmer zu finden.

FC Bayern: Sommerfahrplan im Überblick

DatumGegnerAustragungsortWettbewerb
Mittwoch, 20. JuliD.C. UnitedAudi Field, Washington D.C. (USA)Testspiel
Samstag, 23. JuliManchester CityLambeau Field, Green Bay (USA)Testspiel
Samstag, 30. JuliRB LeipzigRed Bull Arena, LeipzigSupercup

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