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Fussball

VfB Stuttgart - Florian Müller im Interview: "Man hat wirklich gespürt, dass das ganze Stadion jetzt zusammen dieses verdammte Tor schießt"

Von Florian Regelmann

Der VfB hat nach einer Zeit, in der das nicht so war, wieder viele Spieler, die zu Identifikationsfiguren geworden sind, einige von Ihnen sind aber wie Sasa Kalajdzic oder Borna Sosa nicht mehr ewig in Stuttgart. Sie könnten dafür eines der VfB-Gesichter der Zukunft werden. Vorstellbar?

Müller: Ich bin ein Typ, der grundsätzlich gerne lange bei einem Verein bleibt. Ich war nur ein Jahr in Freiburg aufgrund der Leihe, aber eigentlich will ich lange bei einem Klub bleiben und etwas aufbauen. Mit dem Verein, mit den Fans, mit der Stadt. Ich will beim VfB ein Führungsspieler sein. Ich bin zwar erst 24, aber ich habe schon relativ viel Erfahrung. Ich will den Jungs helfen, will von hinten heraus unterstützen, führen, auch meine Werte weitergeben. Ich wäre glücklich, wenn ich noch lange beim VfB bleiben und eine Zeit hier mit prägen könnte.

Jedem Torwart unterlaufen auch größere Schnitzer, das gehört dazu, wie gehen Sie mit solchen Fehlern um?

Müller: Ich glaube, dass man unterscheiden muss, um welche Art von Fehler es sich handelt. Es gibt richtige Böcke, so wie gegen Köln, da muss ich danach nicht großartig zur Analyse gehen. Die musst du so schnell wie möglich abhaken. Aber es gibt auch Fehler, bei denen wir sehr in die Detailanalyse gehen und genau schauen, was falsch gelaufen ist und wie ich das in Zukunft verhindern kann.

Steffen Krebs soll ein harter Hund sein als Torwarttrainer.

Müller: (lacht) Er ist schon ein Schleifer. Wir geben gut Gas im Training. Das Training ist sehr intensiv und deckt viele Komponenten ab. Gerade auch auf den athletischen Bereich legen wir großen Wert. Ich habe das Glück, dass ich in meiner jungen Karriere schon tolle Torwarttrainer hatte. In Mainz durfte ich zum Beispiel viel von Stephan Kuhnert lernen, ein großartiger Torwart und Mensch, da bin ich sehr gereift in jungen Jahren. Ich versuche generell, so viel wie möglich aufzusaugen. Ich schaue viel Sport im Fernsehen an. Wenn ich Handball oder Eishockey schaue, achte ich besonders auf die Torhüter. Man kann das zwar mit dem Fußball nur bedingt vergleichen, aber manchmal entdeckt man vielleicht doch eine Kleinigkeit, die man mitnimmt.

Florian Müller: "Er ist für mich immer noch die Nummer eins"

Auf welchen Torwart schauen Sie im Fußball besonders?

Müller: Manuel Neuer, ganz klar. Er ist für mich immer noch die Nummer eins.

"Müller mutiert zu Neuer" hieß es nach Ihrer bärenstarken Partie gegen Leipzig.

Müller: Das ist das Los eines Torwarts. Es geht schnell in die negative, aber auch schnell in die positive Richtung. Ich versuche, nicht so viel an mich heranzulassen. Nicht, wenn ich Fehler mache, aber auch nicht, wenn ich ein gutes Spiel mache. Ich habe nach dem Leipzig-Spiel nicht drei Tage lang mir Kommentare im Netz durchgelesen und mich abgefeiert. (lacht) Aber solche Spiele sind natürlich der Grund, warum ich Torwart geworden bin. Wenn du in einem Spiel merkst, dass du in einen Flow kommst, ist das einfach überragend. Ich hoffe, ich habe dieses Gefühl in dieser Saison noch öfter.

Wie hat sich das Torwartspiel denn aus Ihrer Sicht verändert?

Müller: Wir haben ja alle erlebt, dass die Torhüter zunehmend ins Spiel eingebunden sind. Das ist auch nach wie vor ein Trend. Du musst gut mit dem Fuß sein, du musst als Torhüter auch taktisch mehr vom Fußball verstehen, würde ich behaupten. Ich versuche bei uns auch, ein Teil der Kette zu sein und gut mitzuspielen, mit und gegen den Ball. Dass ich direkt da bin und Bälle ablaufen kann, wenn wir überspielt werden. Ich interpretiere die Rolle offensiv und will immer unterstützen. Am Ende geht es aber natürlich immer noch darum, Bälle zu halten. Wenn ich fünf überragende Pässe spiele, aber mir die Murmel hinten reinschmeiße, bringt mir das zu Recht keine guten Kritiken ein. Da habe ich lieber fünf überragende Saves, das ist und bleibt mein wichtigster Job.

© imago images
Florian Müller spricht im Interview ehrlich über das Leben eines Fußballprofis.

Florian Müller über Matarazzo: "Er hat die Zügel angezogen"

Es wird oft davon gesprochen, dass ein Torwart Ruhe ausstrahlen soll. Kann man das lernen?

Müller: Für mich ist das tatsächlich auch mit das wichtigste. Ruhe ausstrahlen, Sicherheit geben, auch von hinten coachen. Ich bin grundsätzlich ein ganz entspannter Typ, das hilft mir als Torwart, weil es - hoffe ich zumindest - sehr natürlich wirkt und ich nicht künstlich versuche, unbedingt Ruhe ausstrahlen zu wollen. Das würde nicht funktionieren. Wenn du ein hibbeliger Typ bist, kannst du nicht im Tor stehen und die Jungs vor dir haben das Gefühl, dass hier einer Ruhe ausstrahlt.

In der letzten Saison war der VfB läuferisch nicht auf einem oberen Level, auf die Fitness wurde jetzt ein enormer Fokus gelegt. Und generell scheint Matarazzo nach den Erfahrungen der letzten Saison härter geworden zu sein mit der Mannschaft. Stimmt das?

Müller: Er hat die Zügel angezogen. Das war in der Vorbereitung so, das ist aber auch jetzt in jeder Trainingswoche noch so. Wir haben eine Schippe draufgelegt, eine große Schippe. Wir haben da einen Sprung nach vorne gemacht - so muss es weitergehen und dafür wird der Trainer auch sorgen.

Abschließend, Sie standen bei den Olympischen Spielen im Tor einer DFB-Auswahl. Sie sind erst 24 Jahre alt. Ist die Nationalmannschaft perspektivisch ein Ziel?

Müller: Die Nationalmannschaft ist für jeden Fußballer ein Traum, aber ich mache mir da gar keinen Druck. Ich habe mir das nicht als Ziel gesetzt. Wenn ich gut genug bin eines Tages und ein Anruf kommt, dann freue ich mich sehr. Ich bin mir aber auch bewusst, dass wir in Deutschland keinen Mangel an guten Torhütern haben.

Seite 1: Müller über seinen Moment im Tunnel und eine wichtige Entscheidung mit 10

Seite 2: Müller über den härteren Matarazzo und die Entwicklung des Torwartspiels

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