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Fussball

Bayer statt Weltklub Barca: Warum Iker Bravo nach Deutschland wechselte

Von Adrià Soldevila

In Barcelona galt er als Versprechen für die Zukunft, doch die sah er nicht mehr bei den Katalanen. Jetzt spielt Iker Bravo in der Bundesliga.

Wenn Fußball-Fans an den FC Barcelona denken, dann kommen ihnen in den letzten Jahren wahrscheinlich kleine, technisch starke Mittelfeldspieler in den Sinn. Dribbler oder Strategen, die nicht von der Kugel zu trennen sind - Messi, Xavi und Iniesta in der Vergangenheit, Fati, Gavi und Pedri aktuell.

Im Klub, der Pep Guardiola als Spieler und Trainer groß gemacht hat, hat dieser Coach auf sie gesetzt und das System mit der 'falschen Neun', also ohne Zentrumsstürmer, der sich ständig im und um den gegnerischen Sechzehner herum aufhält, groß gemacht.

Eine echte Nummer neun war oft nicht mehr bei Barca gefragt. Und doch produzierte La Masia, die weltberühmte Jugendakademie der Katalanen, zuletzt wieder einen wuchtigen Stürmer: Iker Bravo. Doch der kickt inzwischen mit 17 Jahren für Bayer Leverkusen in der Bundesliga - und ist nicht mehr die große Barca-Hoffnung für die Angriffsmitte.

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In Barcelona galt er als Versprechen für die Zukunft, doch die sah er nicht mehr bei den Katalanen. Jetzt spielt Iker Bravo in der Bundesliga.

Barca zeigt Bravo keine Perspektive auf

Wie konnte es dazu kommen? Im vergangenen Sommer meldete sich der damals 16-Jährige mit seiner Familie zu Gesprächen über einen neuen Vertrag bei den Barca-Verantwortlichen. Bravo ging davon aus, dass alles glatt laufen würde, schließlich kickte er schon seit seinem fünften Lebensjahr für die Blaugrana und hatte in allen Jugendteams seine Tore geliefert.

Doch Barca wollte lieber über die finanzielle Seite des neuen Deals diskutieren, als dem Stürmer aufzuzeigen, wie seine Perspektive in Richtung der ersten Mannschaft aussieht. Statt der erwarteten Unterschrift gab es einen Rückzieher - und Bravo schaute sich anderswo um.

Und fand Bayer Leverkusen. Der Ruf, den sich die Bundesliga in den letzten Jahren als Sprungbrett für Talente erarbeitet hat, überzeugte auch den Spanier, der bei der Werkself unterschrieb. In seiner ersten Saison kam er in der U19-Bundesliga auf sieben Scorerpunkte in zwölf Spielen (vier Tore, drei Assists) - und zu seinem Debüt in der richtigen Bundesliga: Beim 1:1 bei Hertha BSC durfte er 13 Minuten lang ran.

"Es war nicht geplant, dass er schon in dieser Saison sein Debüt feiert", gesteht Alberto Encinas, Co-Trainer bei Bayer und zuvor schon in La Masia tätig, im Gespräch mit SPOX und GOAL. "Jetzt ist er in der Vorbereitung mit dabei und kommt zur ersten Mannschaft", ergänzt er.

Was nicht nur die Bayer-Jugendabteilung, sondern auch Chefcoach Gerardo Seoane bislang überzeugt hat, weiß Encinas ganz genau: "Iker ist nicht nur ein Torjäger. Er hat natürlich einen starken Abschluss und bewegt sich gut im Strafraum. Aber er kann sich auch fallen lassen und bei Ballbesitz als zusätzlicher Mittelfeldspieler agieren", sagt er und deutet an, dass Bravo, Barca-typisch, auch die 'falsche Neun' geben kann.

Leverkusens Co-Trainer: "Normal, dass sein Spiel etwas leidet"

In Leverkusen sind die Statistiken des Angreifers im Vergleich zu seiner Barca-Zeit etwas schwächer, aber das ist für Encinas verständlich. "Er ist erst 17 und in seinem Leben hat sich viel verändert: Er hat seine Heimat verlassen und lebt jetzt in einem neuen Land, mit einer neuen Sprache und einer anderen Kultur, einer anderen Spielweise", erklärt er. "Da ist es normal, dass sein Spiel darunter etwas leidet", fügt er hinzu.

Mit der Zwischenbilanz nach dem ersten Jahr in Deutschland ist Encinas aber trotzdem hochzufrieden. "In Leverkusen ist er schon ein besserer Spieler geworden, denn die Trainer haben ihn vor neue Aufgaben gestellt, damit er daraus lernt, wenn er in neuen Spielsituationen ist", erklärt der Co-Trainer.

In seiner gewohnten Umgebung, bei Spaniens U17, zeigte Bravo zuletzt bei der EM in Israel seine neu gewonnenen Fähigkeiten: Er machte in drei Spielen zwei Tore. "Er ist ein Spieler, der einer Mannschaft auf viele verschiedene Weisen helfen kann", sagt Spaniens U17-Nationaltrainer Julen Guerrero SPOX und GOAL. "Das wissen wir, das weiß auch die Mannschaft", meint er.

Eigentlich wusste das auch der FC Barcelona. Aber die Katalanen ließen einen der selten zu findenden echten Neuner ziehen. Eine Entscheidung, die sie vielleicht noch bereuen werden.

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