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RB Leipzig - Tyler Adams im Interview: "Bereue keine einzige verpasste Party"

Von Robin Haack

Gibt es Dinge aus den USA, die Sie in Deutschland vermissen?

Adams: Neben der Familie und meinen Freunden gibt es eigentlich nichts, was ich wirklich vermisse. Wenn ich Besuch bekomme, bringt er mir aber immer meine Lieblingssüßigkeiten aus den USA mit, die ich hier nicht kaufen kann. (lacht) Trotzdem fühle ich mich in Deutschland langsam heimisch. Als ich zuletzt mit der Nationalmannschaft in den USA unterwegs war, musste ich plötzlich allein mit meinen Sachen nach Amerika reisen. Sonst war es immer genau anders herum. Das war wirklich ein komisches Gefühl.

Wie haben Ihnen Ihre Landsleute Christian Pulisic, Josh Sargent und Weston McKennie geholfen, in Deutschland anzukommen?

Adams: Christian und Weston leben schon einige Jahre in Deutschland und kennen das Land wirklich gut. Ich konnte sie alles Fragen und habe wertvolle Tipps bekommen. Ich freue mich immer sehr, gegen sie zu spielen und sie zu sehen. Es tut gut, Gesichter zu sehen, die man schon seit der Kindheit kennt. Auch wenn man nach dem Spiel vielleicht nur eine halbe Stunde miteinander sprechen kann, bedeuten mir diese Gespräche sehr viel.

Welche Rolle hat Pulisic bei Ihrem Wechsel in die Bundesliga gespielt?

Adams: Christian kam mit 14 nach Deutschland und hat den Weg für viele junge Amerikaner geebnet. Vor ihm gab es keinen US-Amerikaner, der schon in jungen Jahren Erfolg im Ausland hatte. Zu sehen, wie er sich in Dortmund entwickelt hat und nun sogar zum FC Chelsea in die Premier League wechselt, ist großartig. Ich mache gerade den gleichen Schritt wie er, doch er hatte es viel schwerer, da er jünger war und weniger Spieler hatte, an denen er sich orientieren konnte. Christian ist ein Vorbild für viele junge Amerikaner - auch für mich.

Wie steht es um Ihre Deutschkenntnisse?

Adams: Es ist definitiv keine einfache Sprache, aber einfach rüberzukommen ist der beste Weg, Deutsch zu lernen. Ich kenne schon eine Menge Vokabeln, doch gerade der Satzbau macht mir noch große Probleme. Mein größtes Problem ist, dass ich nicht sprechen will, bis mein Deutsch wirklich gut ist. Wir haben in der Mannschaft zahlreiche ausländische Spieler und oftmals ist es am einfachsten, Englisch zu sprechen. Selbst die Mitarbeiter im Verein sprechen meist Englisch mit mir, deshalb muss ich weiter geduldig sein.

Schon von klein auf haben Sie davon geträumt, Fußballprofi zu werden. Gab es Phasen in denen Sie daran gezweifelt haben, ob es all die harte Arbeit wirklich wert ist?

Adams: Ich wusste, dass es nicht immer gut laufen kann und auch schwierige Phasen kommen werden. Doch der Gedanke, mich gegen all die Widerstände durchzusetzen, motiviert mich enorm. Als Kind ging es beim Fußball in erster Linie darum, Spaß zu haben. Doch schon damals war ich unglaublich ehrgeizig und wollte immer gewinnen. Ich hasse Niederlagen mehr als alles andere auf der Welt.

Mussten Sie aufgrund der Karriere in der Jugend auf viele Dinge verzichten?

Adams: Da gab es einige Sachen. Aufgrund des Fußballs konnte ich nicht aufs College gehen und neue Leute kennenlernen. Ich weiß nicht, wie oft meine Freunde mich mit auf Partys nehmen wollten, ich aber absagen musste, weil ich am Folgetag ein Spiel oder Training hatte - das ist die Geschichte meines Lebens. Ich musste nein zu vielen Dingen sagen. Aber ich liebe, was ich tue und bereue keine einzige verpasste Party.

Schon in jungen Jahren galten Sie als großes Talent und kommender Nationalspieler. Wie sind Sie mit dem Druck umgegangen, der schon als Kind auf Ihnen lastete?

Adams: Ich genieße jeden Moment auf dem Platz und weiß zu schätzen, welche großartige Möglichkeiten mir in meinem Leben geboten worden sind. Trotzdem ist all dies nur mit sehr harter Arbeit möglich gewesen. Ich versuche das Trainerteam jeden Tag aufs Neue zu überzeugen, dass ich in die Mannschaft gehöre - etwas anderes habe ich unter der Woche nicht im Kopf. Es geht wirklich nur darum, hart zu arbeiten und dabei auf dem Boden zu bleiben. Druck ist Bestandteil des Profisports, denn es gibt in jeder Karriere Momente, in denen man entweder scheitert oder triumphiert. Die Kunst ist es, in diesen Momenten bereit zu sein und die Möglichkeiten zu ergreifen, die einem geboten werden.

Seite 1: Adams über sein Studium und die RB-Akademie

Seite 2: Adams über seine Mutter und Autofahrten mit Smith-Rowe

Seite 3: Adams über Tipps von Pulisic und verpasste Partys

Seite 4: Adams über Training mit Henry und Forsberg

Seite 5: Adams über Nagelsmann und seine Ziele mit RB

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