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Eishockey

DEB-Kapitän Moritz Müller im Interview vor dem WM-Viertelfinale: "Wir haben die Komplexe abgelegt"

Von Florian Regelmann

Korbinian Holzer hat via Twitter NBA-Coaching-Legende Phil Jackson zitiert und beschrieben, wie aus einer guten Mannschaft mit dem nötigen Zusammenhalt eine große werden kann. Wie besonders ist die Chemie im Team?

Müller: Die Chemie ist immer überragend, wenn wir zusammenkommen. Ich weiß auch nicht ganz genau, warum das so ist, in der Liga sind wir ja auch Gegner, aber irgendwie freuen wir uns immer, wenn wir uns sehen. (lacht) Wir kennen uns teilweise natürlich auch schon sehr lange, weil sich der Kreis an Nationalspielern insgesamt aufgrund der vielen Kontingentspieler in der Liga auf vielleicht 50 Spieler beschränkt. Wir sind eine gute Einheit.

Eine Einheit, in der gegen Finnland Philipp Grubauer im Tor und Leon Draisaitl offensiv den Unterschied ausgemacht haben.

Müller: Das stimmt, aber ich würde ehrlich gesagt niemanden herausstellen wollen aus dieser Mannschaft. Im Tor hat Mathias Niederberger die meisten Spiele gemacht bei der WM und überragend gehalten. Aber natürlich ist es so, dass es einen Leon-Faktor gibt und er Spiele für uns entscheiden kann, das haben wir gegen Finnland gesehen.

Mo Müller über seinen Weg zum DEB-Kapitän

Der Bundestrainer hat Sie vor WM-Start zum Kapitän gemacht. Wie viel bedeutet Ihnen das "C" auf der Brust?

Müller: Es ist natürlich eine tolle Sache. Ich habe mich riesig gefreut und sehr geehrt gefühlt, nachdem ich jetzt schon eine Weile in der Nationalmannschaft dabei bin. Es hätte aber auch einige andere Jungs gegeben, die es verdient gehabt hätten und ich fühle mich auch nicht großartig anders, nur weil ich das "C" trage. Es ist eine große Ehre, aber viel hat sich nicht verändert. Ich spreche mehr mit euch Journalisten, das ist alles. (lacht)

Ihr persönlicher Karriereweg war ja kein ganz einfacher. Denken Sie manchmal daran zurück, wie es angefangen hat und dass Sie jetzt die Nationalmannschaft als Kapitän anführen dürfen?

Müller: Es gibt sicher Momente, in denen ich zurückblicke und mich auch an Zeiten erinnere, in denen ich selbst gezweifelt habe. Meine Karriere war nicht so vorgezeichnet wie bei vielen hoffnungsvollen Talenten aus dem Nachwuchs. Bei mir war das gar nicht so, auch wenn ich schon immer der Meinung war, dass ich ein guter Spieler bin. (lacht) Aber ich hatte nie die Lobby oder den familiären Background wie andere. Umso schöner ist es, wie es für mich alles gelaufen ist.

Mo Müller über Shootingstar Kaapo Kakko

Sie haben schon öfters öffentlich gefordert, dass der deutsche Nachwuchs in der DEL mehr Chancen bekommen muss. Ist so eine starke WM wichtig, um Druck aufbauen zu können, damit sich etwas verändert?

Müller: Es ist in gewisser Weise eine komische Situation. Wenn wir gut sind, ist es sicher ein wichtiges Zeichen fürs deutsche Eishockey. Aber wenn wir schlecht wären, wäre das ehrlich gesagt ja auch ein wichtiges Zeichen. Jeder kann bei dieser WM sehen, wie gut die deutschen Spieler sind. Und es gibt nicht nur uns, es gibt mehr Jungs, die man nur heranführen und fördern müsste. Die Liga muss die Ausländeranzahl reduzieren, daran führt kein Weg vorbei. Wenn es jetzt ein Gentlemen's Agreement gibt, dass die Liga sich auf neun Ausländer beschränkt, warum kann es dann kein Gentlemen's Agreement geben mit einer Verringerung auf sechs Ausländer? Alle Seiten würden profitieren, vor allem auch die Vereine, weil sie mehr Identifikation für die Fans schaffen und weil sie statt einigen durchschnittlichen Ausländern sechs richtig starke haben könnten.

Letzte Frage: Sie haben gegen Finnland hautnah Jungstar Kaapo Kakko erlebt. Was ist Ihnen aufgefallen?

Müller: Generell fällt mir auf, dass die Jungs immer schneller fertige Spieler sind. Vor zehn Jahren wäre es unglaublich gewesen, wenn ein 18- oder 19-Jähriger international so eine Rolle spielt. Jetzt hat fast jede Nation einen Jungen dabei, der zu den besten Spielern des Teams zählt. Bei Kakko sieht man, dass er körperlich in seinem jungen Alter schon komplett entwickelt ist, das ist ein großer Vorteil. Und er ist jetzt schon ein kompletter Spieler, er war auch gegen uns richtig gut. Er ist sicher der Shootingstar des Turniers.

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