Wintersport

Christian Hirschbühl im Interview: "Das Podest habe ich mir noch aufgehoben"

Von Lukas Zahrer

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Christian Hirschbühl hat sich im Schatten der ÖSV-Stars wie Marcel Hirscher in der Slalom-Weltspitze etabliert. Der 29 Jahre alte Vorarlberger zählt im Slalom zur Top-Gruppe und wurde bei der Kader-Nominierung des Österreichischen Ski-Verbandes mit einem Platz im Nationalteam belohnt.

Im SPOX-Interview erklärt Hirschbühl, warum er sich auf Weltcup-Rennen in Asien freut und kündigt an, in der kommenden Saison in einer weiteren Disziplin an den Start gehen zu wollen. Außerdem verrät er, warum Hirschers Erfolgslauf ein Segen für die jungen ÖSV-Slalomfahrer war.

Herr Hirschbühl, Wie haben Sie die Zeit nach dem Saisonende überbrückt?

Christian Hirschbühl: Ich bin direkt nach Saisonende in die Polizeischule und habe dort das zweite Modul meiner Ausbildung abgeschlossen. Danach war ich kurz im Urlaub im Warmen, das wird auch der einzige in diesem Jahr bleiben. Das Sommer-Training ist mittlerweile voll im Gange.

Ist das die grauslichste Zeit des Jahres?

Hirschbühl: An der Motivation fehlt es mir nicht (grinst). Du legst dir in diesen Wochen den Grundstein für die Saison, es geht Schlag auf Schlag.

Sie sind im Saison-Finish gestürzt. Hat Sie dieser Sturz in der Vorbereitung beeinträchtigt?

Hirschbühl: Ich hatte früher in meiner Karriere bereits einen Kreuzbandriss im linken Knie. In Kranjska Gora erwischte es mich auf dem rechten Bein: Beim Sturz zog ich mir eine Knochenprellung sowie eine leichte Luxation am Sprunggelenk zu. Das Kreuzband ist ein bisschen auf Zug gekommen. Mittlerweile ist alles wieder gut und ich bin komplett schmerzfrei.

Sie haben erstmals den Sprung in den Nationalteamkader geschafft. Was ändert sich für Sie im Hinblick auf die kommende Saison?

Hirschbühl: Zunächst gar nichts. Die Trainingsgruppe ist dieselbe, auch die Betreuer um mich herum bleiben. Es ist vielmehr ein Status, der mir durch eine Top-15-Platzierung in der Slalom-Wertung verliehen wurde. Es war ein konstanter Winter, wenngleich das Top-Ergebnis fehlte. Der siebte Platz in Wengen war gut, aber das Podest habe ich mir noch für die kommenden Jahre aufgehoben (lacht).

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Christian Hirschbühl etablierte sich im Slalom zum Weltklasse-Athleten.

Christian Hirschbühl: "Am Renntag entscheidet die Psyche"

Abgesehen von einem Riesenslalom-Start waren Sie im vergangenen Winter nur im Slalom unterwegs. Wie sieht die Planung für die kommende Saison aus?

Hirschbühl: Im vorigen Sommer lag der Fokus fast bei 50:50, was Slalom und Riesenslalom betrifft. Im Training in Neuseeland kam ich allerdings zu Sturz und hatte Probleme mit meinem linken Knie. Dadurch musste ich das Trainingspensum reduzieren. Während der Saison hatte ich einen Einsatz in Val d'Isere, konnte mich aber nicht für den zweiten Durchgang qualifizieren. Danach bekam ich leider keine weitere Chance mehr. Der ÖSV hatte einen Quoten-Platz weniger zur Verfügung, zudem empfahlen sich die Jungs sich aus dem Europacup. Dadurch hat es nicht mehr gereicht. Ich werde mich aber wieder darauf vorbereiten, um konkurrenzfähig zu sein. Mit Manuel (Feller, Anm.) und Blacky (Marco Schwarz, Anm.) habe ich ja zwei Top-30-Läufer in meiner Trainingsgruppe. Dann merke ich, ob es Sinn macht. Die Trainer werden Zeitläufe aufstellen und demnach entscheiden, wer fahren darf.

Sie arbeiten regelmäßig mit einem Mentaltrainer. Was erhoffen Sie sich dadurch?

Hirschbühl: Ich bin der Meinung, dass sich sehr viel im Kopf abspielt. Am Renntag entscheidet sich sehr viel über die Psyche. Ich finde es einen guten Baustein, der dazugehört. Ich denke, es hängt vom Typ ab, aber jeder Weltcup-Fahrer hatte sicher schon einmal Verbindung mit Mentaltraining.

Hirschbühl: "Marcel Hirscher hat die Medien befriedigt"

Der Weltcup-Kalender für die kommende Saison sieht eine Station in Asien vor. Freuen Sie sich auf die Rennen in Japan?

Hirschbühl: Die Anreise ist ein bisschen länger, aber ich finde es spannend. Dadurch, dass es zwei Rennen sind, wird sich die Reise rentieren, egal, wie es ausgeht. Yuzawa machte vor drei Jahren einen guten Job, die Veranstalter haben sich sehr bemüht. Es gab starken Schneefall, die Pisten waren aber dennoch mehr als passabel. Ich kann mich außerdem erinnern, dass die letzten Rennen in Yuzawa so etwas wie eine Initialzündung für die junge Slalom-Generation darstellten.

Inwiefern?

Der Marcel (Hirscher, Anm.) hat die Medien über Jahre befriedigt, während sich die jungen und weniger arrivierten Läufer in Ruhe entwickeln konnten. Im Riesenslalom lief es bei mir persönlich gut, da habe ich gepunktet. Im Slalom ist nicht alles aufgegangen, dafür haben meine Kollegen aufgezeigt. Ich freue mich darauf - neues Jahr, neues Glück.

Was halten Sie von den Änderungen in der Alpinen Kombination?

Hirschbühl: Ich finde es spannend und sehe es als gute Chance für Slalom-Fahrer, mit ein paar Trainings-Kilometern auf den Speed-Skiern aufzuzeigen. Es wird sicher interessant. Für mich ist die Kombi interessanter geworden, sie ist aber aktuell kein Thema.

Vorerst trainieren Sie also keine Speed-Läufe. Wann haben Sie sich auf die technischen Disziplinen spezialisiert?

Hirschbühl: Das hat sich in der Jugend herausgestellt. Ich hatte zwei, drei Jahre auf der FIS-Ebene (dritte Leistungsstufe, Anm.), in denen ich alle Disziplinen bestritt. Irgendwann stellte sich die Frage, wo mehr Talent vorhanden ist. In technischen Super-Gs war ich sehr schnell, aber das Talent für die klassischen technischen Disziplinen war eindeutig mehr da.

Christian Hirschbühl: Steckbrief, Erfolge

NameChristian Hirschbühl
Geburtsdatum19.04.1990
GeburtsortBregenz, Vorarlberg
WM-MedaillenAre 2019 (Team-Silber)
ErfolgeÖsterreichischer Slalom-Meister 2015
Weltcup8 Top-10 Platzierungen

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