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Fussball

Rapids Nicolas Kühn im Interview: "Ich musste erfahren, dass es nicht immer steil bergauf geht"

Von Fabian Zerche

Nicolas Kühn kann nichts mehr schockieren. Im Interview mit SPOX spricht er über seinen wilden Start in die Fußballkarriere, turbulente erste Wochen beim SK Rapid und die Erleichterung gegen Red Bull Salzburg.

Mit 22 Jahren hat Rapid-Edelzangler Nicolas Kühn schon einiges erlebt. Unter ordentlichen Nebengeräuschen wechselte er früh zu RB Leipzig. Zweieinhalb Jahre später kaufte ihn Ajax für rund zwei Millionen Euro aus dem Vertrag. Mittendrin erhielt der einstige U20-Teamspieler die goldene Fritz-Walter-Medaille vom DFB - die Auszeichnung für den besten Jugendspieler Deutschlands. Damit folgte Kühn auf Landsleute wie Kai Havertz, Antonio Rüdiger oder Marc-André ter Stegen.

Der Durchbruch sollte in Amsterdam aber nicht gelingen, Kühn machte den Schritt zurück in seine Heimat zum FC Bayern. Für die Entwicklung ließ sich der dribbelstarke Rechtsaußen an Erzgebirge Aue in die 2. Liga verleihen - die erste richtige Saison im Männerfußball war Gold wert, der Wunstorfer sammelte sieben Scorerpunkte in 27 Partien und der SK Rapid schlug zu.

Statt kontinuierlicher Weiterentwicklung im ruhigen Umfeld landete Kühn aber auf dem heißesten Pflaster des österreichischen Fußballs. Der Feintechniker war mitten drin im blamablen Europacup-Aus gegen den Schweizer Zweitligisten FC Vaduz, erlebte Fanproteste und Rücktritte auf Führungsebene.

Im Interview mit SPOX spricht Kühn über seine ersten Wochen in Hütteldorf, Karriereschritte und Goldmedaillen.

Wie geht es Ihrem gebrochenen Finger, sind die Schmerzen schon weg?

Nicolas Kühn: Mittlerweile etwas besser. Ich habe jetzt eine neue Schiene bekommen, mit der kann ich auch trainieren. Aber es ist beim Laufen noch extrem schmerzvoll. Ich habe den Finger schon während dem Salzburg-Spiel extrem gespürt, die Verletzung ist nach zehn Minuten passiert. In der Halbzeit haben wir ihn getaped, aber mir war ziemlich schnell klar, dass er gebrochen ist.

Das Unentschieden in Salzburg muss eine enorme Erleichterung gewesen sein.

Kühn: Uns hatte nicht jeder auf dem Zettel, und schon gar nicht nach dem frühen Rückstand. Aber wir haben nach dem 0:1 super reagiert und waren dann klar besser. In der zweiten Halbzeit hat Salzburg seine Qualität gezeigt und gedrückt, aber wir haben uns den Punkt verdient. Wir haben jetzt in den nächsten Spielen gegen WSG Tirol und im Derby gegen die Austria die Chance zu zeigen, dass wir es besser können und wollen punkten.

Wie hat es Sie eigentlich nach Wien verschlagen?

Kühn: Wir sind mit Aue vergangene Saison abgestiegen, aber ich finde ich persönlich hatte eine gute Saison und konnte mich zeigen. Ich hatte mit Rapid schon relativ früh Kontakt, die Verantwortlichen waren auch zweimal bei mir vor Ort und ab einem gewissen Zeitpunkt ging es dann relativ schnell. So wie sich Rapid um mich bemüht hat, war mir klar, dass ich diesen Schritt machen möchte und nach Österreich komme.

Sie haben sich vorab bestimmt über Rapid informiert. Die ersten Monate waren aber wohl noch turbulenter, als man erahnen konnte, mit dem Europacup-Aus, Fan-Protesten, Rücktritten auf Führungsebene. Drückt das auf die sportlichen Leistungen?

Kühn: Ich denke, dass man das nicht komplett ausblenden kann. Für viele ist das etwas Neues. Ich weiß nicht, ob man da von Glück sprechen kann, aber es hilft mir, dass ich einige schwierige Situationen miterlebt habe. Ich versuche mich persönlich nur auf Fußball zu konzentrieren und den Rest auszublenden. Aber es ist unschön, wenn so eine Unruhe reinkommt und wir uns nicht zu hundert Prozent auf den Fußball fokussieren können.

Können Sie so eine schwierige Situation nennen?

Kühn: Zum Beispiel der Abstieg mit Aue in der letzten Saison. Es war nicht immer einfach, es gab Auseinandersetzungen mit den Fans. Aber ich konnte sehen, was beim Männerfußball alles dran hängt. Da geht es bei Spielern um Jobs, die Familie. Das hat man gespürt.

Im Mai hieß es, die Wiener Austria wäre an ihnen dran. War das einfach nur Lost in Translation oder wirklich ein Thema?

Kühn: (lacht) Nein, das war eine Verwechslung, ich hatte nie Kontakt mit der Austria - ich weiß nicht, wie man darauf gekommen ist.

Sie haben die Bundesliga als gute Bühne bezeichnet. Wie zufrieden sind Sie nach den ersten 16 Spielen für den Verein?

Kühn: Ich sehe das noch immer so. Ich denke, die österreichische Bundesliga wird noch leicht unterschätzt und man hat die Chance, international zu spielen - zumindest wenn man es schafft, nicht so wie wir gegen Vaduz. Wenn man seine Scorerpunkte sammelt, kann die Liga eine super Bühne sein. Ich bin relativ zufrieden, habe mich gut in der Mannschaft eingefügt und ein positives Feedback bekommen. Ich würde mir wünschen, mehr Tore gemacht zu haben, aber das kommt noch mit der Zeit.

Sie haben gute Ansätze gezeigt, Ferdinand Feldhofer hat Ihr Dribbling als „unglaublich“ bezeichnet. Aber jetzt muss die Chancenauswertung besser werden, oder?

Kühn: Auf jeden Fall. Ich weiß, was ich kann. Und es ist positiv, dass ich überhaupt in solche Tor-Situationen komme. Aber jetzt muss ich die Bälle reinmachen.

Wenn man einen Blick auf Ihren Lebenslauf wirft, liest sich das wie eine ganze Fußballerkarriere. RB Leipzig, Fritz-Walter-Medaille, Millionentransfer zu Ajax, Rückkehr nach Deutschland zum FC Bayern, Erzgebirge Aue, jetzt Österreich.

© getty
Wechselt zum FC Bayern München: Ajax- und DFB-Juwel Nicolas Kühn.

Kühn: Ich habe schon einiges erlebt, auch wenn ich noch relativ jung bin. Ich versuche von jeder Station das Positive mitzunehmen, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass mir spätestens bei Ajax der Durchbruch gelungen wäre. Da musste ich erfahren, dass es im Leben nicht immer steil bergauf geht. Aber ich habe das angenommen, den Schritt zurück nach Deutschland in die 3. Liga genommen und dort sind wir Meister geworden. In meinem zweiten Jahr bei Bayern hatte ich private Probleme und ich habe mich dazu entschlossen, weg von den großen Namen zu gehen, nach Stationen bei RB Leipzig, Ajax und Bayern. In Aue konnte ich wieder Spaß am Spiel entwickeln und im Männerfußball ankommen, ich glaube, das habe ich definitiv gemacht, auch wenn es nicht immer leicht war in Aue. Diesen Weg will ich bei Rapid weitergehen.

Gab es bei den vergangenen Stationen Profis, die Eindruck hinterlassen haben?

Kühn: Auf jeden Fall, da gibt es einige Spieler. Viele, mit denen ich zusammengespielt habe, konnten ihren Weg gehen. Fußballerisch wirklich stark waren Frenkie De Jong und Matthijs de Ligt bei Ajax - was sie in ihrem Alter auf so einer großen Bühne wie der Champions League abgerissen haben, war unglaublich. Und auch menschlich waren sie wirklich top.

Sie haben 2019 die Fritz-Walter-Medaille gewonnen - eine riesige Auszeichnung. Aber kann es auch kontraproduktiv sein, den medialen Scheinwerfer auf so junge Spieler zu richten?

Kühn: Das kommt ein bisschen auf den Typ Spieler an. Ich kann nur von mir sprechen. Ich denke, ich habe die Auszeichnung damals zurecht gewonnen, mit meinen Leistungen in der Jugend. Natürlich habe ich mich sehr darüber gefreut, aber ich habe mir nie wirklich Druck deswegen gemacht.

Sie haben bei Rapid bis Sommer 2026 unterschrieben. War die lange Laufzeit eine bewusste Entscheidung?

Kühn: In Deutschland ist das eine übliche Laufzeit. Im Fußball sieht man, dass es oft schnell gehen kann. Es kann viel passieren. Aber ich bin zufrieden mit der Laufzeit.

Sie haben bei ihrem ersten Interview ein gemeinsames Abendessen mit Steffen Hofmann angekündigt. Gab es das schon?

Kühn: Ja, das haben wir schon ganz früh in den ersten zwei Wochen gemacht. Man merkt, er war ein riesiger Spieler hier. Ich versuche all seine Tipps aufzusaugen.

Er mischt jetzt im Präsidentschaftswahlkampf mit. Kann er den Verein da rausholen?

Kühn: Ich traue es ihm auf jeden Fall zu! Aber das entscheiden ja andere und dafür bin ich noch nicht lange genug im Verein, um den Durchblick zu haben.

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