Stefan Maierhofer im Interview: "Im Nationalteam haben Spieler vorgetäuscht, krank zu sein"

Von Christian Albrecht
Für die WSG Tirol gelang Stefan Maierhofer bislang ein Treffer in fünf Spielen.
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Die WSG ist nun Ihre bereits 14. Profistation, in Ihrer Karriere haben Sie schon so ziemlich überall gespielt. Wo hätten Sie denn noch gerne gekickt?

Maierhofer: Im Endeffekt bin ich mit meiner Karriere im Großen und Ganzen wirklich zufrieden. Ich habe die Ziele, die ich mir selbst gesteckt habe, zu einem großen Prozentsatz erreichen können. Natürlich wäre es schön gewesen, noch ein oder zwei Jahre in der deutschen Bundesliga zu spielen, aber einige Stadien konnte ich ja auch in der 2. Bundesliga mit MSV Duisburg und dem 1. FC Köln mitnehmen.

Bereuen Sie es, nicht für viele Jahre bei einem Klub geblieben zu sein, um zu einer Vereinsikone heranwachsen zu können?

Maierhofer: Nein. Ich habe schöne Länder bereisen dürfen und tolle Erfahrungen als Spieler und Mensch gesammelt. Vielleicht werde ich als Wandervogel abgestempelt, aber meine Erfahrungen geben mir die nötige Demut. Für meine Zeit nach der Profikarriere, wo ich dann möglicherweise als Trainer einen gewissen Erfahrungsschatz mitbringen kann, ist das vielleicht ein Vorteil. Mir war es immer wichtig, mir neue Ziele zu stecken, irgendwo etwas zu bewegen. Vielleicht hatte ich auch einmal einen falschen Berater, der nur auf sich und darauf geschaut hat, dass er wieder einen neuen Verein für mich suchen kann, damit er wieder eine Prämie mitschneidet. Aber da habe ich mich halt teilweise auch auf die falschen Leute verlassen. Natürlich hat es etwas, länger bei einem Verein zu bleiben, für mich persönlich war das aber egal. Im Nachhinein waren meine Entscheidungen immer die richtigen.

Stefan Maierhofer hat für MSV Duisburg, den 1. FC Köln, Greuther Fürth und TuS Koblenz insgesamt 65 Partien in Deutschlands 2. Bundesliga bestritten.
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Stefan Maierhofer hat für MSV Duisburg, den 1. FC Köln, Greuther Fürth und TuS Koblenz insgesamt 65 Partien in Deutschlands 2. Bundesliga bestritten.

Maierhofer: "Habe bei den Bayern nie gemeckert"

Blicken wir zurück auf die Anfänge Ihrer Karriere. Wenn Sie heute noch einmal 23 Jahre alt wären und bei Langenrohr kicken würden - würden Sie sich jetzt auch noch ins Auto nach München zum Probetraining setzen?

Maierhofer: Die Zeiten haben sich geändert, das Fußballbusiness ist nicht mehr das, was es noch vor 15 Jahren war. Heutzutage sind viel mehr Leute unterwegs, die sich als Berater oder Manager ausgeben. Da dreht sich viel um Freunderlwirtschaft. Aber würde ich die Möglichkeit bekommen und zu einem Probetraining eingeladen werden, würde ich es genauso wieder machen.

Vor Ihrer professionellen Fußballerkarriere haben Sie lange Zeit in der Gastronomie im Betrieb Ihrer Eltern gearbeitet: Welcher Job ist härter, der eines Spitzenkochs oder eines Spitzenfußballers?

Maierhofer: Die Gastronomie ist ein unglaubliches Berufsleben, in dem du bis zu 18 Stunden am Tag für andere Menschen eine Dienstleistung vollbringst. Ob Service oder Küche, da geht es ganz einfach körperlich zur Sache. Vielleicht bin ich auch deshalb in meiner Karriere so weit gekommen. Als wir bei den Bayern unter Felix Magath zwei Stunden am Vormittag, eineinhalb Stunden am Nachmittag trainierten und dann noch Gewichte gehoben haben - da habe ich nie gemeckert. Weil ich auch schon die Gastronomie erleben durfte. Ich sage immer dürfen, nicht müssen, weil ich das immer gerne für mich und meine Eltern gemacht habe. Ein schöner Beruf, aber ein Knochenjob. Ich bin gelernter Koch und Restaurantfachmann und jetzt mit Leib und Seele Fußballer. Niko Kovac oder auch Thorsten Fink haben zu mir immer gesagt: Major, solange du Fußballspielen kannst, spiel Fußball. Und das habe ich vor. Es ist der schönste Beruf, den es gibt.

Stefan Maierhofer vor seiner Einwechslung im Bundesliga-Spiel gegen Eintracht Frankfurt mit Trainer Felix Magath.
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Stefan Maierhofer vor seiner Einwechslung im Bundesliga-Spiel gegen Eintracht Frankfurt mit Trainer Felix Magath.

Maierhofer: "200 Millionen für Neymar sind schon krank"

Finden Sie, stehen die teilweise ausgezahlten Gehälter im Fußball in Relation zu jenen des "Knochenjobs" in der Gastronomie?

Maierhofer: Die Verträge im Fußball haben sich natürlich extrem verändert. Für den normalen Arbeitnehmer ist das brutal, die Zeitung aufzuschlagen und zu lesen, was gewisse Leute im Sport verdienen. Aber auch ein Ronaldo hat sich seine 30 Millionen Euro, die er pro Jahr allein mit Fußball verdient, erarbeitet. Man muss bedenken: Er ist eine Werbefigur, steht immer in der Öffentlichkeit. Der kann keinen Schritt vor die Türe machen, ohne, dass sofort ein Fotograf da ist. Das ist oft einfach viel Schmerzensgeld. Ich persönlich bin für mein Leben zufrieden. Ich verdiente eine Zeit lang gutes Geld und konnte mir ein bisserl etwas leisten. Sonst verdiente ich aber auch immer in normalen österreichischen Verhältnissen. Ich kann nicht sagen, dass ich ausgesorgt habe.

Sturm-Präsident Christian Jauk hat sich unlängst für eine Obergrenze beim Spielerbudget ausgesprochen - würden auch Sie so etwas befürworten?

Maierhofer: Ich würde das auf jeden Fall für gut empfinden. Natürlich sollte jeder Verein für einen Spieler eine gewisse Ablösesumme zahlen, wenn der noch einen laufenden Vertrag hat. Da geht es um eine Aktie, mit der Vereine wirtschaftlich Geld verdienen, wie man am Beispiel Salzburg sehr gut sieht. Vielleicht sollten Transferausgaben auf 50 Millionen Euro beschränkt werden, alles drüber muss für einen karitativen Zweck gespendet werden oder Ländern der Dritten Welt zugutekommen. 200 Millionen Euro für Neymar auszugeben, ist dann schon krank.

Maierhofer: "Irgendwann müssen sich bei Rapid die Leute hinterfragen"

Ihren absoluten Durchbruch schafften Sie bei Rapid. Fehlt den Hütteldorfern momentan ein Motivator wie Sie, um wieder einen Titel feiern zu können?

Maierhofer: Tut mir leid, aber ich glaube, da fehlt es nicht nur an einem Motivator. Da ist einiges falsch gelaufen in den letzten Jahren. Ich glaube, dass es wirtschaftliche Erfolge für gewisse Leute gab, aber nicht zum Wohle des Vereins. Rapid hat kein eigenes Trainingszentrum für den Profibetrieb. Der Verein hat irrsinniges Potential, mittlerweile auch ein richtig schönes Stadion und die Fans haben sowieso Qualität. Aber wenn man so lange keinen Titel feiert, müssen sich irgendwann auch die Leute intern hinterfragen. Persönlich hätte ich gerne noch einmal für Rapid gespielt, nach meinem Verkauf ist aber von Vereinsseite nie das Interesse an einer Rückholaktion aufgekommen. Vielleicht auch, weil ich intern immer wieder Sachen angesprochen habe, die dem einen oder anderen nicht gut aufgestoßen sind. Derzeit ist ein LASK weit vor Rapid, Salzburg sowieso. Daher wird es bis zum nächsten Titel noch länger dauern.

Ihre Laufbahn führte Sie unter anderem auch in die Slowakei. Mit AS Trencin wurden Sie slowakischer Meister und Pokalsieger, in manchen Interviews lässt sich dennoch herauslesen, dass Sie mit dem Schritt in die Slowakei dennoch nicht ganz glücklich waren. Weshalb?

Maierhofer: Damals sah ich in einem Cupspiel eine Gelbe Karte. Im Nachhinein wollten sie mich dafür für sechs Spiele sperren. Ich habe dann über den österreichischen Verband und die Ethikkommission Einspruch erhoben, was sich vorher kein anderer Spieler traute. Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen. Ich spielte gut, machte meine Tore und hoffte, noch auf den EM-Zug für 2016 aufzuspringen. Die Zustände im slowakischen Fußball sind schräg. Ein einziger Herr, der Präsident des Slowakischen Fußballverbands, bestimmt dort alles. Die Schiedsrichter arbeiten etwa in seiner eigenen Firma. Es war erleichternd, diese Titel einzufahren, obwohl in dieser Liga eigentlich jeder gegen uns war und alles nur für Slovan Bratislava laufen sollte. Die Leute versuchten andauernd, dir irgendwie ein Hakerl reinzuhauen. Es war zwar eine erfolgreiche Zeit, aber ich würde es nicht mehr machen.

Für den SK Rapid Wien erzielte Stefan Maierhofer in 60 Spielen 38 Treffer.
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Für den SK Rapid Wien erzielte Stefan Maierhofer in 60 Spielen 38 Treffer.

Sie hatten in der Slowakei ja auch Ihren persönlichen Suarez-Moment und sind gebissen worden.

Maierhofer: Ich wollte einfach an meinem Gegenspieler vorbei, der mich zuvor foulte. Dann steht er vor mir - nicht Kopf an Kopf, er ist ja nur bis zur Brust gegangen - und beißt mir einfach aus dem Nichts in die Brust. Ich habe mir gedacht: Das gibt's ja nicht! Ich habe dann die Bissabdrücke dem Schiedsrichter gezeigt und dafür die Gelbe Karte bekommen, weil ich meinen Oberkörper entblößt habe. Ganz dubiose Geschichte, aber im Nachhinein kann ich darüber lachen.