Der ITF-Chef ist schwer angeschlagen, will aber weitermachen

Die Pleitenserie des Präsidenten geht weiter

Von Jörg Allmeroth

Freitag, 04.08.2017 | 12:02 Uhr
© getty
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David Haggerty hat binnen weniger Wochen seine zweite krachende Niederlage als ITF-Präsident erlebt.

Wer andernorts Pläne und Ideen so sehr mit seinem Namen verbindet wie der ITF-Präsident mit seinem Reformpaket für Davis Cup und Fed Cup und dann wiederholt scheitert, denkt auch schon mal darüber nach, seinen Platz für jemand anderen frei zu machen. Haggerty allerdings kündigte an, er werde weiter für dringend notwendige Veränderungen bei den Teamwettbewerben kämpfen. Das empfinden nicht wenige im Welttennis als fortgesetzte Drohung.

Haggerty Pleitenserie begann während des Wimbledon-Turniers. Dort zeichnete sich bei Gesprächen und Sondierungen ab, dass der Plan des ITF-Bosses, die Endphase seiner beiden Teamwettbewerbe an einem neutralen Ort austragen zu wollen, keine Mehrheit finden würde. Dabei spielte auch das arrogante Vorgehen Haggertys eine Rolle: Schließlich hatte er schon vor den notwendigen Voten einen Ort für diese Finaltage auserkoren - das schweizerische Genf. Doch Haggerty musste zurückrudern, die Abstimmung über diesen Plan wurde von der Tagesordnung der Generalversammlung in Vietnam genommen. Trotzig verkündete Haggerty, er plane nun mit einem Finalturnier ab 2019.

Haggerty: Alte Probleme, neu aufgeladen

In Ho-Chi-Minh-City nun werde eine weitere Säule aus Haggertys Reformvorhaben weggerissen - nämlich der Plan, zwar weiter über drei Tage Davis Cup-Partien spielen zu lassen, aber nur noch über zwei Gewinnsätze. Damit hatte sich Haggerty auch gegen den erklärten Wunsch der Berufsspieler gestellt, die den Davis Cup am liebsten über zwei Tage austragen wollten, beim Format des Best-of-three. Nun wurde in Vietnam letztlich alles abgeschmettert, es gibt weder das Zwei-Tage-Format noch die Zwei-Gewinnsätze-Regel. Die Mehrheit in der ITF-Versammlung stimmte zwar für nur noch zwei Gewinnsätze, aber zur Zwei-Drittel-Mehrheit fehlten wenige Prozent. Nun hat der Davis Cup seine alten Probleme - neu aufgeladen. Zudem hat die ITF einen Chef, der schwer angeschlagen ist. Und der sich fragen muss, woher er denn in Zukunft die fehlenden Stimmen hernehmen will.

Bei den Teamwettbewerben ist sowieso weniger das Format als die Terminfrage entscheidend. Die mangelnde Präsenz vieler Topspieler hat vor allem mit dem überfüllten Terminkalender zu tun, in den sich die Teamwettbewerbe eher schlecht als recht einpassen. Oft genug wird direkt nach Grand Slam-Wettbewerben gespielt, gleichbedeutend mit heftigen Reisestrapazen noch vor dem ersten Ballwechsel. Weil es das große Reinemachen und Aufräumen im Jahreskalender aber nicht geben wird, kann sich die ITF mittel- bis langfristig wohl kaum gegen die Vorstellungen der Profis wenden. Die haben klar gemacht, dass sie etwa im Davis Cup nur noch über zwei Tage spielen wollen. Viele Fans bedauern das zwar, aber wer sich den Realitäten nicht verweigert und die Besten der Besten mit im großen Spiel haben will, wird dann wohl auch irgendwann nachgeben müssen. Früher oder später halt.

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