Der innere Kampf gegen die Negativspirale in einem Tennismatch

Was tun, wenn es im Match nicht läuft?

Von Marco Kühn/tennis-insider.de

Mittwoch, 02.08.2017 | 20:32 Uhr
© GEPA
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Jeder Tennisspieler kennt das Gefühl, wenn es in einem Match nicht läuft und man mehr mit sich selbst, als mit allem anderen beschäftigt ist. Was man dagegen tun kann, lest ihr hier!

Das Timing beim Aufschlag ist im Bett geblieben und träumt von den Malediven. Das Gefühl für die Vor- und Rückhand fühlt sich wie ein Fremder an, den man zum ersten Mal begegnet und man überhaupt nicht weiß, was man diesem überhaupt erzählen soll. Das gegnerische Feld erscheint winzig klein, nur drei Bälle nacheinander reinzuspielen ist wie ein Balanceakt auf einem Seil - man zittert. Jeder Tennisspieler kennt das Gefühl, wenn es in einem Match nicht läuft und man mehr mit sich selbst, als mit allem anderen beschäftigt ist. Der Gegner und dessen Verhalten auf dem Platz werden dann komplett ausgeblendet. Als würden sich Scheuklappen immer weiter nach innen schließen, verliert man den Blick für die Realität und das Match. Es gibt dann nur noch das Match gegen sich selbst. Dieses Match, gegen die eigenen, zumeist inneren Unsicherheiten, ist der Weg zurück in das Match gegen den eigentlichen Gegner.

Die Fesseln ablegen

Im Sumpf verheddert sieht man als Spieler meist nur noch die eigene Abwärtsspirale. Ein Anzeichen dafür ist, dass die Stärken und Schwächen des Gegners nicht mehr wahrgenommen werden. Wie der Großteil der Punkte verloren geht, kann in solch einer Situation nicht mehr rekonstruiert werden. Man beschäftigt sich einzig und allein mit seinem eigenen Leid, ohne dabei realistische Auswege aus dieser Situation zu erkennen. Tennis sprudelt die Emotionen nur so hervor. Die Kontrolle der eigenen Emotionen fällt sogar Profis sehr schwer, dem Clubspieler sind die Emotionen eine noch höhere Hürde. Wenn es in einem Match nicht läuft, spielen die Emotionen eine größere Rolle, als man selbst annimmt. Mit diesem Teufelskreis lässt sich brechen, indem man erkennt, dass man sich in einer Abwärtsspirale befindet und anschließend sofort seinen Blick für die Matchsituation verändert. Ständiges ärgern, hoher Puls, aufkommende und bleibende Wut, starke innere Unruhe, der nicht mehr vorhandene Blick für den Gegner und schnelle Spielverluste sind Anzeichen dafür, dass man keinen direkten Einfluss mehr auf das Matchgeschehen hat. Es wird Zeit, diese Fesseln abzulegen.

Der bestmögliche Schritt, zurück ins Match zu finden ist es, sich gedanklich abzulenken. Die Konzentration auf den eigenen Atem lenkt direkt von den negativen Gedanken ab. Wer aufgebracht und wütend ist, kann sich durch den Fokus auf den Atem sofort ein wenig beruhigen. Ruhig durch die Nase zu atmen und dabei auf seinen Bauch zu achten, lenkt den Fokus von der Abwärtsspirale weg. Anstatt dem Pfad der Negativität zu folgen, wird ein Stoppschild gebaut. Anschließend kann man dann die Umleitung, zurück ins Match, einrichten. Wenn sich auf dem Schulhof zwei Schüler streiten und beginnen, handgreiflich zu werden, ist das Erste was der Lehrer tun wird, die beiden Streithähne zu trennen. Sie werden also aus dieser Situation herausgeholt, um Abstand zu gewinnen. Die Emotionen, die in den Schülern in einer solchen Situation hochkommen, sind denen ähnlich, die man als Tennisspieler auf dem Platz erfährt. Wut und das Ausblenden der Realität um sich herum sind in beiden Fällen die Symptome. Auch auf dem Platz muss man sich bemühen, Abstand von der negativen Situation zu bekommen. Das Problem ist, dass es auf dem Platz keinen Lehrer gibt, der eingreifen könnte. Man ist für sich selbst verantwortlich und muss sich selbst am Kragen packen.

Zurück ins Match

Hat man sich am Kragen gepackt und mental aus der Abwärtsspirale befreit, verändert sich der Blickwinkel auf das Match. Die Aufschlagspiele gehen nicht mehr so schnell weg, der Gegner wird wieder klarer gesehen - mit all seinen Stärken und Schwächen. Um endgültig wieder im Match anzukommen, eignen sich Puffer. Diese Puffer sind kleine, zeitliche Verzögerungen. Diese Puffer lassen sich zwischen den Ballwechseln einstreuen, zwischen dem ersten und zweiten Aufschlag oder beim Seitenwechsel. Auch das Richten der Saiten, das berühmt-berüchtigte Schnürsenkel-Spiel oder das aus dem Wegnehmen der im Spielfeld liegenden Bälle sind Puffer. Diese Momente sind es, die in der Abwärtsspirale sehr schnell übergangen werden. Man lässt sich keine Sekunde Zeit zwischen dem ersten und zweiten Aufschlag, manchmal werden sogar die Seitenwechsel nicht genutzt, um sich auf die Bank zu setzen. Aus diesen Gründen müssen die Puffer sensibel genutzt werden, wenn man sich wieder in ein Match reinkämpfen will.

Begreift man schnell, dass es im Match nicht läuft und man sich sofort aus diesen Fesseln befreien muss, kann man durch die richtige Mentalität und cleveres Nutzen der Puffer schnell wieder den Anschluss gewinnen und dem Match seinen eigenen Stempel aufdrücken. Erkennt man seine Situation nicht, werden die Zuschauer nach dem Spiel davon sprechen, dass das Match "abgeschenkt" wurde.

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