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NFL und NFLPA verhandeln über neues CBA - darum geht es

Von Marcus Blumberg

Die NFL und NFLPA sollen Medienberichten zufolge schon in diesem Jahr über ein neues Collective Bargaining Agreement verhandeln, zwei Saisons vor Ende des aktuellen. Warum wäre eine Einigung schon 2019 sinnvoll, was sind die entscheidenden Faktoren und was passiert, wenn es zu keiner Einigung kommt?

Die Basis der Zusammenarbeit zwischen Spielern und Teams im US-Sport ist das jeweilige Collective Bargaining Agreement, gewissermaßen der Grundlagenvertrag zwischen Teambesitzern und der etwaigen Spielergewerkschaft. In der NFL läuft dieses CBA nach der Saison 2020 aus. Seit ein paar Monaten wird Medienberichten zufolge schon verhandelt.

SPOX blickt auf den aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen der NFL und der Spielergewerkschaft NFLPA und erklärt, worum es im Einzelnen geht. Was sind die wichtigsten Faktoren und woran könnten Verhandlungen sogar scheitern?

NFL CBA: Die Aufteilung der Gesamteinnahmen

Wie immer geht es auch bei diesen Verhandlungen ums liebe Geld. Der NFL werden Gesamteinnahmen in Höhe von mehr als 15 Milliarden Dollar pro Jahr nachgesagt - genaue Zahlen gibt es seit der Änderung des Organisationsstatus der Liga von Non-Profit-Organisation hin zu einer For-Profit-Organisation nicht mehr. Diese gigantische Summe will natürlich aufgeteilt werden.

Stand jetzt erhalten die Spieler 47 Prozent der (Brutto-)Gesamteinnahmen der NFL. Gemeint sind damit 47 Prozent der Gesamteinnahmen über die zehnjährige Laufzeit des aktuellen CBA. Im vorherigen CBA waren dies noch 60 Prozent, allerdings von den Netto-Einnahmen. Teambesitzer hatten das Recht, gewisse Beträge für diverse Zwecke für sich zu beanspruchen, was die Nettosumme entsprechend senkte. Im aktuellen CBA jedoch haben Spieler mehr Einfluss darauf, wie viel Geld die Eigner vom Brutto-Gesamtbetrag beanspruchen können und zu welchem Zweck.

Nun muss man kein Experte sein, um zu erahnen, dass auch in den Verhandlungen zum neuen CBA dieser Punkt wieder eine tragende Rolle spielen wird. Eine Seite wird Zugeständnisse machen müssen, um einen neuen Deal zu erzielen.

NFL: Stadionzuschüsse im neuen CBA

Ein zentraler Zweck zur Verwendung von Geld, das die Teambesitzer von den Gesamteinnahmen für sich beanspruchen wollen würden, ist die Finanzierung von Stadionprojekten. Im aktuellen CBA etwa wurde den Teameignern das Recht eingeräumt, einen Teil der Gesamteinnahmen für Stadion-Neubauten und -Renovierungen zu nutzen, bevor sie diese mit den Spielern aufteilten.

Die Eigner haben diesen Fonds aber bereits vor ein paar Jahren komplett erschöpft. Daher spekuliert nicht zuletzt Dan Graziano von ESPN, dass die NFL-Teameigner vor allem deshalb motiviert seien, ein neues CBA so schnell wie möglich auszuhandeln.

Der Journalist nennt beispielhaft Buffalo, Cleveland, aber auch Los Angeles als Standorte, an denen finanzielle Unterstützung für Stadionprojekte in Anspruch genommen werden könnte.

Die Frage in dieser Sache wird sein, wie wichtig den Teameignern dieser Punkt wirklich ist und welche Zugeständnisse sie gewillt sind, der Spielerseite zu machen, um hier das Einverständnis der Spieler zu bekommen.

NFL: Franchise Tags, Rookie-Verträge und die "Fully funded Rule"

Generell sind Verträge in der NFL immer wieder ein kontroverses Thema. Schon deshalb, weil sie anders als in anderen US-Ligen nicht voll garantiert sind. Das allerdings ist kein CBA-Thema, denn auch das aktuelle CBA verbietet solche nicht. Das Beispiel Kirk Cousins unterstreicht dies. Analog dazu sind solche Garantien in MLB oder NBA auch nicht vorgeschrieben, Spieler und ihre Agenten bestehen aber darauf, weshalb Teams nicht daran vorbeikommen und es gängige Praxis wurde, nur noch solche Verträge auszuhändigen.

Was die Gewerkschaft jedoch erreichen könnte, wäre gewisse andere Faktoren zu eliminieren, die die Einnahme-Möglichkeiten der Spieler aktuell noch behindern.

Ein großer und vor allem antiquierter Punkt wäre hier die sogenannte "Fully funded Rule", die besagt, dass Teams den Gesamtbetrag der zukünftigen garantierten Gehälter eines jeden Spielers auf ein Treuhandkonto überweisen müssen, um sicherzustellen, dass die Spieler auch wirklich ihr Geld erhalten werden. In der Praxis sah das bei Cousins etwa so aus, dass er aufgrund seines vollständig garantierten Vertrags fast 60 Millionen Dollar erst in den Jahren zwei und drei erhalten wird. Und diese Summe liegt nun auf einem solchen Treuhandkonto.

Dieser Fakt wird von Teams gerne als Hindernis dargestellt, einen solchen Vertrag auszuhändigen - wer hat schon so viel Cash herumliegen? Heutzutage braucht es eine solche Regelung aber eigentlich auch gar nicht mehr. Wir reden schließlich über eine milliardenschwere Liga.

NFL: Wilson, Brady, Rodgers, Garoppolo und Co.: Die Gehälter aller 32 Starting-Quarterbacks

Ein weiterer Dorn im Auge eines jeden Spielers ist der Franchise Tag - sowie in Abstrichen der Transition Tag. Teams haben damit die Möglichkeit, ihren Top-Free-Agent quasi garantiert zu halten.

Nun ist es zwar unwahrscheinlich, dass die Teameigner auf dieses Recht verzichten würden, doch es besteht zumindest die Chance aus Sicht der Spieler, die Bedingungen in dieser Sache zu verändern. Die NFLPA könnte darauf drängen, den Tag aus Teamsicht unattraktiver zu machen. Die Zahl der Häufigkeit, mit der ein Spieler mit dem Tag belegt werden kann, könnte etwa weiter reduziert werden. Ebenso könnte das Spielergehalt erhöht werden.

Darüber hinaus könnte die NFLPA auch versuchen, die Option für ein fünftes Jahr eines Standard-Rookie-Vertrags für Erstrundenpicks anzupassen oder vielleicht gänzlich zu eliminieren. Auch denkbar wäre es, dass die vorgegebene Länge eines Rookie-Vertrags von aktuell vier Jahren verringert werden könnte. Dadurch könnte ein seltener Superstar wie Patrick Mahomes schon sehr viel früher einen hochdotierten Vertrag unterschreiben. Zum Vergleich: In der NBA dauert ein Rookie-Vertrag für Erstrundenpicks nur zwei (garantierte) Jahre und bereits nach drei Jahren könnte ein solcher Spieler lukrativ und langfristig verlängern.

NFL: Kommt die 18-Spiele-Saison?

Schon seit geraumer Zeit geistert der Plan der NFL herum, die Regular Season von 16 auf 18 Spiele aufzustocken. Ein Vorhaben, das bislang an der strikten Weigerung der Spieler gescheitert war, die 16 Spiele schon als taxierend genug ansehen.

Und auch wenn vereinzelte Teameigner das immer noch als Ziel betrachten, sollen Untersuchungen der NFLPA laut ESPN ergeben haben, dass eine Erweiterung auf 18 Spiele die durchschnittliche Karrierelänge von Spielern von 3,4 auf 2,8 Jahren senken würde.

Das wiederum ist eine große Sache für die Spieler, denn nach aktuellen Regularien bekommt man als NFL-Spieler erst dann eine volle NFL-Rente, wenn man mindestens drei ganze Saisons in der NFL aktiv war. Zudem würde eine solche Erweiterung pro Team wohl nur knapp zehn Millionen Dollar an Mehreinnahmen bedeuten.

Das Thema wird sicherlich auch dieses Mal wieder zur Sprache kommen, es erscheint jedoch sehr unwahrscheinlich, dass sich die Spieler darauf einlassen werden.

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