NFL Preview: Houston Texans - Kansas City Chiefs

Watsons schwerste Prüfung

Von Adrian Franke

Samstag, 07.10.2017 | 10:15 Uhr
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Die Houston Texans empfangen zum Sunday Night Game in Week 5 das einzige verbleibende ungeschlagene Team in der NFL, die Kansas City Chiefs. Doch die Texans sind ihrerseits auf einer Euphorie-Welle - und das gilt ganz besonders für Quarterback Deshaun Watson. Allerdings erwartet den Rookie jetzt der bislang schwerste Test, das Spiel gibt es in der Nacht zum Montag ab 2.30 Uhr live auf DAZN zu sehen!

Die ersten vier Spieltage waren selbst für NFL-Verhältnisse gelinde gesagt verrückt: Eindrucksvoll war zu sehen, dass tatsächlich jeder jeden schlagen kann, von Woche zu Woche durften Saison-Prognosen umgeschrieben werden. Und die beiden Teams, die am Sonntagabend in Houston aufeinander treffen, standen dabei mehrfach im Fokus der Debatten - wenn auch an unterschiedlichen Enden des Spektrums.

Wenn man sich auf ein konstantes Team in der noch jungen Saison festlegen will, so wären das wohl für die allermeisten die Chiefs. Kansas City glänzt mit einer stabilen Defense auf allen drei Ebenen, hat in Tyreek Hill einen dynamischen Returner und bietet vor allem eine Offense auf, wie man sie von den Chiefs über die letzten Jahre viel zu selten gesehen hat: Kreativ und gleichzeitig effizient, ohne unnötiges Risiko und gleichzeitig ungewohnt aggressiv.

Die Texans auf der anderen Seite hatten einen turbulenten Saisonstart. Zehn zugelassene Sacks zum Auftakt zuhause gegen Jacksonville, ein erneuter Quarterback-Tausch noch im ersten Spiel sowie ein glücklicher Auswärtssieg in Cincinnati gegen desolate Bengals. Seitdem aber geht der Trend deutlich nach oben, in Houston herrscht spätestens seit dem vergangenen Spieltag Euphorie, und das dank eines Mannes: Deshaun Watson.

KC? Deshaun Watsons schwerste Prüfung

Die Texans nämlich haben es innerhalb kürzester Zeit geschafft, ihre Offense an den Rookie-Quarterback anzupassen. Das wurde beim Kantersieg gegen Tennessee deutlich. Houston macht es Watson möglichst einfach, während die Defense gleichzeitig permanent unter Druck gesetzt wird.

Heißt konkret: Jede Menge Play Action, dazu Misdirection und andere Fakes sowie einige Run-Pass-Options und Zone Reads. All diese Plays haben eines gemeinsam: Sie lassen eine aus Sicht des Quarterbacks vereinfachte Offense mit simpleren Reads für die Defense kompliziert und schwer berechenbar aussehen. Das bekam Tennessee ganz besonders zu spüren.

Die große Frage aber wird dennoch sein: Wie schnell kann Watson daraus den nächsten Schritt machen? Schon jetzt geht er geduldiger durch seine Reads als noch gegen Cincinnati, Fehler unterlaufen ihm allerdings fraglos trotzdem nach wie vor. Und mit Kansas City wartet ganz eindeutig Watsons schwierigster Test. Die Chiefs haben ohne jeden Zweifel einen Top-Trainerstab und werden Watson defensiv allerhand Probleme bereiten. Kansas Citys Defense ist erfahren und diszipliniert, leichte Play-Action-Pässe sollten eher die Ausnahme als wie gegen Tennessee die Regel sein.

Vor allem aber Watsons bisherige Tendenz, den Pass zu DeAndre Hopkins zu erzwingen, wird auf die Probe gestellt. Hopkins erwartet das Duell mit Marcus Peters, und nicht nur das: Peters - wie kaum ein anderer Cornerback - neigt dazu, selbst in Man Coverage den Quarterback zu lesen und plötzlich in einem vorher so nicht geplanten Bereich des Feldes aufzutauchen. Das könnte Watsons Reads auf die Probe stellen. "Es ist eine große Herausforderung", weiß auch QB-Coach Sean Ryan. "Er wird verschiedene Fronts und Disguises sehen. Wir wissen, dass uns so etwas mit einem Rookie-Quarterback erwartet."

Houstons Pass-Rush als entscheidender Faktor?

Statt offensiver Explosion könnte die Marschroute für Watson also eher lauten: Möglichst wenige Fehler machen, konstant agieren und verhindern, dass die Chiefs-Defense das Spiel kontrolliert. Dann nämlich könnte die Texans-Defense ihrerseits der Partie entscheidend ihren Stempel aufdrücken. Denn will man eine Schwachstelle bei Kansas City ausmachen, so ist es fraglos die Pass-Protection. Hier gehören die Chiefs bislang gar zum Bodensatz der NFL.

Teilweise war das im Spiel gegen Washington früh sichtbar und es zeigte, dass auch der Motor der bisher so starken Chiefs-Offense stottert, wenn der gegnerische Pass-Rush dominiert. Genau hier liegt bekanntermaßen die große Stärke der Texans. Mit J.J. Watt, Jadeveon Clowney und Whitney Mercilus verfügt Houston über mehr als genug Feuerkraft, um Kansas City Probleme zu bereiten. "Ich weiß, dass die Stats noch nicht so da sind, aber man sieht die Plays auf Tape", warnte Quarterback Alex Smith - der bislang eine großartige Saison spielt - vor Watt. "Es ist manchmal unmöglich, ihn zu blocken. Er kann ein Spiel zerstören, wenn man ihm die Chance gibt."

Umgekehrt aber lässt sich festhalten: Ein großes Spiel der Texans-Front wird auch dringend nötig sein. In der Secondary nämlich wackeln die Texans bisher mitunter noch und Kansas Citys Offense ist sowohl individuell mit Tyreek Hill und Travis Kelce als auch vom Scheme her in der Lage, mögliche Mismatches zu eigenen Gunsten zu nutzen.

Und natürlich darf dabei einer nicht unerwähnt bleiben: Kareem Hunt muss möglicherweise positionsbedingt den Rookie-des-Jahres-Titel Watson überlassen, doch was Kansas Citys Running Back bislang spielt ist eine Augenweide - und wird auch für Houston eine Probe. Hunt nämlich ergänzt das herausragende Run Blocking der Chiefs mit bislang 33 Forced Missed Tackles (Liga-Spitze) und 27 durchbrochenen Tackles. Letzteres hätte ihn in der kompletten 2016er Saison schon auf den 18. Platz befördert. Und noch stehen ja einige Partien an.

Texans vs. Chiefs - Preview im Kurzformat

Houston Texans (2-2) - Kansas City Chiefs (4-0) (Mo., 2.30 Uhr live auf DAZN)

  • Big-Play-Offense für die Chiefs! 8,8 Yards pro Pass sind nach vier Spielen der drittbeste Wert, dabei steht KC bei acht Passing-Touchdowns ohne eigene Interception. Das beeindruckende aber ist die Balance, die Chiefs nämlich führen die Liga in Yards pro Run (6,4) an.
  • Hierbei kann man getrost von einem Gemeinschaftsprodukt sprechen. Kansas City hat laut Football Outsider mit Abstand die meisten Adjusted Line Yards (Down, Distance, Situation und Gegner mit einberechnet), ist das beste Team bei Runs bei Third und Fourth Down mit maximal zwei Yards bis zum neuen First Down und das beste Team beim Second-Level-Blocking (5-10 Yards nach der Line of Scrimmage).
  • Von solchen Zahlen ist Houston weit entfernt, die Texans stehen mit 4,2 Yards pro Run im Liga-Mittelfeld.
  • Watson zeigt bereits sehr gute Ansätze bei kurzen und mittellangen Pässen, natürlich auch begünstigt durch das stark Play-Action-lastige Passspiel der Texans. Steigern muss er sich allerdings gegen Pressure, wo sein Passer Rating laut Pro Football Focus nur auf Rang 20 liegt.
  • Smith dagegen ist in der gleichen Kategorie der zweitbeste Quarterback über das erste Saisonviertel, vor allem gegen den Blitz dominiert er. Besonders beeindruckend: Smith hat das beste Passer Rating aller Quarterbacks bei langen Pässen und ist insgesamt bislang der genaueste Passer in der NFL.
  • Die Run-Defense der Chiefs war bislang allerdings überwindbar. Kansas City lässt zwar mit die wenigsten Big Plays zu (erst ein gegnerischer Run von über 20 Yards), gleichzeitig aber stehen 4,3 Yards pro Gegner-Run zu Buche - nur neun Teams lassen hier mehr zu. Houston erlaubt über ein halbes Yard pro Run weniger (3,7).

Das SPOX-NFL-Tippspiel, Week 5:

Florian RegelmannAdrian FrankeMarcus Blumberg

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38-2538-25

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