NFL: Der Franchise Tag erklärt

Die Alternative zum neuen Vertrag

Von Stefan Petri

Donnerstag, 16.02.2017 | 18:00 Uhr
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Seit Donnerstag dürfen die NFL-Teams einen ihrer Spieler mit auslaufendem Vertrag mit dem sogenannten "Franchise Tag" belegen. SPOX beleuchtet das System dahinter, die unterschiedlichen Varianten des Tags und die daraus entstehenden Verträge. Und erklärt, warum der Franchise Tag vor allem bei den Spielern, aber auch bei den Teams nicht sonderlich beliebt ist.

Kaum hat man nach dem epischen Super Bowl LI einmal tief durchgeatmet, steht im NFL-Kalender schon der nächste Einschnitt an. Etwas weniger dramatisch als die Free-Agent-Phase (ab dem 9. März) oder gar der Draft (27.-29. April), aber trotzdem enorm wichtig für die kurz- und mittelfristige Planung der Front Offices: Vom 15. Februar bis zum 1. März können die NFL-Franchises ihre Franchise Tags vergeben.

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Was ist der Franchise Tag?

Der Franchise Tag ist eine Möglichkeit für die Teams, einen ausgewählten Leistungsträger zu halten, obwohl dessen Vertrag ausläuft und man sich mit ihm nicht auf einen neuen Kontrakt einigen konnte. Eingeführt wurde der Franchise Tag im Jahr 1993, zusammen mit etwa der Gehaltsobergrenze ist es eine der Maßnahmen, um es vor allem den kleineren bzw. "unbeliebteren" Teams zu ermöglichen, Stars aufzubieten und sie zu halten - andernfalls könnte es diese ja zu den traditionsreichen Franchises oder aber die großen Städte ziehen.

Einem solchen Abgang des Superstars wird mit dem Franchise Tag ein Riegel vorgeschoben. Der ist übrigens einmalig in den großen US-Ligen. Die Spieler selbst sind zumeist keine großen Fans des Franchise Tag, sind sie in dem Fall schließlich nicht Herr ihres Schicksals. Außerdem handelt es sich bei dem Tag immer um einen "Einjahresvertrag" - ein langfristiger Vertrag wäre ihnen verständlicherweise lieber.

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Was kostet der Franchise Tag?

Versüßt wird den Topstars der Franchise Tag mit einem enorm hohen Gehalt. Das errechnet sich aus dem Durchschnitt der höchsten Gehälter auf der jeweiligen Position - ein Quarterback könnte 2017 also mit einem Gehalt von etwa 21 Millionen Dollar rechnen. Gleichzeitig muss das Gehalt aber auch immer mindestens 120 Prozent des Vorjahresgehalts betragen. Die höhere Summe sticht.

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(Zumeist errechnet sich das jeweilige Gehalt relativ unkompliziert. In einer zunehmend positionslosen Liga, in der die Akteure mittlerweile auch als Hybride zweier Positionen aufgeboten werden, kann das aber auch Fragen aufwerfen. So würde der Franchise Tag einem Defensive End rund zwei Millionen Dollar mehr einbringen als einem Defensive Tackle, Cornerbacks verdienen mehr als Safeties, etc ...)

Gibt es unterschiedliche Franchise Tags?

Obacht: Franchise Tag ist nicht gleich Franchise Tag. Die Teams haben die Wahl aus insgesamt drei Variationen:

  • "exklusiver" Franchise Tag: Das Jahresgehalt ergibt sich aus dem Durchschnitt der fünf höchsten Gehälter des kommenden Jahres, in diesem Falle also der Saison 2017, bzw. es steigt um mindestens 20 Prozent. Durch den exklusiven Tag ist der Spieler definitiv an das Team gebunden und darf nicht mit anderen Franchises verhandeln
  • "nicht-exklusiver" Franchise Tag: Das Jahresgehalt ergibt sich aus dem Durchschnitt der fünf höchsten Gehälter der vergangenen fünf Jahre - in Zeiten einer steigenden Salary Cap bekommt man so also weniger als bei dem exklusiven Tag. Ähnlich wie in der NBA darf man unter diesem Tag mit anderen Teams verhandeln. Unterschreibt man jedoch ein einen sogenannten "Offer Sheet" bei der Konkurrenz, darf das eigene Team gleichziehen und behält so den Spieler. Lässt man ihn ziehen, erhält man als Kompensation zwei Erstrundenpicks
  • Der "Transition Tag": Eine weiter abgeschwächte Version des Franchise Tag. Der Spieler erhält den Durchschnitt der zehn am besten bezahlten Spieler auf seiner Position, das ist also niedriger als bei den anderen beiden Tags. Der Spieler darf ebenfalls mit anderen Teams verhandeln, bei einer Unterschrift hat das Team sieben Tage Zeit, um gleichzuziehen. Tut es das nicht, gibt es in dieser Variante keine Kompensation. Deshalb ist der Transition Tag bei den Teams auch nicht gerade wahnsinnig beliebt

Wichtig: Die Teams dürfen pro Saison lediglich eine der oben genannten Varianten nutzen. Wer also etwa einen exklusiven Tag anwendet, darf auf den nicht-exklusiven und den Transition Tag nicht mehr zugreifen.

Wie oft kommt der Franchise Tag zum Einsatz?

Historisch gesehen nutzen bei weitem nicht alle Teams ihren Franchise Tag in jedem Jahr - schließlich bietet sich manchmal schlicht kein eigener Free Agent für den Tag an. 2016 wurden neun Spieler mit dem Tag belegt, in den beiden Jahren zuvor waren es jeweils sechs Spieler. Da der Franchise Tag für beide Partien nicht unbedingt das Lieblingsmittel darstellt - für die Teams ist der enorm hohe Cap Hit abschreckend -, kann es sich auch nur um eine "Vorsichtsmaßnahme" handeln, um weitere Verhandlungen anzuregen. Wird ein Spieler mit dem Tag belegt, hat man nämlich bis zum 15. Juli Zeit, um sich doch noch auf einen langfristigen Vertrag zu einigen. Erst wenn auch diese Verhandlungen scheitern, kommt der Tag zum Einsatz.

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Könnte ein Spieler theoretisch auch Jahr für Jahr mit dem Franchise Tag belegt werden? Zwei oder drei Jahre in Serie sind möglich, danach ist das aktuelle CBA nicht ganz eindeutig. Tendenz: nein. Der Fall dürfte allerdings so schnell nicht auftauchen, denn der Cap Hit steigt schnell in schwindelerregende Höhen: Das Gehalt steigt im dritten Jahr um mindestens 44 Prozent, schlecht bezahlte Positionen werden zudem nach den Durschnittsgehältern der am besten bezahlten Positionen abgerechnet.

PS: Hat der Spieler seinen Franchise-Tag-Vertrag noch nicht unterschrieben, kann der von der Franchise auch noch zurückgezogen werden. So geschehen etwa im letzten Jahr bei Ex-Panthers-Cornerback Josh Norman.

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Die zehn wahrscheinlichsten Franchise Tags 2017

  • Kirk Cousins, Quarterback, Washington Redskins: Der Quarterback-Markt bietet zumeist nicht viele Stars (was ist mit Jimmy Garoppolo?), umgekehrt sind QBS immer begehrt. Cousins spielte 2016 bereits unter dem Tag für die Redskins, ein weiterer Tag würde sein Gehalt auf 24 Millionen Dollar wachsen lassen - sollte man sich nicht einigen können. Einfach ziehen lassen kann ihn das Team nicht, die Frage wäre also: Exklusiver oder nicht-exklusiver Tag? Im zweiten Fall könnten sich Teams wie die Browns oder 49ers durchaus einschalten
  • Le'Veon Bell, Running Back, Pittsburgh Steelers: Die Steelers werden ihren Leistungsträger so schnell nicht ziehen lassen: Schon im Januar wurde gemeldet, dass das Team den Tag für Bell nutzen wird - nach seiner Sperre im letzten Jahr und Verletzungen in der Vergangenheit vielleicht keine schlechte Idee. Eine langfristige Einigung mit Wide Receiver Antonio Brown hat auf jeden Fall Vorrang. Nur: Welcher Tag würde es sein? Ist ein Running Back heute wirklich zwei First-Rounder wert?
  • Eric Berry, Safety, Kansas City Chiefs: Droht bei den Chiefs Ärger am Horizont, wenn man sich nicht einigen kann? Berry ist ein absoluter Superstar auf seiner Position, hat aber bereits angekündigt, unter dem Tag nicht spielen zu wollen. Das würde KC im Zweifelsfall aber nicht stoppen - kommt es gar zum Streik? Teams mit Nachholbedarf auf seiner Position gibt es genug ...
  • Chandler Jones, Outside Linebacker/Defensive End, Arizona Cardinals: Einen Zweitrundenpick hatten die Cards für Jones hingeblättert. Klar, dass man ihn nun so schnell nicht wird gehen lassen. "Wenn es sein muss, werden wir ihn taggen", hatte Head Coach Bruce Arians bereits angekündigt
  • Kawann Short, Defensive Tackle, Carolina Panthers: Es lag wohl auch am anstehenden Vertrag von Short, dass sich die Panthers 2016 von Norman getrennt hatten. Head Coach Ron Rivera hat ESPN bereits verraten, dass man Short "wahrscheinlich" taggen werde.
  • Weitere Kandidaten: Wide Receiver Alshon Jeffery (Chicago Bears), Cornerback A.J. Bouye (Houston Texans), Outside Linebacker Melvin Ingram (L.A. Chargers), Defensive End Jason Pierre-Paul (New York Giants), Linebacker Dont'a Hightower (New England Patriots)

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