"Es wird niemals Gnade geben"

Von Adrian Franke

Mittwoch, 10.08.2016 | 18:55 Uhr
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Innerhalb von nur zwei Jahren hat sich Odell Beckham Jr. zu einer der gefährlichsten Waffen in der NFL gemausert. Mit SPOX sprach der Receiver der New York Giants über Anpassungsschwierigkeiten, den FC Bayern München, den Catch, der ihn weltweit zum Superstar machte - und über Josh Norman.

SPOX: Herr Beckham, Sie haben gerade einen vollgepackten München-Trip hinter sich: Wie war das kleine Training mit den Spielern des FC Bayern?

Odell Beckham Jr.: Es hat wirklich viel Spaß gemacht. Meine eigenen Fußball-Wurzeln reichen ein Stück weit zurück und da raus zu gehen und mit den Jungs ein wenig zu kicken - das sind einige der besten Spieler überhaupt und David Alaba ist ein guter Freund von mir - war einfach schön. Es gab keinerlei Druck. Ich habe das ehrlich gesagt schon eine ganze Weile lang nicht mehr gemacht.

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SPOX: Wann haben Sie mit Fußball aufgehört?

Beckham: Da war ich etwa 13 oder 14 Jahre alt. Auf den Punkt gebracht war es damals so: Sie wollten, dass ich bei der Nationalmannschaft vorspiele, aber wenn man noch so jung ist, fällt es einem schwer, die eigene Familie zu verlassen, um nach Europa zu gehen. Ich habe mein ganzes Leben in Amerika verbracht und es wäre hart gewesen, einfach zu gehen, um einen Traum zu jagen. Auch wenn ich glaube, dass ich es geschafft hätte - der härteste Teil wäre gewesen, meine Mutter, meinen Vater, meinen Stiefvater und meine kleine Schwester zu verlassen. Meine Schwester war da gerade auf die Welt gekommen und es war für mich einfach keine Option, zu gehen. Aber ich lebe durch diese Jungs: Dass ich Franck Ribery, David Alaba und so weiter treffen kann, einige der besten Spieler überhaupt, ist toll. Sie leben ein Leben, das sehr selten ist und sie haben besondere Fähigkeiten. Es war cool, bei ihnen zu sein.

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SPOX: Also hat die Entscheidung für die Familie letztlich aus sportlicher Sicht auch den Weg Richtung Football geebnet?

Beckham: Ich würde nicht sagen, dass ich Football nur gewählt habe, weil ich für Fußball meine Heimat hätte verlassen müssen. Football fiel mir eher am leichtesten. Im Basketball musst du für die Junioren-Teams spielen, du musst in die Camps gehen und all das, um ein Basketball-Stipendium fürs College zu bekommen. Es kostet viel mehr Arbeit, als ein Football-Stipendium zu erhalten. Manche Jungs kommen in ihrem letzten High-School-Jahr ins Football-Team und erhalten dann ein College-Stipendium. Ich habe auch Baseball gespielt, im Outfield. Football ist für mich wahrscheinlich der "natürlichste" Sport, der Sport, der mir am leichtesten fiel.

SPOX: Welche Position haben Sie im Fußball gespielt?

Beckham: Ich war Stürmer und Mittelfeldspieler. Im Mittelfeld habe ich gespielt, wenn wir es mit einem Gegner zu tun hatten, der besser war als wir und wir wussten, dass sie wahrscheinlich Tore schießen würden - da musste ich auch in der Defensive spielen und dann hoffentlich noch ein Tor machen. Aber ich glaube, dass ich mich, als ich noch so jung war, manchmal von meiner Aggressivität habe steuern lassen. Ich erinnere mich noch, dass die Eltern von den Spielern der anderen Teams an der Seitenlinie standen und geschrien haben: "Holt ihn vom Platz!" Ich habe Leute von hinten umgegrätscht, dann gab es Ärger mit anderen Gegenspielern...ich glaube, deshalb bin ich beim Football geblieben. Beim Football darf man seine Aggressionen auf andere Art und Weise auf dem Platz nutzen.

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SPOX: Ist das auch Ihre Schlussfolgerung, wenn man die beiden Sportarten vergleicht?

Beckham: Ja, beim Football darf man physischer spielen. Ich habe David (Alaba, d.Red) gesagt: "Das ist nicht beledigend gemeint, aber Fußball hat sich in einen anderen Sport verwandelt." Jemand kann das Feld runter rennen, wird nur leicht berührt und schon fällt er hin und das Spiel wird unterbrochen. Daran erinnere ich mich auch noch: Wenn jemand mich umgegrätscht hat, wollte ich auf keinen Fall zu Boden gehen. Ich wollte weiterlaufen. Football erlaubte es mir, meine Stärken auszuspielen.

SPOX: Und das macht das Spiel auch so besonders für Sie?

Beckham: Ich glaube, wenn man kleiner ist, hat man auch dieses Kleiner-Mann-Syndrom: Die Leute nennen dich "klein" und das ärgert dich. Football erlaubt es dir, deine Aggressionen auf gewisse Art und Weise zu benutzen - zum Guten oder zum Schlechten! (lacht) Man muss Wege finden, sie richtig einzusetzen.

SPOX: Reden wir über den Draft. Vor einigen Wochen habe ich mit Pierre Garcon gesprochen und er sagte mir, dass der ganze Prozess viel Spaß gemacht hat, es gleichzeitig aber auch sehr nervenaufreibend war. Haben Sie das auch so erlebt?

Beckham: Zu einem gewissen Grad habe ich definitiv so gefühlt. Ich wusste nicht, zu welchem Team ich komme, ich hatte wirklich keine Ahnung. Normalerweise gibt es im Vorfeld ein Team, das sehr konkrete Vorstellungen hat und ich hatte einige Teams im Hinterkopf - doch keines davon hat mich gewählt, sie haben stattdessen andere Spieler vor mir geholt. Ich weiß noch, dass ich damals gesagt habe: Ich will im College eine National Championship holen, ich will die Heisman gewinnen. Beides habe ich nicht geschafft. Ich wollte ein Top-10-Pick im Draft sein, das habe ich nicht geschafft. Vor meiner ersten Saison war es dann mein Ziel, Rookie des Jahres zu werden und weil ich meine Ziele zuvor schon so oft knapp verpasst hatte, wollte ich das unbedingt schaffen. Glücklicherweise ist es mir gelungen und ich wurde als Rookie des Jahres ausgezeichnet. Darauf baue ich seitdem auf.

SPOX: Dabei starteten Sie Ihre erste Saison etwas...

Beckham: ...mit Rückstand?

SPOX-Redakteur Adrian Franke traf Beckham in München

SPOX: Genau. Sie hatten damals diese hartnäckige Verletzung. Wie haben Sie das erlebt?

Beckham: Ich bin etwa fünf Monate lang aufgrund einer Oberschenkelverletzung ausgefallen. Ich erinnere mich daran, wie ich zurückkam und den Druck von New York, von meinem Team und von meinen Coaches gespürt habe. Ich bin einer dieser fröhlichen Jungs und habe immer ein Lächeln auf den Lippen, bin immer am tanzen - aber verletzt zu sein hilft dir wenig. Das gilt insbesondere wenn du ein Rookie und gerade in die NFL gekommen bist: Manche nehmen dann schon an, dass du dein Ziel erreicht hast und es für dich nicht mehr wirklich etwas gibt, das du erreichen willst. Das entsprach nicht der Wahrheit, doch ich musste für die anderen einen Gang runter schalten, damit sie auch das Gefühl hatten, dass ich hier sein will. Dann habe ich meine Chance auf dem Platz bekommen und versucht, das Beste daraus zu machen. Jetzt gehe ich in meine dritte Saison und hoffe, dass ich mich weiter verbessern kann.

SPOX: Hatten Sie vor Ihrem ersten Spiel Schmetterlinge im Bauch?

Beckham: Keine Schmetterlinge, nein. Das ist es, was du tust! Das Einzige was ich vielleicht sagen kann: Vor einem Spiel hat man immer dieses Gefühl...nicht unbedingt Schmetterlinge, aber man will, dass das Spiel beginnt. Du liebst es und freust dich darauf. Aber herum zu sitzen und zu warten und dabei fast ein bisschen durchzudrehen, ob im positiven oder negativen Sinne - es kam einfach so weit, dass ich einfach raus gehen und das zeigen wollte, von dem ich schon immer geglaubt habe, das ich es kann. Einfach Spaß zu haben. Glücklicherweise kam ich an diesen Punkt.

Seite 1: Beckham über den FC Bayern, seinen schweren NFL-Start und das "Kleiner-Mann-Syndrom"

Seite 2: Beckham über Josh Norman, gestiegene Aufmerksamkeit und die Cornerback-Debatte

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