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NBA Offseason – die Boston Celtics: Die Jagd nach dem 18. Banner

Von Ole Frerks

© getty

Die Boston Celtics haben nach der starken Vorsaison ihre Hausaufgaben gemacht, durcheinandergewirbelt wurde der Kader jedoch nicht - in Bean-Town sieht man sich stark genug für einen Angriff auf den Thron.

Boston Celtics: Die Transaktionen

Die Celtics erlebten nach der erfolgreichen Vorsaison einen recht ruhigen Sommer. Im Draft setzte man den Nr.27-Pick für Big Man Robert Williams ein, in der Free Agency kam dann in Ex-Bamberger Brad Wanamaker (1 Jahr, 838.000 Dollar) nur ein neuer Spieler.

Wichtiger waren da die Verlängerungen von Aron Baynes (2 Jahre, 10,6 Mio.) sowie Marcus Smart, der nach einigem Warten für vier Jahre und 52 Mio. gehalten wurde. Greg Monroe (Toronto) ließ man derweil ziehen und Kadeem Allen wurde entlassen. Gleiches galt für Rodney Purvis, der erst wenige Tage zuvor per Trade für Abdel Nader aus OKC geholt worden war. Shane Larkin (Anadolu Efes) spielt dagegen in dieser Saison wieder in Europa.

Der letztjährige Two-Way Player Jabari Bird wurde dafür mit einem Zweijahresvertrag über 2,9 Mio. Dollar ausgestattet, wobei nur das erste Jahr garantiert ist. Die wichtigsten Neuzugänge indes standen schon in der vergangenen Saison nominell im Kader.

Boston Celtics: Die Strategie

Die Celtics sind letzte Saison weiter gekommen, als sie es selbst für möglich hielten, als sich zunächst Gordon Hayward und dann Kyrie Irving (und Daniel Theis) verletzten und man am Ende trotzdem nur einen Sieg von den NBA Finals entfernt war. Nun ist Boston fit und will die Lücke füllen, die LeBron James mit seinem Wechsel nach Los Angeles hinterlassen hat. Schon in der vergangenen Saison hätten die Chancen dafür mit zumindest einem aus Irving und Hayward ziemlich gut gestanden.

Danny Ainge hat daher seinen Kader zusammengehalten und etwas mehr Geld für Smart in die Hand genommen, als viele erwartet hatten. Bostons Kader ist nun auf fast allen Positionen tief und hochkarätig besetzt und hat teilweise fast schon Luxusprobleme - in der kommenden Saison wird somit auch evaluiert werden, wer unverzichtbar ist und wer nicht.

Klar ist nämlich auch: Den kompletten Kader wird Boston aus Kostengründen nicht lange zusammenhalten können. Dafür sind aktuell zu viele Rookie-Verträge dabei, die bald nicht mehr so günstig sein werden. Bereits nächsten Sommer werden unter anderem Irving (will bleiben), Terry Rozier (RFA), Theis (RFA) und Marcus Morris (UFA) Free Agents, ein Jahr später ist Jaylen Brown als RFA dran.

Ainge hat dabei, das ist kein Geheimnis, auch bereits ein Auge auf Anthony Davis geworfen und Boston ist aufgrund seiner nach wie vor beeindruckenden Assets immer ein Team, das bei potenziellen Superstar-Trades zumindest Chancen hat. In der Zwischenzeit gelten die Celtics bereits als Top-Favorit in der Eastern Conference. Es soll ja niemand behaupten, dass beim Rekordmeister nicht ambitioniert gedacht wird.

Der Kader der Boston Celtics

Point GuardShooting GuardSmall ForwardPower ForwardCenter
Kyrie IrvingJaylen BrownGordon HaywardJayson TatumAl Horford
Terry RozierMarcus SmartSemi OjeleyeMarcus MorrisAron Baynes
Brad WanamakerJabari Bird Daniel TheisRobert Williams
Guerschon Yabusele

Boston Celtics: Die Schwachstellen

Die Defense der Celtics war in der vergangenen Saison elitär, was durch das beste Defensiv-Rating der Liga (103,9) leicht zu belegen ist. Die Offense hingegen, und das war nicht erst nach Irvings Verletzung der Fall, war teilweise Stückwerk und über die Saison gesehen nur mittelmäßig. Abgesehen von Kyrie fehlte dabei lange die konstante Scoring-Option, wobei Jayson Tatum im Laufe der Saison und gerade in den Playoffs dann doch genau dazu wurde.

In der Postseason war Boston dennoch sehr vom Heimvorteil wie auch von der Kreativität von Brad Stevens, gerade bei ATOs, abhängig, was sich durch die Rückkehr von Hayward und Irving nun jedoch etwas ändern sollte. Irving ist defensiv nicht so stark wie Vertreter Rozier, seine Clutchness und auch Ausstrahlung in den wichtigsten Situationen könnten Boston in dieser Saison indes von allen Ost-Teams abgesehen von Toronto (Kawhi Leonard) ein Stück weit abheben.

Natürlich wird Boston aber nicht von Anfang an alles kaputtschießen. Das neue Lineup mit Irving, Jaylen Brown, Hayward, Tatum und Al Horford ("Five-Leaf Clover"?) hat absurdes Potenzial, bisher aber kaum eine Minute zusammengespielt. Die Ansprüche im Team sind riesig und der Kader so tief, dass nicht jeder immer die Spielzeit bekommen kann, die er seiner Meinung nach verdient hätte.

Boston Celtics: Der Hoffnungsträger

Die Liste ist lang und langfristig dürfte wohl Tatum die Antwort auf die Frage sein, von wem sich Boston das meiste erhofft, in der kommenden Saison ruhen allerdings besonders viele Hoffnungen auf Hayward. Dass der Swingman letzte Saison nur fünf Minuten spielen konnte, ist bekannt - was jedoch viele Leute vergessen haben, sind seine Leistungen davor.

Die Celtics bekommen hier nicht irgendeinen Spieler zurück, sondern einen All-Star, der vom Skillset her perfekt in ihr Schema passt: Hayward ist defensivstark und kann genau wie Brown, Tatum und Horford alles switchen, sein Wurf ist gut und im Gegensatz zu den jüngeren Celtics-Wings sind sein Passspiel und sein Ballhandling schon wesentlich weiter.

Hayward kann ein idealer Katalysator neben Horford und Irving sein, der zudem natürlich auch Stevens schon aus College-Zeiten kennt. Vorausgesetzt natürlich, dass er wirklich wieder fit ist - aber zumindest weisen alle Anzeichen aus Boston zu diesem Zeitpunkt darauf hin.

Boston Celtics: Das Fazit

Um es mit Kyrie zu sagen: "Selbst, wenn ich mal darüber nachdenken würde, woanders hinzugehen, käme gleichzeitig: ‚Bist du verrückt?' Wir sind hier ziemlich f***ing gut. Die Zukunft in Boston sieht sehr, sehr gut aus." Diese Aussagen von Ende September fassen die Celtics-Situation gut zusammen. Einen Moment lang dürfte sich auch Ainge auf seiner guten Arbeit der letzten Jahre ausruhen.

Die Offseason in diesem Jahr hatte insofern nicht den größten Schwierigkeitsgrad, wurde von Boston aber erneut mehr als solide gemeistert. Der Preis für Smart war nicht großartig, aber in Ordnung, Baynes' Vertrag dafür war mehr als angemessen für seine Produktion. Wanamaker könnte ähnlich wie Theis im Vorjahr unter dem Radar ein Steal werden.

Von daher: Alles richtig gemacht, nun muss Stevens das Puzzle nur noch zusammensetzen und die Mannschaft dorthin führen, wo sie ihrer Meinung nach hingehört. Irving hat gesagt, dass dieses Team auch Golden State in einer Serie schlagen kann - an diesen Worten ist die Celtics-Saison 18/19 zu messen.

Die Note: 2

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