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NBA: Wie können die Golden State Warriors LeBron James in den Griff bekommen?

Von Robert Arndt

© getty

Die Golden State Warriors haben Spiel 1 der Finals nach Verlängerung gewonnen. Sorgen dürfte aber die Leistung von LeBron James machen, der nicht zu stoppen war und 51 Punkte auflegte. Werden die Dubs ihre Strategie in der Defense deswegen verändern?

Die Warriors sind ein stolzes Team, vor allem in der Defense, die von Draymond Green zusammengehalten wird. Zwar gewannen die Dubs Spiel 1 der Finals, doch dass LeBron James 51 Punkte gegen den zweifachen Champion aufgelegt hat, dürfte in der Bay Area niemandem geschmeckt haben.

Es ist davon auszugehen, dass Golden State ein solches Szenario mit 50+ Punkten von James gerne in Spiel 2 ausschließen möchte, schließlich hätte der Cavs-Star mit seiner Performance den Meister beinahe im Alleingang erlegt.

Die Cavs haben jedoch im Prinzip keinen Plan B oder sonstige Alternativen für die kommenden Spiele der Serie. Natürlich könnte Cavs-Coach Ty Lue mehr Minuten an Kyle Korver geben, sodass J.R. Smith weniger spielt. Kevin Love könnte vermehrt auf der Fünf eingesetzt werden; warum nicht den enttäuschenden Rodney Hood ausprobieren und auf Jordan Clarkson verzichten? Das alles scheinen aber keine Maßnahmen zu sein, die diese Serie entscheidend beeinflussen könnten.

Die meisten Punkte eines Spielers gegen die Warriors unter Kerr

DatumSpielerGegnerPunkteField GoalsDreierFreiwürfe
31.05.2018LeBron JamesCleveland5119/323/710/11
19.02.2016Damian LillardPortland5118/289/126/7
10.01.2018Lou WilliamsL.A. Clippers5016/278/1610/10
11.02.2017Russell WestbrookOklahoma City4714/263/1016/18
28.10.2016Anthony DavisNew Orleans4517/311/210/14
25.05.2015James HardenHouston4513/227/1112/13

Warriors-Defense: Double Teams gegen LeBron?

Die Marschroute der Cavs kann nur die folgende sein: 'LeBron, mach genau so weiter und der Rest des Teams versucht dir aus dem Weg zu gehen.' Darauf werden die Warriors in der Defense eine Antwort finden wollen, dann ist die Serie schnell vorbei und Golden State hat den dritten Titel in vier Jahren locker in der Tasche.

Die einfachste Lösung wäre es, LeBron zu zwingen, den Ball abzugeben, zum Beispiel durch Blitzes oder aggressive Pick-n-Roll-Verteidigung, welche quasi ein Doppeln des Ballführenden wäre. Dies gab es in Spiel 1 kaum bzw. gar nicht. Die Warriors vertrauten auf ihr gewohntes Konzept, in der Defense alles zu switchen, was gegen LeBron, der Mismatches wie kaum ein Zweiter jagt, ein gewagtes Unterfangen ist.

Dies ist aber die Philosophie von Steve Kerr und Defensiv-Koordinator Ron Adams, mit der sie über Jahre erfolgreich gefahren sind. In diesen Playoffs schickten sie auch keine Double Teams gegen Anthony Davis, Chris Paul oder James Harden und setzten es auch in den Finals der vergangenen Jahre kaum gegen die Cavs ein.

"Wir werden darüber nachdenken", ließ Kerr für eine Veränderung der Strategie aber ein Hintertürchen offen. "Wir haben es am Ende des vierten Viertels mal versucht. Man muss abwägen: Entweder gibt man den Schützen am Perimeter freie Würfe oder wir machen es ihm im Eins-gegen-Eins so schwer wie es geht."

Warriors hoffen auf schwindende Kräfte bei LeBron James

Das taten die Warriors aber nicht. In der ersten Halbzeit vergab James nur zwei Würfe und scorte über das komplette Spiel am Ring beinahe nach Belieben (9/13 FG). "Er war spektakulär, aber wir haben es ihm auch nicht schwer genug gemacht", gestand Kerr. "Wir haben ihn nie aus seiner Komfortzone gebracht, das muss am Sonntag besser werden."

Auf der anderen Seite nehmen es die Dubs auch in Kauf, dass Superstars gegen sie die eine oder andere Gala auf den Court zaubern. Auch Harden hatte in den Conference Finals vor allem vor der Pause große Momente und schien unaufhaltsam zu sein, doch der Kraftaufwand machte sich im Laufe der Serie bemerkbar, die Effizient litt.

Es ist eine Formel, die den Warriors stets Erfolg brachte - mit einer Ausnahme. 2016 scheiterten die Dubs in den Finals an LeBron, der 29,7 Punkte im Schnitt auflegte und fast 50 Prozent aus dem Feld traf. Damals trug aber auch noch Kyrie Irving (27,1) ein Cavs-Trikot, in diesem Jahr heißen die Spielmacher aber George Hill und Jordan Clarkson.

Die Warriors dürften also weiter der Überzeugung sein, dass ihre Strategie weiter aufgehen wird, auch wenn LeBron Spiel für Spiel Fabelzahlen auflegen wird. Mit Andre Iguodala, der wohl auch Spiel 2 verpassen wird, wartet ohnehin ein weiterer Joker. Iggy hielten die Dubs im Sommer für 48 Millionen Dollar, weil er auch mit 34 Jahren die beste Option gegen den dreifachen Finals-MVP ist.

Golden State: Cavs-Rollenspieler dürfen nicht heiß laufen

Noch müssen die Warriors aber auf den Forward verzichten und werden sich deswegen vor allem darauf konzentrieren, dass der Supporting Cast nicht unerwartet Feuer fängt. So gewannen die Cavs im vergangenen Jahr immerhin ein einziges Spiel, als Cleveland mit 24 verwandelten Dreiern einen neuen NBA-Rekord aufstellte.

In Spiel 1 spielte das aber keine Rolle. Die Gäste trafen nur 27 Prozent ihrer Versuche aus der Distanz, wobei James (3/7 Dreier) auch in dieser Kategorie noch der Beste war. Gerade einmal 18 Punkte bei 27 Versuchen generierte das Quintett aus Kevin Love, Smith, Hill, Jeff Green und Clarkson von Downtown. Hochwertige Unterstützung für den King sah anders aus.

So verwunderte es auch nicht, dass James in der Verlängerung scheinbar der Saft ausging. LBJ zog nicht mehr zum Korb und kam lediglich auf zwei Punkte von der Freiwurflinie, seine vier Jumper küssten alle nur den Ring. Allerdings stellten die Warriors auch Kleinigkeiten um, welche durchaus von Erfolg gekrönt waren.

Die Ausbeute der Rollenspieler der Cavs

SpielerMinutenPunkteDreier
Kevin Love39211/8
J.R. Smith39102/6
George Hill3072/4
Jeff Green3671/6
Jordan Clarkson1740/3
Kyle Korver1631/3

Warriors: Ist Green die Lösung gegen LeBron?

In der regulären Spielzeit hatte sich noch vornehmlich Kevin Durant um die Kreise von LeBron gekümmert, in der Overtime war dann plötzlich Green das Matchup. Nach Switches zu Curry war der amtierende Defensive Player of the Year aber stets in der Nähe und LeBron bekam so große Schwierigkeiten, die Zone zu attackieren oder seine Mitspieler zu finden.

"Wir haben dagegen gehalten", war Green nach dem Spiel stolz auf sein Team. "Die einfachen Dinger aus der ersten Halbzeit haben wir nicht mehr zugelassen. Im Laufe der Zeit macht sich dies bezahlt. Irgendwann wird auch LeBron ein paar Würfe nicht treffen."

Es deutet darauf hin, dass die Dubs diesen Plan weiter umsetzen und James im Laufe der Serie die Kräfte rauben werden. Wahrscheinlich wird Green nicht das ganze Spiel gegen LeBron verteidigen müssen, aber in den entscheidenden Phasen dürfte Kerr auf diese Option zurückgreifen. Cleveland braucht weit über 40 Punkte pro Spiel in dieser Serie, um nicht völlig chancenlos zu sein. Gelingt es ihm, dann ist dies eine Leistung, die so ein Spieler in der Geschichte noch nie gezeigt hat.

Es ist die Magie der Finals, wenn ein All-Time Team auf einen All-Time Spieler trifft. Es gewinnt nicht nur eine Partei, nein, der große Gewinner ist der gemeine Fan, der diesem Spektakel beiwohnen kann.

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