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NBA Playoffs: Terry Rozier von den Boston Celtics: Brad Stevens' neustes Spielzeug

Von Dirk Funk

© getty

Die Boston Celtics sind nach dem Auftaktsieg in einer komfortablen Situation vor Spiel 2 gegen die Philadelphia 76ers. Ein wichtiger Faktor war dabei Terry Rozier, der Kyrie Irving fast vergessen machte. Trotz einiger Nebenkriegsschauplätze lässt sich der Point Guard nicht beirren.

Nach einer überragenden Leistung während des Erstrundenerfolgs gegen die Milwaukee Bucks und einer erneuten Glanzleistung im Auftaktspiel gegen die Philadelphia 76ers sollte nicht nur Eric Bledsoe, sondern die komplette NBA-Welt den Namen "Terry Rozier" kennen. Der 24-jährige Point Guard ist einer der Hauptgründe, warum die Celtics-Saison - trotz der dünnen Personaldecke - einfach nicht enden will.

Als bekannt gegeben worden war, dass Kyrie Irving die komplette Postseason verpassen würde, schrieben - abgesehen von äußerst leidenschaftlichen Celtics-Fans - im Prinzip alle den Celtics eine ernsthafte Chance ab, in den Playoffs eine Rolle zu spielen. "Wo soll die Offensive ohne Kyrie herkommen?", fragten sich neutrale Beobachter zurecht und viele sahen die Celtics dadurch schon in der Auftaktserie gegen die Bucks als zumindest leichten Außenseiter.

Zu diesem Zeitpunkt ahnte aber auch völlig zurecht kaum jemand, was für eine Leistung Rozier in den Playoffs abrufen würde. "Scary-Terry", wie er inzwischen liebevoll getauft wurde, zeigte zwar in der Regular Season schon starke Ansätze, als er unter anderen gegen die Sacramento Kings 33 Punkte erzielte und drauf und dran war, den Franchise-Dreierrekord zu brechen - auf solche Leistungen folgte aber auch immer wieder starke Inkonstanz.

Auch während der bisherigen Playoffs gelang es Rozier zwar nicht, sein Niveau konstant zu halten, aber zumindest vor heimischem Publikum konnte Celtics-Coach Brad Stevens bisher immer auf eine starke Leistung seines Interims-Guard zählen. In fünf Heimspielen erzielte Rozier überragende 23,4 Punkte pro Spiel und weist dabei eine sensationelle Effizienz auf (52,6 Prozent FG, 56,8 Prozent Dreier). Dazu hat Rozier auch einen großen Schritt nach vorne als Ballverteiler gemacht und geht dabei unerwartet sorgsam mit dieseml um.

Terry RozierSpieleMinutenPunkteFG%3FG%AssistsTurnover
Regular Season
2015/16398,01,827,422,20,90,5
2016/177417,15,536,731,81,80,6
2017/188025,911,339,538,12,91,0
Playoffs
2016519,84,839,136,41,20,4
20171716,35,640,236,81,90,6
2018835,819,044,643,86,61,6

Celtics: Brad Stevens gibt Rozier das Lenkrad in die Hand

Als Hauptgrund für seine starke Form nennt Rozier immer wieder das Vertrauen, welches sein Head Coach Brad Stevens in ihn gesetzt hat: "Er hat mir gesagt, dass ich mit jedem Spieler der Liga mithalten kann", erklärte Rozier. "Das hatte ich die ganze Zeit im Hinterkopf - mein Selbstbewusstsein ist momentan einfach riesig. Deswegen hatte ich auch keine Angst vor diesen großen Momenten. Ich war bereit, loszulegen."

Stevens primäre Aufgabe für Rozier war dabei denkbar einfach: "Ich habe ihm nur gesagt, dass er einfach er selbst sein soll", erzählte der Celtics-Coach. "Seit er für uns startet, spielt er wirklich großartig und wir werden genau dieses Niveau weiter von ihm brauchen." Dazu sprach Stevens darüber, dass Rozier nicht nur sportlich, sondern auch charakterlich einen Schritt nach vorne gemacht hat. "Letztes Jahr hat er in der Serie gegen die Wizards super gespielt, aber dann schaffte es Brandon Jennings, in seinen Kopf zu kommen und das hat ihn meiner Meinung nach aus dem Rhythmus gebracht. Dieses Jahr ist er viel konstanter und die Geschichte mit Bledsoe hätte auch ganz anders ausgehen können, aber er ist die ganze Zeit ruhig geblieben."

Zusätzliche Motivation dank Eric Bledsoe

Das "Drew Bledsoe"-Fiasko wurde zu der großen Storyline der Serie. Nachdem Rozier in der Crunchtime von Spiel 1 Bledsoe per Killer-Crossover ins Leere schickte und einen wichtigen Dreier traf, verwechselte Rozier später in der Pressekonferenz Eric mit seinem Namensvetter "Drew Bledsoe", einem No.1-Pick und QB der New England Patriots, und brachte den Stein ins Rollen. Der Point Guard der Bucks reagierte etwas beleidigt und gab in einem Interview vor, nicht zu wissen, wer Terry Rozier sei und musste sich dafür im Verlauf der Serie einiges an Hohn anhören, als Rozier ihn leistungsmäßig ausstach.

Den letzten Lacher hatte Rozier dann nicht nur mit dem Sieg im Game 7, sondern feuerte vor dem Serienauftakt gegen die 76ers noch eine letzte Pfeilspitze in Richtung Bledsoe ab - Rozier trug auf dem Weg in die Arena ein Drew-Bledsoe-Trikot der New England Patriots. Nach dem Spiel erklärte er seine Kleiderwahl: "Drew Bledsoe ist mein Mann. Ich mag ihn einfach - auch wenn wir noch nicht miteinander geredet haben. Die Hauptsache ist aber: Ich denke, er weiß wer ich bin und ich weiß wer er ist."

Dass Rozier sich von der Bledsoe-Thematik aber nicht hat ablenken lassen und eine leidenschaftliche aber auch fokussierte Leistung zeigte, spricht für die von Stevens angesprochene Reife. Mit 29 Punkten (11/18 FG) belohnte sich Rozier mit einem neuen Playoff-Career-High und unterstrich mit 8 Rebounds, 6 Assists und 2 Steals seine große Präsenz auf dem Parkett.

Rozier: Haben die Philadelphia Sixers die passende Antwort?

Einen erneuten Kleinkrieg mit einem Spieler der 76ers zu starten, könnte sich schwierig darstellen, da Philly keinen festen Gegenspieler gegen Rozier einsetzte. Robert Covington, Marco Bellinelli, Dario Saric, Ben Simmons - alle durften sich gegen den wieselflinken Spielmacher versuchen. Diese Unordnung trug womöglich dazu bei, dass Rozier vor allem in der Transition von den Sixers überhaupt nicht in den Griff zu bekommen war. Wie Rozier mehrmals mit vollem Tempo aus dem Dribbling zum Dreier hochging, unterstrich nur sein aktuelles Selbstbewusstsein.

Ein Rozier in dieser Form deckt ebenfalls die vielleicht größte Schwäche der ansonsten so starken Sixers-Defense auf. In dem riesigen Starting-Lineup der Sixers gibt es keinen Verteidiger, der flink genug ist, Rozier konstant vor sich zu halten. Schaffen es die Celtics dann, Ringbeschützer Embiid an den Perimeter zu ziehen, öffnen sich Bahnen für Rozier, die er entweder für eigene Abschlüsse oder für Pässe in die aus der rotierenden Verteidigung entstehenden Lücken nutzen kann.

Natürlich wird Rozier nicht in jedem Spiel sieben Dreier treffen, und sollte er mal kalt bleiben, werden die Räume für ihn auch direkt wieder kleiner werden - dennoch wird Brett Brown eine Anpassung für Spiel 2 vornehmen müssen. Eine Lösung könnte sein, zu hoffen, dass Covington seine defensive Form zurückgewinnt. Eventuell könnte auch T.J. McConnell als giftiger Verteidiger eine größere Rolle bekommen oder Ben Simmons lässt sich tatsächlich auf ein echtes Point-Guard-Duell ein.

Rozier genießt den Moment

Fest steht aber, dass die 76ers nicht nochmal so schwach agieren werden. "Defensiv, Offensiv - das war nicht der Basketball, der uns eigentlich ausmacht", beschrieb Coach-Brown den uncharakteristischen Auftritt seiner Schützlinge.

Celtics vs. Sixers: Die Spiele der Serie

TagDatumUhrzeitSpielHeimAuswärtsErgebnis
Dienstag1. Mai2 Uhr1BostonPhilaldelphia117:101
Freitag4. Mai2.30 Uhr2BostonPhilaldelphia
Samstag5. Mai23 Uhr3PhilaldelphiaBoston
Dienstag8. Mai0 Uhr4PhilaldelphiaBoston
Donnerstag10. MaiTBD5*BostonPhilaldelphia
Samstag12. MaiTBD6*PhiladelphiaBoston
Montag14. MaiTBD7*BostonPhiladelphia

Ob es am Ende also reicht, um das nächste Team mit größerer Star-Power auszuschalten, bleibt fraglich - aber alles, was jetzt noch dazukommt, sollte ein Bonus für die Celtics sein. Was Boston, Rozier und insbesondere Brad Stevens trotz des dezimierten Kaders erreicht haben, ist jetzt schon großartig und lässt Boston-Fans nur weiter fantasieren, wie gut die Celtics im nächsten Jahr sein werden, wenn dann hoffentlich der gesamte Kader fit auf dem Parkett steht. Solange Scary-Terry aber weiter so abliefert, werden diese Gedankenspiele noch warten müssen und die Celtics-Realität bleibt im hier und jetzt - oder wie Terry Rozier selber sagt: "Ich genieße einfach den Moment."

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