NBA Playoffs: Kyle Korver bei den Cleveland Cavaliers: Dikembe Mutombo mit Wurf

Von Thorben Rybarczik

Dienstag, 22.05.2018 | 09:36 Uhr
© getty

Kyle Korver war in Spiel 4 der Conference Finals ein wichtiger Faktor für den Sieg gegen die Celtics. Die Cavaliers wissen nicht nur seinen Wurf zu schätzen - auch seine Defense und sein Einsatz sind Bestandteil seines Spiels.

Aufgegeben hatten sich die Boston Celtics noch längst nicht in Spiel 4 der Eastern Conference Finals. Klar, die erste Halbzeit lief schon wieder katastrophal und die Cavs kamen mit Wurfquoten um die Ecke, als hätten sie die Regler bei NBA 2K gepimpt - einen Blowout sollte es diesmal jedoch nicht geben.

Stattdessen kämpfte sich Boston im dritten Viertel wieder heran und machte die frenetische Menge in der Quicken Loans Arena nervös. Und dann das: Jumpball am Korb der Cavs zwischen George Hill und Aron Baynes. Der grüne Center sollte eigentlich klare Vorteile haben, doch der Ball kam zu LeBron James, der ihn instinktiv nach vorne tippte.

Zwei Spieler der Celtics sprinteten hinterher: Marcus Smart und Terry Rozier. Zwischen ihnen war nur ein Cavalier, der im Sprintduell absolut keine Chance hatte. Er hieß Kyle Korver.

Tyronn Lue kennt Kyle Korvers Alter nicht

Trotz seiner Nachteile im Spurt gegen die Young Guns sicherte er seinem Team den Ballbesitz. Aus vollem Lauf hechtete er nämlich zwischen seinen Gegnern hindurch zum Spalding, bekam irgendwie eine Flosse daran - und veränderte die Flugrichtung so entscheidend, dass Rozier den Ball nicht unter Kontrolle bekam und dieser vom Celtic ins Aus sprang.

"Man sieht einen 36-Jährigen ziemlich selten so übers Parkett sprinten und gegen Athleten wie Rozier und Smart so nach dem Ball tauchen", lobte Head Coach Tyronn Lue nach dem Spiel auf der Pressekonferenz - und bekam von den Journalisten den berechtigten Hinweis, dass Korver schon 37 sei. "37?", erwiderte Lue ungläubig. "Mein Gott. Dann bekommt er viel zu viele Minuten von uns. Aber wir brauchen ihn unbedingt da draußen."

Kyle Korver: Wertvoll als Starter und Sixth Man

Es war in der mittlerweile 15-jährigen Karriere von Korver nicht oft der Fall, dass er für etwas anderes gelobt wurde als für seinen Distanzwurf. Dieser gehört bekanntlich zu den saubersten der NBA-Geschichte, im Ranking der All-Time Dreierschützen der Liga steht er auf Platz 4 mit 2.213 versenkten Triples.

Auch für die Cavs liefert er im gehobenen Alter noch ab. In den ersten elf Spielen der laufenden Postseason war er noch Starter, mittlerweile ist er wieder Edel-Sixth-Man. Doch in welcher Rolle auch immer er zum Einsatz kommt - meistens trifft er seine Würfe.

Im wichtigen Sieg in Spiel 3 blieb er perfekt aus dem Feld bei 7 Würfen und 4 Dreiern, Spiel 4 begann er ähnlich effizient. Insgesamt versenkt er in der laufenden Postseason überragende 46,8 Prozent von Downtown und macht in den 25,1 Minuten, in denen er auf dem Feld steht, James das Leben leicht.

Die Topscorer der Cavaliers in den Playoffs 2018

SpielerPunkteFG%3FG%FT%
LeBron James33,7553273,2
Kevin Love14,938,935,791
Kyle Korver10,739,546,493,8
George Hill9,350,63075,8
J.R. Smith8,936,839,791,7

LeBron James: "Ich liebe Kyle Korver"

Doch wie gesagt - all dies ist nicht Neues. Dass die Leute über seine gute Defense reden, hingegen schon. Neben seinem besagtem Hustle Play fiel er obendrein mit 3 Blocks auf, zwei davon gegen den Super-Athleten Jaylen Brown, der immer wieder das Eins-gegen-Eins mit Korver suchte. Und scheiterte.

Denn trotz seiner athletischen Nachteile kann Korver defensiv effektiv sein. Mit seiner Körpergröße von 2,01 Meter, den recht langen Armen und den durchaus vorhandenen Kilos lässt er sich von Guards nicht beiseiteschieben, zudem weiß er dank seiner Erfahrung, wo er sich zu platzieren hat. Wenn er auf dem Feld steht, läuft es bei der Defense Clevelands abseits des Balles deutlich besser als beispielsweise mit J.R. Smith, was in erster Linie auf Korvers Kommunikation und Antizipation zurückzuführen ist.

"Ich liebe Kyle - schon von dem Moment an, als wir für ihn getradet haben", sagte nach dem Spiel sogar LeBron James. Er habe schon längst erkannt, dass Korver viel mehr Werte für das Team mitbringt als ein eindimensionaler Shooter.

Korver: "Morgen werde ich Schmerzen haben"

Zum Beispiel die berüchtigte Veteran-Leadership. "Solche Spieler sind für das Team unfassbar wertvoll. In der Vergangenheit waren es Channing Frye, Richard Jefferson oder James Jones, die einfach wissen, wie man gewinnt", sagte Coach Lue. Nun sei es eben Korver, der tatsächlich der älteste Spieler im Roster ist - und mit seiner Einstellung vorangeht. "Er verhält sich immer wie ein Profi", freut sich Lue, der auch nur vier Jahre älter ist als der drittbeste Cavs-Scorer in den laufenden Playoffs.

Korver selbst wurde nach seiner "Block-Party" noch in der Kabine gefragt, ob er sich nicht ein bisschen fühle wie Block-Legende Dikembe Mutombo. Ein kleines Lächeln huschte da schon über sein Gesicht, seriös beantwortete er die Frage dennoch. "Es ist nicht leicht für mich, von Athleten wie Brown oder Tatum ständig attackiert zu werden. Aber ich weiß, wie ich mich mit meinen Mitteln wehren und dem Team defensiv helfen kann."

Zum Hustle Play gegen Rozier und Smart wollte man natürlich auch seine Meinung hören: "Morgen werde ich wohl Schmerzen haben", lautete seine nüchterne Analyse dazu. Es scheint, als habe sich Korver das Playoff-Motto der Cavs - "whatever it takes" - zu Herzen genommen. Nicht nur aufgrund seines legendären Distanzwurfs ist er in diesen Playoffs einer ihrer wichtigsten Spieler.

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