Draft-Experte Fran Fraschilla im Interview

"Zipser muss seine Nische noch finden"

Von Ole Frerks

Dienstag, 13.12.2016 | 13:45 Uhr
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Fran Fraschilla arbeitete zehn Jahre lang als College-Coach, bevor er als Experte zu ESPN wechselte. Dort setzt er sich insbesondere mit der NCAA und dem europäischen Markt auseinander. SPOX sprach mit ihm über den kommenden Draft, die wichtigsten Entwicklungen im Basketball und die Chancen von Paul Zipser.

SPOX: Mr. Fraschilla, wenn man derzeit die NBA verfolgt, scheint es, als würden im Vergleich zu den letzten Jahren weniger Teams aktiv tanken. Dabei ist der kommende Draft ein sehr vielversprechender, oder?

Fran Fraschilla: Das ist er allerdings. Wenn man sich die moderne Geschichte des Drafts anschaut, entwickelt sich eigentlich nur ungefähr ein Viertel der Spieler zu NBA-Spielern von Qualität. Deswegen besteht nach den ersten sechs oder acht Picks nur noch selten wirklich Euphorie bei den NBA-Teams. Das ist in diesem Jahr anders: Es gibt vor allem auf der Point-Guard-Position gleich mehrere Talente, die echtes Star-Potenzial mitbringen. Die meisten aus der NCAA, aber auch der Belgier Frank Ntilikina, der momentan bei Straßburg spielt. Es gibt zwar auch eine Handvoll gute Forwards, aber gerade was die Eins angeht, bietet der kommende Draft eine enorme Tiefe.

SPOX: Dann muss man also nicht zwingend tanken, um die Chance auf einen guten Spieler zu haben?

Fraschilla: Nun, Sie wissen ja: Auch die schlechteste Bilanz der Liga garantiert nur eine 25-prozentige Chance auf den ersten Pick. Natürlich würde jedes Team gerne als erstes picken, da man so garantiert seinen Liebling auswählen kann, aber Garantien gibt es eben nicht. Und in diesem Jahr ist es tatsächlich so: Es gibt genug vielversprechende Point Guards im Draft, dass im Prinzip jedes bedürftige Team - wie zum Beispiel Dallas oder Philadelphia - einen abbekommen könnte. Mit Sicherheit werden zum Ende der Saison trotzdem einige Teams dafür sorgen wollen, dass ihre Chancen auf hohe Draftpicks möglichst gut stehen.

SPOX: Wer ist denn aktuell Ihr Lieblingsspieler im Draft? Oder lässt sich das noch nicht beurteilen?

Fraschilla: Der Lieblingsspieler muss ja nicht zwingend auch derjenige sein, der am meisten NBA-ready ist, oder? Dann ist es in diesem Fall Lonzo Ball, der 1,98 m große Point Guard von UCLA. Es macht so einen Spaß, ihm zuzusehen: Für mich ist er der beste College-Passer seit Jason Kidd und Magic Johnson!

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SPOX: Das ist ein riesiges Lob - übertreiben Sie da nicht?

Fraschilla: Ich kann mir vorstellen, dass es übertrieben wirkt, aber ich halte wirklich so viel von ihm. Mit seiner Größe hat er wirklich eine bemerkenswerte Court Vision, die mich vermutlich am meisten an Kidd und derzeit noch Ricky Rubio erinnert. Alle drei sind große Point Guards, die das Spiel unheimlich gut verstehen. Ball hat mit Rubio und dem jungen Kidd außerdem gemein, dass er noch kein verlässlicher Shooter ist, aber sein Start mit UCLA verlief in jedem Fall schon vielversprechend. Es ist wahrscheinlich, dass er unter den ersten fünf oder sechs Picks sein wird.

SPOX: Rubio wirft noch immer schlecht, Kidd lernte es mit der Zeit in der NBA. Wirkt Balls Wurf reparierbar oder gehört er eher in die Rondo-Kategorie?

Fraschilla (lacht): Nein, er ist definitiv kein Rondo. Er ist ein bisschen unorthodox. In den USA vergleichen wir ihn mit dem Golfer Jim Furyk: Er ist einer der besten Golfer der Welt, sein Schwung ist aber einer, den man keinem jungen Golfer jemals beibringen würde. Trotzdem hat er damit Erfolg. Ball hat mit seinem Wurf bisher auch Erfolg, es gibt allerdings das Problem, dass sein Release ziemlich tief ist. Das würde es auf NBA-Niveau sehr schwierig machen, an einem Verteidiger abzuschließen. Seine Stärken sind bisher ganz klar die Größe, die Übersicht und die Fähigkeit, seine Mitspieler besser zu machen. Das alles wird ihm auf jedem Level helfen. Das Wurf-Thema gibt dann letztendlich wahrscheinlich den Ausschlag, ob er ein richtiger Star werden kann. Aber keine Sorge: Er ist ein besserer Shooter als Rondo, Rubio und auch Kris Dunn, der ja gerade an fünfter Stelle gedraftet wurde, bisher aber einen schweren Stand in der NBA hat.

SPOX: Überrascht Sie das eigentlich? Vorm Draft hieß es ja überall, dass er von allen Rookies am meisten 'NBA-ready' ist.

Fraschilla: Ein wenig schon, ich war und bin auch ein Fan von Dunn. Aber, und das unterstreicht jeder meiner Freunde in der NBA, wenn ich mit ihnen spreche: Es ist heute einfach so wichtig, dass der Point Guard und jeder andere Spieler auf dem Court zumindest durchschnittlich gut werfen kann. Wenn man wie Dunn kein guter Schütze ist, muss man schon spektakulär in fast allen anderen Bereichen des Spiels sein, um dem Team nicht zu schaden. Rondo war früher so jemand, aber auch bei ihm zeigt sich seit Jahren, dass sein fehlendes Shooting für jedes seiner Teams ein riesiges Problem darstellt. Ein Non-Shooter schrumpft den Court! Wenn ein oder zwei Spieler nicht werfen können, kann sich der Gegner viel leichter auf den Superstar konzentrieren und ihn aus dem Spiel nehmen.

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