MLB-Legende Jackie Robinson: Die Revolution der 42

Von Maximilian Schmeckel

Freitag, 14.04.2017 | 08:01 Uhr
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Er war der erste Schwarze in der MLB: Jackie Robinson wurde von einem besonderen Manager in die Liga geholt und stieg zu einem der besten Spieler aller Zeiten auf. Jahrelang ertrug er wüste Beschimpfungen und Morddrohungen, weil er wusste, dass er für etwas Gutes kämpft. Der Second Baseman ist eine Legende, der einer ganzen Nation ihre Dämonen vor Augen führte. Heute ist die Nummer 42 ein Symbol für Hunderttausende. Am morgigen Samstag feiert die Liga den alljährlichen Jackie Robinson Day.

Die Originalversion dieses Artikels erschien im Oktober 2015 auf SPOX.

Sie dürfen da nicht sitzen", bellte es von vorne. Der Angesprochene lächelte provokant. "Warum nicht, Sir?", fragte er. "Das wissen Sie genau, vorne Weiße, hinten Nigger", sagte der Busfahrer angriffslustig zu seinem Fahrgast, einem schwarzen Unterleutnant, der sich erdreistete im für Weiße abgetrennten Teil zu sitzen. "Whites only" hieß es, genau wie auf Toiletten oder in öffentlichen Restaurants, die in großen Letttern "We serve Whites only" verkündeten. Der Busfahrer tobte, beschimpfte den jungen Burschen als "Drecksnigger" und holte schließlich ein paar Offiziere.

Wegen Gehorsamsverweigerung wurde der "Täter" vor ein US-Militärgericht gestellt - und in allen Anklagepunkten freigesprochen. Denn die Army wusste, wen sie da sitzen hatte. Einen 23-Jährigen Second Lieutnant, der sich fünf Jahre vor der offiziellen Aufhebung der Seperation in der US-Army einen Platz an einer Offiziersschule in Florida erkämpft hatte.

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In fünf Sportarten begnadet

Einen jungen Sportler, der auf der UCLA in Los Angeles der Superstar in gleich fünf Sportarten gewesen war. Den Bruder eines Medaillengewinners der Olympischen Spiele. Man wusste um seinen Wert, er wurde in allen Anklagepunkten freigesprochen.

Was sie nicht wussten damals, 1942 in der Hitze von Fort Hoot, Florida, war, dass der Mann fünf Jahre später Sportgeschichte schreiben würde und einen Sport veränderte. Sein Name: Jack Roosevelt "Jackie" Robinson.

imago
Jackie Robinson im Jersey der Dodgers

Am 31. Januar 1919 kam er als jüngstes von fünf Geschwistern in Cairo, Georgia zur Welt. Der Vater verließ die Familie früh, die Mutter zog mit ihren Kindern nach Pasadena, Kalifornien. Unter der kalifornischem Sonne und umgeben von Hügeln spielte Jackie mit seinen älteren Brüdern auf der Straße.

Pochen auf Gerechtigkeit

Beim Baseball oder Basketball ging es hart zur Sache. Einerseits wegen des Altersunterschieds, andererseits wegen der Beschimpfungen, denen sie ausgesetzt waren, wenn alte Damen mit ihren Hunden vorbei kamen oder die Kinder der Nachbarn sie als "Affen" beschimpften.

Jackie war ein kluges Kerlchen, einer mit aufbrausendem Temperament und einem starken Sinn für Gerechtigkeit. Schon damals musste er von seinen Brüder davon abgehalten werden, einen Weißen zu verprügeln, der seine Schwester Hure genannt hatte. Seine Noten waren gut, er schaffte es aufs College.

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In der University of California stieg er bald zur kleinen Campus-Berühmtheit auf. Im Basketball brillierte er mit Geschmeidigkeit und Athletik, im Tennis drosch er schon bald Gegnern die Bälle um die Ohren, die quasi seit ihrer Geburt in weißen Shirts mit ihren Vätern auf Sandplätzen gestanden hatten, während Robinson vor dem College gar nicht gespielt hatte.

Der Bruder sprintet vor Hitler

Auf dem Football-Feld war er bald als brillanter Receiver bekannt, der auch die schwierigsten Würfe fing und besonders bei Bullet-Pässen als Mr. 100-Prozent galt. Im Leichtathletik-Team brach er die College-Rekorde im Weitsprung, 100-Meter-Lauf und 200-Meter-Lauf. Sein Siegeswille zeichnete ihn aus.

"Mehr als alles andere hasse ich es zu verlieren", sagte er später und bewies das im College eindrucksvoll. Anders als heute, wo die Teams Schlange stehen würden, um ein solches Ass im Draft für sich zu gewinnen, strafte man Robinson mit Desinteresse.

Er war ein Ausnahme-Talent, das schon, aber er gehörte nun mal zur falschen Rasse an, außerdem sei es nicht garantiert, dass er die gleichen Leistungen auf auf höchstem Niveau bringen könne, schließlich war er ein "Nigger". Eine Karriere als Sportler kam nicht in Frage.

Denn in der einzigen Disziplin, in der Schwarze auch auf Top-Niveau geduldet wurden, der Leichtathletik, war er nicht so gut wie sein Bruder Mack, den heute nur deshalb keiner kennt, weil bei Olympia in Berlin 1936 Jesse Owens brillierte und Robinson im Sprint nur die Silbermedaille blieb.

Das Leben eine Demütigung

Im Sprint brauchte es Kraft und Athletik und keinerlei Intelligenz, deshalb waren die Schwarzen hier früh geduldet, im Baseball oder Football dagegen herrschte eine strikte Trennung. Zu schwach im Kopf waren die Schwarzen für das höchste Niveau, so lautete die einhellige Meinung.

Robinson meldete sich ohne Chance auf eine Profi-Karriere während des zweiten Weltkriegs freiwillig zur Army. Kurz vor der Versetzung des rassengetrennten 761. Panzer-Bataillons nach Europa an die Front ereignete sich der Vorfall im Bus und Robinson blieb in den Staaten.

Nach dem Krieg und seiner Entlassung 1944 kehrte Alltag ein. Die Schwarzen erhielten Ehrungen wegen ihrer Leistungen im Krieg und musste dann im Bus wieder hinten sitzen oder auf separate Toiletten gehen. "Amerika predigt Integration und übt Segregation aus", sagte Malcolm X und so war das Leben nach der längst abgeschafften Sklaverei für die Schwarzen in Amerika weiter eine Demütigung. Sie wahren Beleidigungen und Gewalt ausgesetzt, nicht selten blieben Morde oder Vergewaltigungen unaufgeklärt.

Dodgers-Manager hat eine Idee

In diesem Land der Unterdrückung, das sich in der Welt als liberaler Befreier und weltoffener Gegenpol zum NS-Regime feiern ließ, lebte Robinson mit seiner geliebten Frau Rachel, die er 1946 geheiratet hatte und die später eine bekannte Medizin-Professorin werden würde.

"Kein Amerikaner in diesem Land ist frei, solange nicht alle frei sind", sagte Robinson und fühlte sich ohnmächtig, da er nichts tun konnte. Er spielte Baseball in den Negro Leagues, Ligen für die Schwarzen, die von der Königsklasse Major League Baseball zwar nicht offiziell ausgeschlossen waren, wegen des Gentleman Aggreements zwischen den Teambesitzern aber außen vor gelassen wurden.

Die Geschichte des Baseball: Von 1845 bis heute

Doch seit er 1943 das Amt des Managers bei den Brooklyn Dodgers, einem MLB-Team, übernommen hatte, reifte in Branch Rickey eine Idee, die sein Leben, das von Robinson und letztlich das ganze Land für immer verändern sollte. Er wollte schwarze Spieler aus den Negro Leagues verpflichten. Sie waren billig, sie waren gut.

Eine Operation im Geheimen

Und, das war ihm als Geschäftsmann besonders wichtig, sie ließen die Kassen nur so klingeln. Rickey wusste, was für ein Publikumsmagnet ein schwarzer Star bei der schwarzen Bevölkerung sein würde. Seine Interessen waren also nicht primär menschlicher Natur, sondern geschäftlicher.

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Also machte sich der 59-Jährige 1948 daran, seinen Plan umzusetzen. Er operierte dabei im Geheimen und sagte sogar seinen Scouts, er würde Spieler für eine neue Schwarzen-Liga suchen, da er wusste, was für ein gewaltiges Echo ihn erwarten würde. Mit seinen buschigen Augenbrauen, den Zigarren in der Rechten und der runden Brille sah er eher aus wie ein Tycoon der Tabak-Industrie als wie ein ehemaliger Baseball-Profi.

Dabei war er ein Pionier - und einer der Ersten, der auf modernstes Scouting setzte. Er ließ sich Portfolios kommen über die besten Spieler der Negro Leagues und holte sich Infos ein, wie es um deren Charakterstärke bestellt war. Als er von Robinsons Batting Average hörte, horchte er auf, als er von seiner Weigerung hörte, während der Army-Zeit den Busplatz zu wechseln, soll auf den Tisch gehauen und ausgerufen haben: "Das ist unser verdammter Mann!"

Auf der Suche nach Rückgrat

Denn Rickey wusste sehr wohl um die Anfeindungen, die seinem Spieler bevorstanden. Er suchte einen Spieler, der einerseits ein kompletter Baseball-Spieler war, andererseits aber ein Mann mit Rückgrat, der die Beleidigungen wegstecken konnte, ohne daran zu zerbrechen oder die Fassung zu verlieren.

Er ließ Robinson einfliegen und in sein New Yorker Büro kommen. "Warum ein Schwarzer", fragte Robinson. "Was für eine beschissene Frage", sagte Rickey. "Schwarz, gelb, grün oder rot; ich will Spieler, die etwas von Baseball verstehen. Verstehen sie etwas von Baseball?"

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