Olympia

Harutyunyan holt Bronze trotz Niederlage

SID

Freitag, 19.08.2016 | 20:05 Uhr

Artem Harutyunyan ließ den Kopf hängen und stieg frustriert aus dem Ring. Für den 26 Jahre alten Hamburger platzte bei den Olympischen Spielen in Rio der Traum von Gold. Nach der Niederlage gegen Lorenzo Sotomayor Collazo (Aserbaidschan) im Halbfinale muss sich der 26-Jährige mit Bronze begnügen.

Vor 500 Zuschauern erlitt Weltergewichtler Harutyunyan bereits in der ersten Runde einen Cut am linken Auge und wirkte daraufhin gehemmt. Zu selten zeigte er die Angriffsfreude, die ihn in die Vorschlussrunde gebracht hatte. Der 13 Zentimeter größere Lorenzo Sotomayor Collazo (Aserbaidschan) sammelte Treffer um Treffer und gewann alle drei Runden deutlich.

Der Neffe des kubanischen Hochsprung-Weltrekordlers Javier Sotomayor trifft Sonntag im Finale der Klasse bis 64 kg auf Fazliddin Gaibnazarow (Usbekistan). Neben Harutyunyan erhält auch der Russe Witali Dunaizew Bronze. Letztmals Gold gab es für deutsche Boxer bei Olympia 1992 in Barcelona durch Torsten May und Andreas Tews.

Bronze hatte Harutyunyan schon vor dem Kampf sicher, damit ist die Bilanz der deutschen Boxer bei Olympia halbwegs gerettet. Alle fünf weiteren deutschen Faustkämpfer waren zuvor jeweils schon in der ersten Runde ausgeschieden. Dem Deutschen Boxsport-Verband (DBV) drohte ein Debakel, doch dank der Medaille sind auch die Zielvereinbarungen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) erfüllt.

Harutyunyan boxt kommendes Jahr die Heim-WM

Harutyunyan gilt als bester deutscher Amateurboxer. Im vergangenen Jahr hatte sich der Hip-Hop-Fan in seiner Heimatstadt Hamburg den WM-Titel in der neu gegründeten Profi-Serie PBA des Amateur-Weltverbandes AIBA gesichert. Er tritt normalerweise im Ring sehr selbstbewusst auf und sucht ständig die Offensive.

Für den DBV ist das gute Abschneiden des Hamburger Jung besonders wichtig. Im kommenden Jahr finden in Hamburg die Weltmeisterschaften der Amateure statt. Mit Harutyunyan haben die Gastgeber nun einen hochdekorierten Vorzeige-Athleten, der im Vorfeld ordentlich die Werbetrommel rühren soll.

Harutyunyan hat sich in seinem Leben im wahrsten Sinne des Wortes durchgeboxt. Im Alter von einem Jahr kam er nach Deutschland, in den ersten sechs Jahren lebte seine Familie in einem Container. Sein Vater arbeitet heute noch als Taxifahrer. Auch Bruder Robert ist ein guter Amateurboxer, verpasste die Qualifikation für Rio aber knapp.

Der Normalausleger hat nie vergessen, wo er herkommt. Im vergangenen Jahr bot er mit seinem Bruder Flüchtlingen in Hamburg ein kostenloses Training an. "Ich weiß, wie es ist, wenn man in ein fremdes Land kommt. Das ist manchmal auch ziemlich langweilig. Dagegen will ich etwas tun", sagte Harutyunyan.

Nach dem Ende der Olympischen Spiele steht für den Boxer ein wichtiger privater Termin an. Er will seine Freundin Karina heiraten, die viel Sachverstand in die Ehe einbringt. Sie ist die Tochter des früheren Profi-Boxweltmeister Artur Grigorian.

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