Verrat am Olympischen Geist

Von Felix Götz

Montag, 22.08.2016 | 19:00 Uhr

Die Olympischen Spiele in Rio sind Geschichte. Die schlimmsten Befürchtungen haben sich nicht bestätigt. Dafür gab das IOC einmal mehr ein katastrophales Bild ab. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Felix Götz.

Es gab keinen Terroranschlag, es wurde während der Spiele nicht ein einziger Zika-Fall gemeldet, die ungeheure Polizei- und Militärpräsenz vermochte es sogar, zumindest in und um die Olympischen Sportstätten herum zum größten Teil vor Übergriffen durch irgendwelche Banden zu beschützen. Die schlimmsten Befürchtungen, die vor dem Großereignis gezeichnet wurden, haben sich nicht erfüllt.

Stattdessen ergab sich vor Ort das Bild von Wettkämpfen vor halbleeren Rängen, organisatorischem Chaos, mangelnder Hygiene und schlechtem Essen (wohlgemerkt ausschließlich im Olympia-Gebiet). Dazu kamen die ewig langen, anstrengenden Fahrten hin zu den Stadien und Hallen und wieder zurück, die Fans und Journalisten das Leben selten leicht gemacht haben.

Berücksichtigt man die aktuelle, hoch komplizierte politische Lage im Land, sind alle diese Dinge aber nichts weiter als Lappalien. Zumal die Brasilianer - krisenerprobt wie sie sind - die Probleme im wahrsten Sinne des Wortes einfach weggelächelt haben. Ihre Herzlichkeit macht es einem unmöglich, ihnen böse zu sein.

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Trotzdem bleibt festzuhalten: Für Rio selbst war Olympia eine Bürde mit immensen Kosten, die den ohnehin schon leeren Kassen vorerst den Rest gegeben haben. Während ähnlich wie in Sotschi auch in Rio tausende Menschen wegen Olympia vertrieben und umgesiedelt worden sein sollen, sind die Gewinner andere. Sponsoren, Bauunternehmer und das Internationale Olympische Komitee staubten Rekordgewinne ab.

IOC gibt katastrophales Bild ab

Apropos IOC. Der von Thomas Bach geführte Laden gab einmal mehr ein katastrophales Bild ab. Der Umgang mit den permanenten Doping- und Korruptionsvorwürfen war von Beginn an halbherzig. Wie wenig den Herren an Integrität gelegen ist, zeigte nicht nur das Prozedere mit der Zulassung der russischen Athleten.

Da wäre beispielsweise noch der Fall des IOC- und FIFA-Mitglieds Issa Hayatou. Der Kameruner wurde bereits vor Jahren der Bestechung überführt. Nach dem Fußball-Finale zwischen Deutschland und Brasilien nahm er im Maracana ganz ungeniert die Siegerehrung vor.

Oder der Fall Patrick Hickey. Der irische IOC-Funktionär wurde in Brasilien wegen des Verdachts des Schwarzhandels mit Tickets und der Gründung einer kriminellen Vereinigung verhaftet. Das IOC reagierte, in dem es dem zur Aufklärung des Falles beitragenden Journalisten kurzzeitig die Akkreditierung entzog.

Aber was will man erwarten? Eigentlich hat das IOC nur das gemacht, was viele seiner Mitglieder seit Jahren machen - den Olympischen Geist und Gedanken verraten.

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