Rekord! Dahlmeiers vierte Gold-Medaille

SID

Freitag, 17.02.2017 | 16:00 Uhr
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Schlussläuferin Laura Dahlmeier hat die deutsche Frauenstaffel bei der WM in Hochfilzen wie vor zwei Jahren zur Goldmedaille geführt und durch ihren vierten Titel in Tirol gleich zwei Rekorde aufgestellt.

Laura Dahlmeier lag völlig entkräftet auf einer Holzbank, das Gesicht von der neuerlichen Tortur schwer gezeichnet. Blutdruckabfall, niedriger Puls - ihr viertes WM-Gold mit der deutschen Frauenstaffel hatte die Biathlon-Rekordjägerin in Hochfilzen die letzten Kraftreserven gekostet. "Es geht nicht alles spurlos an mir vorbei. Ich habe auf der Schlussrunde wirklich alles gegeben", sagte Dahlmeier.

Nach ihrem zweiten Schwäche-Anfall binnen drei Tagen musste sich die 23-Jährige unter ärztlicher Beobachtung lange erholen, ehe sie zwei Stunden nach dem sensationellen Triumph in Österreich Entwarnung geben konnte. "Ich bin mir sicher, dass ich mich wieder richtig regeneriere", sagte Dahlmeier. Als Schlussläuferin hatte sie das deutsche Quartett in einem Kraftakt wie schon vor zwei Jahren zum Titel geführt und war einmal mehr über die Schmerzgrenze gegangen.

"Beim Umziehen habe ich dann gemerkt, dass es mit dem Blutdruck sehr schlecht aussieht - der war extrem im Keller. Das ist heute etwas viel gewesen", sagte Dahlmeier, für die sich die Quälerei aber gelohnt hatte: "Das war ein gigantischer Tag für uns, die Rekorde sind fantastisch. Vor allem will ich aber herausheben, dass wir eine super Staffel hatten."

Hinz: "Geh jetzt!"

Die Garmisch-Partenkirchnerin sicherte sich mit ihrer erneuten Energieleistung zwei weitere Rekorde, die sehr lange Bestand haben werden. Anschließend ging es ihr schnell deutlich schlechter und sie musste lange liegen, um wieder zu Kräften zu kommen. "Geh jetzt!", rief ihr Teamkollegin Vanessa Hinz kurz vor dem Start der Pressekonferenz energisch zu.

Dahlmeier ging anschließend sichtlich mitgenommen und mit blassem Gesicht mit dem Mannschaftsarzt in einen Nebenraum und legte sich hin, ihre Beine mussten dabei in die Luft gehalten werden. Ähnliches war ihr am Mittwoch nach dem Sieg im Einzel passiert, als sie hyperventilierte und ebenfalls behandelt werden musste. "Ich denke, dass es bis zum Massenstart wieder klappen wird", sagte Dahlmeier mit Blick auf das letzte WM-Rennen am Sonntag (ab 11.30 Uhr im LIVETICKER). Schließlich sei sie "ein zähes Luder", wie ihr Opa immer gesagt habe.

Am Abend bei der Siegerehrung sah es schon wieder viel besser aus: Dahlmeier verspritzte mit ihren Kolleginnen bestens gelaunt Sekt auf der Bühne, hüpfte wild herum und machte mit der Medaille um den Hals strahlend Selfies.

Gemeinsam mit Vanessa Hinz (Schliersee), Maren Hammerschmidt (Winterberg) und Franziska Hildebrand (Clausthal-Zellerfeld) gewann Dahlmeier (Partenkirchen) trotz dieser körperlichen Probleme nach 4x6 km und neun Nachladern eindrucksvoll vor der Ukraine und Frankreich. "Sie muss ein gewaltiges Pensum bewältigen, nicht nur was das Sportliche angeht. Sie hat mir bereits gestern gesagt, dass es mit dem Regenerieren etwas schwieriger ist als sonst", sagte Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig.

Zehn WM-Medaillen in Serie

Als erste Biathletin überhaupt holte die 23-jährige Dahlmeier saisonübergreifend zehn WM-Medaillen in Serie. Außerdem überflügelte sie Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner als erfolgreichste Deutsche bei einer WM. Neuner hatte 2011 dreimal Gold und zweimal Silber gewonnen - Dahlmeier hat in Hochfilzen bereits viermal Gold (Mixedstaffel, Staffel Verfolgung, Einzel) und einmal Silber (Sprint) abgeräumt. Und am Sonntag wartet im Massenstart noch eine weitere Chance auf Edelmetall.

Vieles deutete im Vorfeld auf einen deutschen Erfolg hin, schließlich hatte das DSV-Quartett in diesem Winter alle Staffelrennen gewonnen. Am Freitag bestritt Dahlmeier als Schlussläuferin zunächst ein einsames Rennen an der Spitze. Knapp zehn Sekunden betrug ihr Vorsprung beim Wechsel und es war klar: Würde sie ihre Normalform erreichen, wäre Gold so gut wie sicher. Doch Dahlmeier benötigte drei Ersatzpatronen und machte es noch einmal spannend. Es sollte dennoch reichen, im Ziel lag Deutschland 6,4 Sekunden nur vor der Ukraine und 8,1 vor Frankreich.

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