"Der Schorsch ist ein Verrückter"

Von Interview:
Benedikt Treuer

Freitag, 12.12.2014 | 15:29 Uhr
© spox
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Bayern-Fan, leidenschaftlicher Golfer und ein "cooler Hund": Rodel-Olympiasieger Felix Loch wahrt bei allem Erfolgsdruck stets die Lockerheit. In Sotschi war der 25-Jährige der gefeierte Held, im Weltcup sieht die Konkurrenz kein Land gegen ihn. Mit SPOX spricht Loch über seine beispiellose Nervenstärke, den unbeschreiblichen Georg Hackl und die neu ins Leben gerufene Sportlotterie. Zudem stellt er sich der öffentlichen Kritik, die sich gegen die Finanzierbarkeit des Rodelsports richtet.

SPOX: Herr Loch, Ihr Fußball-Herz schlägt für den FC Bayern. Woher stammt denn die Liebe zu den Roten?

Loch: Seit klein auf liebe ich den Fußball und bin schon immer ein großer Bayern-Fan gewesen. Wie in guten, so auch in schlechten Zeiten. Das geht manchmal ganz schön weit. Zwischen unseren Vorläufen bei Olympia habe ich beispielsweise in den Liveticker geschaltet, um zu erfahren, wie es beim FCB steht. Das gehört bei mir mit dazu, das war noch nie anders.

SPOX: Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Sie die Löwen nicht sonderlich mögen, oder?

Loch: Nicht mögen wäre verkehrt. Sagen wir es so: Sollte der FC Bayern mal wieder gegen 1860 spielen, kann es für mich keine zwei Meinungen geben. (lacht)

SPOX: Sie sind insgesamt sehr sportbegeistert. Im Juni gewannen Sie zum Beispiel gemeinsam mit Golfprofi Bernd Wiesberger das ProAm der BMW International Open. Was fasziniert Sie so am Golf?

Loch: Das Schöne am Golfen ist, dass man vollkommen abschalten kann beziehungsweise sogar muss, um diesen blöden, weißen Ball zu treffen. Es fordert große Konzentration und man muss seine Gedanken wirklich dabei haben. Für mich ist das ganz praktisch, schließlich ist es im Rodeln genauso.

SPOX: Ganz offensichtlich hilft es. Die letzte Saison verlief für Sie überragend, gerade mit dem Highlight Olympia in Sotschi. Was hat es Ihnen bedeutet, bei der Schlussfeier deutscher Fahnenträger zu sein?

Loch: Die Fahne an dem Abend für die deutsche Mannschaft ins Stadion zu tragen, war etwas ganz Besonderes. Das kann ich auch wirklich nur sehr schwer erklären. Wenn man in das Stadion einläuft und dort sitzen tausende Zuschauer - und zuhause vor den Fernsehern noch viele mehr - ist das natürlich ein geiles Gefühl. In dem Moment kamen noch einmal die ganzen Emotionen hoch. Ein solcher Abschluss nach zwei Goldmedaillen war einfach richtig cool.

SPOX: Hat Ihnen die Sommerpause geholfen, nach all dem Trubel wieder einen freien Kopf zu bekommen?

Loch: Die ersten Monate nach Olympia waren ein bisschen stressig. Seitdem wir im Juni wieder ins Training eingestiegen sind, gibt es wieder einen geregelten Tagesablauf und alles hat sich normalisiert. Es gehört aber zum Erfolg mit dazu, dass ein gewisses Interesse da ist. Ich sage immer: Im Prinzip müsste ich nur langsamer rodeln, dann wäre meine ganze Situation ruhiger. Das wäre das Einfachste.

SPOX: Was Sie natürlich nicht wollen...

Loch: Eben. Es wäre ja schlimm, wenn es anders wäre. Das Drumherum gehört ganz normal mit dazu und stört mich nicht.

SPOX: Ändert sich etwas an der eigenen Persönlichkeit, wenn man Olympisches Gold gewinnt? Sie haben es ja nun über die Jahre schon bei zwei Titelkämpfen erlebt.

Loch: Nein, auf gar keinen Fall. Es ist sicherlich immer wieder etwas Außergewöhnliches. Es gibt wohl sehr wenige Sportler, die das schaffen, vor allem auch eine zweite Goldmedaille zu holen. Das Gefühl ist ein ganz besonderes und wirklich schön, aber es rüttelt nicht am Charakter.

SPOX: Ist man, wenn man erst mal eine Goldmedaille um den Hals hat, bei den nachfolgenden Wettkämpfen selbstbewusster und lockerer?

Loch: Das würde ich nicht so sagen. Meine erste Medaille hatte mit der zweiten und dritten eigentlich gar nichts zu tun. Das Selbstvertrauen holt man sich im vorigen Weltcup. Wenn man gut drauf ist und gutes Material hat, spielt das, was vier Jahre vorher passiert ist, gar keine Rolle.

SPOX: Sie sind gerade einmal 25 und haben unter anderem schon je drei olympische Goldmedaillen und Gesamtweltcupsiege abgeräumt. Gibt es ein Ziel, das Sie sich für Ihre Laufbahn noch gesteckt haben?

Loch: Das Ziel ist stets, am Ende der Saison ganz oben zu stehen, auch wenn das nicht immer klappen kann. Ich werde auf jeden Fall nicht müde und möchte auch in den nächsten Jahren die Weltspitze weiter mitbestimmen.

SPOX: Ihre Erfolge führen zwangsläufig zu einer gestiegenen Erwartungshaltung. Macht Ihnen dieser Erfolgsdruck gar nichts aus?

Loch: Überhaupt nicht. Ich glaube, ich kann mit allem, was von außen kommt, sehr gut umgehen. Darüber mache ich mir vor dem Rennen keine Gedanken, am Start schon gar nicht. Den einzigen Druck, den ich zulasse, mache ich mir selbst, da ich zwei beziehungsweise vier perfekte Läufe hinlegen will. Bisher hat das glücklicherweise ganz gut geklappt.

SPOX: Georg Hackl nannte Sie in diesem Zusammenhang einen "coolen Hund". Würden Sie das so unterschreiben?

Loch: Ja, wenn er das so sagt, dann natürlich gern. Er kennt mich jetzt schon ein paar Jahre und wenn er mich so einschätzt, dann wird er schon nicht Unrecht haben. (lacht)

SPOX: Nimmt er Ihnen den Erfolg eigentlich übel? Schließlich sind Sie auf dem besten Weg, ihn titeltechnisch zu überholen.

Loch: Ein bisschen gestichelt wird natürlich schon. Der Schorsch hat den Rodelsport zu seiner Zeit dominiert, dort seine Fußstapfen hinterlassen und genauso versuche ich das jetzt. Ich überlege aber nicht, wie ich seine Erfolge erreiche, sondern will meinen eigenen Weg gehen.

Seite 1: Loch über Sportinteressen, Olympia und Erwartungen

Seite 2: Loch über Hackl und die Sportlotterie

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