"Ich möchte Darts vorantreiben"

Von Adrian Fink

Mittwoch, 24.08.2016 | 11:33 Uhr
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Max Hopp ist DIE Nachwuchshoffnung des deutschen Darts. Neben seiner aktiven Karriere kommentiert der 20-Jährige gemeinsam mit Elmar Paulke auf DAZN. Vor dem Auftakt der Perth Darts Masters am Donnerstag (13 Uhr Live auf DAZN) sprach Deutschlands bester Darts-Spieler mit SPOX über dubiose Manager, das Selbstvertrauen von van Gerwen und die Darts-Legende Phil Tayor.

SPOX: Herr Hopp, Sie haben bei den Sydney Darts Masters Ihr DAZN-Debüt als Co-Kommentator von Elmar Paulke gegeben. Wie liefen die ersten Tage?

Max Hopp: Elmar und ich kennen uns schon lange und wir ergänzen uns super. Phasenweise haben wir uns vor Freude fast nur angeschrien, weil so viele überragende Spiele dabei waren. Ich könnte mir durchaus vorstellen, als Sportmoderator zu arbeiten, aber derzeit steht meine aktive Karriere natürlich im Fokus.

Das Darts-Programm auf DAZN: Hier geht's zur Übersicht

SPOX: Sie haben Ihre Karriere vielversprechend begonnen und sind 2015 Jugend-Weltmeister geworden. Welche Bedeutung hat dieser Titel für Sie?

Hopp: Ich bin von der Bühne gerannt und habe meine Freundin und meinen Vater in den Arm genommen - dieses Gefühl ist unbezahlbar. Das war der glücklichste Moment in meinem Leben.

SPOX: Michael Smith, der diesen Titel 2013 gewinnen konnte, hat sich mittlerweile in den Top 10 etabliert. Ist bei Ihnen eine ähnliche Entwicklung realistisch?

Hopp: Ich halte mich seit einem Jahr ziemlich konstant auf Platz 45 der Order of Merit, aber in der zweiten Saisonhälfte will ich richtig angreifen. Ich bin beim Grand Slam of Darts dabei, kann mich noch für den Grandprix qualifizieren und für die Players Championship Finals bin ich auch in einer guten Position. Das sind TV-Turniere, bei denen ich mit guten Auftritten Sprünge schaffen kann. Ich habe zwar keinen konkreten Karriereplan, aber der nächste Schritt ist definitiv die Top 32.

Interview mit Elmar Paulke: "Max hat Voraussetzung für die Top10"

SPOX: An dieser Schwelle sind bereits einige Spieler gescheitert. Was macht diesen Schritt so schwierig?

Hopp: Man ist immer auf Achse, muss viele Turniere spielen und auf der Pro Tour und der European Tour regelmäßig gute Leistungen zeigen. 2016 war ich schon 35 Mal in München und zehn bis 15 Mal in Berlin - im September bin ich den ganzen Monat nur zwei Tage daheim. Diese freien Tage muss man bestmöglich mit Freunden und der Familie nutzen. Ich kann bei Lasertag super abschalten.

SPOX: Wie schaffen Sie es, trotz der vielen Reisen ausreichend zu trainieren?

Hopp: Ich habe ein On-Tour-Board, das ich an jeder Tür befestigen kann und ein Darts-Mobil. Das ist ein Darts-Ständer, den ich zum Beispiel mal in Calais an der Fähre aufgebaut habe. Das Ambiente war überwältigend und ich habe ein Bild davon auf Facebook gepostet, das BBC tagelang gezeigt hat. Wenn es sich ergibt, trainiere ich auch im Flughafen.

SPOX: Werden die Darts nicht bei der Sicherheits-Kontrolle abgenommen?

Hopp: Ich kann meine Spitzen von meinen Pfeilen abschrauben. Die Spitzen nehme ich immer in der Jackeninnentasche mit und die Darts selbst lege ich zu meinem On-Tour-Board. Das wird alles nacheinander gescannt und geht durch. Dann suche ich mir im Gate eine Tür und hänge dort die Scheibe auf. Die anderen Passagiereschauen etwas überrascht, aber ich muss die Zeit zum Trainieren nutzen.

SPOX: Wie läuft das Training eines Darts-Profis ab?

Hopp: Es gibt verschiedene Systeme. Um mein Scoring zu verbessern, spiele ich gerne 10.001 double-out. Das muss man erstmal auf null bringen. (lacht) Oder ich werfe eine halbe Stunde lang nur auf Bull und höre erst auf, wenn ich es 50 Mal getroffen habe. Wenn ich meine Doppel-Quote trainieren will, spiele ich 'catch me'.

SPOX: Wie funktioniert das?

Hopp: Ein Spieler startet bei der Doppel 19, der andere bei der Doppel 1. Trifft man ein Doppel, rutscht man im Uhrzeigersinn ein Feld weiter. Gewonnen hat der Spieler, der den anderen zuerst einfängt. Erst am Ende merkst du, wie viele Doppel du eigentlich getroffen hast.

SPOX: Wie viele Stunden investieren Sie täglich?

Hopp: Bei Showevents sind es inklusive Moderation bis zu sieben Stunden, das ist in gewisser Hinsicht auch Training. Wenn kein großes Turnier bevorsteht, begrenzt sich das auch Mal auf eine Stunde, normalerweise sind es aber rund vier Stunden, die ich in zwei Sessions aufteile. Da ich kein Management habe, muss ich in der restlichen Zeit mit Social Media, Mails und Steuern viel Papierarbeit erledigen. Meine Freundin und andere Freunde unterstützen mich dabei.

SPOX: Warum nehmen Sie sich dafür keinen Manager?

Hopp: Ich habe viele schlechte Erfahrungen mit professionellen Managern gemacht.

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SPOX: Zum Beispiel?

Hopp: Als ich 18 Jahre alt war, habe ich von einem 'Manager', den ich nicht namentlich nennen will, eine Anfrage erhalten. Nach längerem E-Mail-Kontakt bin ich nach England geflogen, um ihn zu treffen. Dann wurde es immer mysteriöser. Während der Fahrt vom Flughafen zum Hotel hat der Fahrer mehrere Anrufe bekommen und komische Nachfragen gestellt, ob ich etwas brauche oder ich mich nicht wohl fühle. Nach der Ankunft wurde es noch merkwürdiger.

SPOX: Inwiefern?

Hopp: Ich wurde von Unterleuten empfangen, die kurz ein Foto gemacht haben, sofort um die Ecke geflitzt und mit einer schwarzen Limousine weggefahren sind. Mit etwas mulmigem Gefühl habe ich endlich den vermeintlichen Manger getroffen. Während der Verhandlungen sind bekannte Hollywood-Schauspieler und Profi-Sportler aufgetaucht und haben sich einfach dazu gesetzt. Das war wie in einem schlechten Film. Sie haben mir dann von Hand-Augen-Koordination erzählt.

SPOX: Klingt verlockend für einen Darts-Profi ...

Hopp: Das war wie Musik in meinen Ohren. Ich dachte wirklich, dieses Team könnte vielleicht fünf Prozent meines Spiels verbessern. Dazu haben sie mir eine nicht unerhebliche Summe X angeboten. Ich war kurz davor zu unterschreiben.

SPOX: Aber?

Hopp: Als ich auf dem Hotelzimmer über alles nachgedacht habe, wurde ich misstrauisch, weil diese Person nie Ihren Nachnamen Preis gegeben hat. Nach intensiver Recherche habe ich herausgefunden, dass es eine Betrugsmasche war und sie mich auf der Bühne gerne so gesteuert hätten, wie es ihnen passt. An diesem 'Manager' war nicht nur die Polizei dran, sondern auch Undercover-Agenten. Mittlerweile war er sogar schon im Gefängnis.

SPOX: Haben Sie solche Geschichten als Jugendlicher häufiger erlebt?

Hopp: Ich wurde mit 16 ständig unterschätzt und viele Leute wollten nur den maximalen Profit aus mir schlagen. Deshalb bin ich meinen eigenen Weg gegangen und mittlerweile habe ich auch den Willen entwickelt, es alleine nach oben zu schaffen.

SPOX: Wie schwierig ist es, ohne Management Sponsoren zu generieren?

Hopp: Da hatte ich nie Probleme, mit zwei meiner drei Sponsoren arbeite ich schon seit fünf Jahren zusammen. Allerdings wird bei mir nur die Hälfte der Reisekosten vom Sponsor gedeckt. Scheide ich in der ersten Runde aus, gibt es auch Events, bei denen ich finanziell Verlust mache.

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