"Daraus mache ich kein Extra-Drama"

Von Felix Götz

Montag, 23.01.2017 | 01:49 Uhr
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Nach dem Aus im WM-Achtelfinale gegen Katar herrscht beim DHB-Team tiefe Enttäuschung. Dagur Sigurdsson spricht im Interview über die Gründe für die Niederlage, seine eigenen Fehler und das Ende seiner Zeit als Bundestrainer.

Frage: Herr Sigurdsson, wie fällt Ihr Fazit nach der Niederlage gegen Katar aus.

Dagur Sigurdsson: Erst einmal möchte ich Katar zum Sieg gratulieren, sie haben ihre Sache gut gemacht. Speziell auch Trainer Valero Rivera. Wir sind natürlich unglaublich enttäuscht, es ist ein riesiger Schock für uns.

Frage: Was waren die Gründe für das Ausscheiden?

Sigurdsson: Wir lagen das ganze Spiel über in Führung, Mitte der zweiten Halbzeit sogar mit vier Toren. Da hatten wir die Partie eigentlich im Griff. Aber dann haben wir einfach zu viele Fehler gemacht, um dieses Spiel zu gewinnen. Auch ich habe Fehler gemacht.

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Frage: Welche Fehler kreiden Sie sich an?

Sigurdsson: Nach so einem Spiel schaut man immer erst einmal auf sich selbst und fragt sich, was man hätte besser machen können. Vor dem letzten Angriff hätte ich vielleicht eine Auszeit nehmen sollen. Aber wir hatten drei Spieler draußen, die dann zum Angriff gelaufen sind. Ich konnte ihnen also auch ohne Auszeit sagen, was sie spielen sollen. Außerdem dachte ich mir in dem Moment, dass ich Katar nicht die Möglichkeit geben will, sich zu ordnen und ihre Spieler für die Abwehr einzuwechseln. So ist da Leben.

Frage: Im Angriff hatte man nie den Eindruck, dass ein Rhythmus ins Spiel gekommen ist. Warum war das so?

Sigurdsson: Es war kein Katastrophen-Spiel von unserer Seite, aber auch kein gutes Spiel. Auch Katar hat kein super Spiel gemacht, obwohl sie natürlich immer eine gefährliche Mannschaft sind. Aber sie gingen einmal in Führung und das zum genau richtigen Zeitpunkt. Sie haben am Anfang offensiv gedeckt, was wir sehr gut gelöst haben. Als Katar aber auf eine 6:0-Abwehr umgestellt hat, waren wir zu statisch und zu ängstlich. Das lag auch am Torhüter.

Frage: Wie meinen Sie das?

Sigurdsson: Danijel Saric war einfach überragend, auch Andreas Wolff war natürlich sehr gut. Aber Saric hat uns wirklich den Zahn gezogen, wir haben den Mut verloren. Holger Glandorf kam zwar mit sehr viel Mut. Letztlich waren es aber einfach zu wenige Spieler, die gut drauf waren.

Frage: Dennoch sind manch andere Spieler kaum eingesetzt worden. Steffen Fäth machte beispielsweise einen verunsicherten Eindruck. Warum haben Sie trotzdem bis zum Ende an ihm festgehalten?

Sigurdsson: Er hat meiner Meinung nach auch sehr gute Aktionen gehabt und insgesamt ein starkes Turnier gespielt.

Frage: Hat der eine oder andere Spieler die Partie auf die leichte Schulter genommen und schon voraus an ein mögliches Halbfinale gedacht?

Sigurdsson: Wenn man bei den vergangenen Turnieren immer im Halbfinale war, geht der Blick manchmal vielleicht tatsächlich voraus. Ich denke schon, dass der eine oder andere den Kopf schon in Richtung Ende des Turnieres hatte. Das muss man ehrlich sagen. Natürlich wollten alle, auch die Konzentration war da. Es wäre zu leicht zu sagen, es habe nur daran gelegen. Wir hatten nicht genügend handballerische Lösungen, waren einfach nicht gut genug.

Frage: Dabei hatten gerade Sie in der Vergangenheit fast immer eine Lösung. Auch gegen Katar wurde viel versucht. Mal spielten Sie mit zwei Linkshändern, mal mit zwei Kreisläufern. Gab es irgendwann mal den Moment, als Ihnen die Ideen ausgegangen sind?

Sigurdsson: Es war ja wie gesagt alles okay bis Mitte der zweiten Halbzeit. Dann kamen ein paar unglückliche Entscheidungen dazu, in denen wir ein oder zwei Siebenmeter haben wollten.

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Frage: Was sagen Sie zu den Schiedsrichtern insgesamt?

Sigurdsson: Ich sage nichts zu den Schiedsrichtern.

Frage: Ihre Zeit als Bundestrainer ist nun zu Ende. Ist diese Niederlage die größte Enttäuschung Ihrer Zeit beim DHB?

Sigurdsson: Ja, das ist mit Abstand die größte Enttäuschung. Wir hatten uns alle mehr vorgenommen. Auch, weil wir eine gute Vorbereitung hatten und in der Gruppenphase sehr gut waren. Wir waren richtig gut drauf.

Frage: Wie bitter ist es, dass Sie nach all den Erfolgen nun auf diese Art und Weise gehen müssen.

Sigurdsson: Aus dieser Tatsache mache ich kein Extra-Drama. Wir müssen alle unsere Köpfe oben behalten. Wir hatten ein großartiges Jahr 2016, manchmal geht es eben in die andere Richtung.

Frage: Wirft diese Niederlage den deutschen Handball auch insgesamt zurück?

Sigurdsson: Man muss sich keine großen Sorgen machen. Aber die Lage im Welthandball ist mittlerweile so, dass es zehn bis 15 Mannschaften gibt, die alle schlagen können. Schauen Sie sich beispielsweise Ungarn an, das Dänemark rausgeworfen hat.

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