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Nizzas Allan Saint-Maximin: Gucci auf dem Kopf und das Zocker-Gen in den Beinen

Von Daniel Nutz

Allan Saint-Maximin ist ein Exzentriker mit exzellenten Anlagen. Einst in Hannover gescheitert, könnte im Sommer der Wechsel zu einem Top-Klub folgen.

Cote d'Azur, Nizza, März 2018: Mario Balotelli schlendert vor dem Training durch die Kabine des Olympique Gymnaste Club - kurz OGC. Während sich die Profis schon für die anstehende Einheit vorbereiten, rennt der Italiener mit seinem Smartphone durch den Raum.

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Instagram-Stories posten, das ist eine von Balotellis Lieblingsbeschäftigung in der Freizeit. Auch an jenem Tag im März schickt er Aufnahmen in die Welt hinaus. "Vergesst dieses Gesicht nicht", sagt er über einen seiner Teamkollegen. "In zwei Jahren wird man ihn bei Real Madrid sehen."

Dem jungen Mann ist das sichtlich unangenehm, dennoch schiebt Balotelli ein weiteres Mal nach, dass die Welt sich dieses Gesicht merken solle. Dabei handelte es sich um Allan Saint-Maximin - vielen in Deutschland bekannt aus seiner wenig erfolgreichen Zeit bei Hannover 96.

Saint-Maximin stieg mit Hannover aus der Bundesliga ab

Dass Balotelli seine Mitspieler gerne auch einmal auf den Arm nimmt, ist nichts Neues. In diesem Fall ist es jedoch anders, der 36-fache Nationalspieler meint es ernst. Doch wie kam es dazu, dass aus einem Talent, das bei Hannover in der Abstiegssaison 2015/16 nur einmal den Sprung in die Bundesliga-Startelf schaffte, ein Mann für die Top-Klubs Europas wurde?

Saint-Maximin wuchs in der Umgebung von Paris auf. Schon früh war erkennbar, dass er mehr Talent besitzt als die meisten Jungen in seinem Alter. Kurz vor seinem 14. Geburtstag schloss er sich schließlich der Akademie von Rekordmeister AS Saint-Etienne an.

Dort unterschrieb er im Juli 2013 als 16-Jähriger dann auch seinen ersten Profivertrag. Wenige Wochen später feierte er sein Debüt, er durfte in der Qualifikation für die Europa League ran und wurde mit 16 Jahren, fünf Monaten und 17 Tagen zum jüngsten Spieler des Klubs in einem europäischen Wettbewerb.

Drei Tage später debütierte er in der Ligue 1, in der Folgezeit kam er immer wieder zu Kurzeinsätzen. Durch seine Leistungen in der darauffolgenden Saison machte er die AS Monaco, welche für ihr Gespür für junge Talente bekannt ist, auf sich aufmerksam.

Allan Saint-Maximin im Steckbrief

NameAllan Irénée Saint-Maximin
Alter22
Größe1,73 Meter
NationalitätFrankreich, Guadeloupe
Starker Fußrechts
PositionRechtsaußen
Bisherige VereineAS St.-Etienne, AS Monaco, Hannover 96, SC Bastia, OGC Nizza

Monaco holt Saint-Maximin für Millionensumme - und verleiht ihn

Fünf Millionen Euro überwiesen die Monegassen an Saint-Etienne, verliehen Saint-Maximin aber sofort für ein Jahr in die Bundesliga nach Hannover. "Allan Saint-Maximin ist ein hochveranlagter Offensivspieler, der mit selbstbewussten Auftritten beim AS Saint-Etienne auf sich aufmerksam gemacht hat", erklärte der damalige 96-Sportdirektor Dirk Dufner. "Wir freuen uns, dass wir ihn nach konstruktiven Gesprächen mit Monaco leihen können und wir einen weiteren ambitionierten, jungen Spieler bekommen."

Von Erfolg war die Leihe letztlich nicht gekrönt. Hannover stieg aus der Bundesliga ab, Saint-Maximin, der als 18-Jähriger nach Deutschland ging, kam in seinen 18 Einsätzen ganze 16-mal von der Bank. Mehr als ein Tor sprang dabei nicht heraus.

Zudem fiel er gegen Ende der Saison neben dem Platz negativ auf, als er ohne gültigen Führerschein der Stadtbahn die Vorfahrt nahm und einen Mann leicht verletzte.

"Wir sind über den Vorfall informiert, warten die Ermittlungen der Polizei ab", erklärte Michael Bader, zu dieser Zeit Geschäftsführer der Niedersachsen. Saint-Maximin sollte danach kein Spiel mehr für den Klub machen.

Auch deshalb verwunderte es nicht, dass der Klub aus dem Fürstentum nach seiner Rückkehr noch keine Verwendung für ihn hatte. Es folgte eine zweite Leihe, diesmal innerhalb der Liga zum SC Bastia. Dort lief es besser als in Deutschland. Saint-Maximin war Stammspieler, er wusste durchaus zu überzeugen und war an sechs Toren beteiligt.

Vor allem Lucien Favre sah sein Potenzial und wollte ihn unbedingt aus Monaco loseisen. Zehn Millionen Euro machte der OGC Nizza letztlich locker.

Lucien Favre gut für Saint-Maximins Entwicklung

"Die ganzen Erfahrungen, die ich gesammelt habe, haben mir etwas gebracht", erklärte der Franzose damals. "Ich habe viel gelernt und bin erwachsen geworden, seitdem meine zwei kleinen Mädchen da sind. Für mich ist das ein Neustart."

Favre brachte den mittlerweile 22-Jährigen dazu, sein Potenzial nach und nach voll auszuschöpfen. Der Balotelli-Kumpel verfügt über eine herausragende Schnelligkeit und Technik, ist ein Spieler, der auffällig oft die Eins-gegen-Eins-Situation sucht.

In der laufenden Saison ist nach Opta-Daten kein Spieler in den fünf Top-Ligen Europas häufiger ins Dribbling gegangen als Saint-Maximin (266-mal), nur zwei Profis waren dabei erfolgreicher als er: Sofiane Boufal von Celta Vigo und Chelseas Eden Hazard. Saint-Maximin ist ein Zocker auf dem Fußballplatz.

Milan-Wechsel von Saint-Maximin scheiterte im Winter

Kein Wunder, dass Berichten zufolge bereits einige Klubs die Fühler nach ihm ausgestreckt haben. Im vergangenen Winter stand ein Wechsel zum AC Mailand im Raum. Die Rossoneri wollten ihn mit Kaufoption ausleihen, Nizza bestand bei einem Transfer jedoch auf einen sofortigen Wechsel.

"Es ist definitiv ein großartiger Klub", sagte Saint-Maximin darauf angesprochen vor wenigen Tagen bei Gazzetta TV. "Im Winter hatte ich die Möglichkeit, nach Mailand zu gehen. Das ging aber nicht durch. Wir werden sehen, ob es diesen Sommer klappt."

Die Bild brachte den Angreifer im Laufe der Rückrunde auch mit Borussia Dortmund in Verbindung. In der laufenden Saison war Saint-Maximin in 32 Ligaspielen an zehn Toren beteiligt.

Exzentrischer Profi: Saint-Maximin zeigt seinen Luxus

Der 1,73-Meter-Mann macht kein Geheimnis daraus, dass es seiner Meinung nach Zeit für den nächsten Schritt ist: "Ich fühle mich auf jeden Fall bereit, zu einem prestigeträchtigeren Team zu wechseln", stellte er zuletzt klar. 30 bis 35 Millionen Euro müsste sein neuer Klub wohl auf den Tisch legen.

Auch wenn Saint-Maximin gut mit Balotelli befreundet ist, das Enfant Terrible, welches der mittlerweile 28-jährige Stürmer vor allem in den frühen Jahren seiner Karriere war, ist Saint-Maximin nicht.

Auffallen tut er trotzdem, sei es mit seiner teilweise spektakulären Spielweise oder aber durch Handlungen abseits des Sports. Seine Social-Media-Accounts zeigen teilweise einen Exzentriker, der sein luxuriöses Leben nicht verheimlicht.

Seine blondierten Dreadlocks hält er während des Spiels gerne mit einem Stirnband im Zaum - seit Januar dieses Jahres mit einem der Luxusmarke 'Gucci'. Auch wenn er - womöglich aus rechtlichen Gründen - den Markennamen mit einem Tape abdeckt, scheint die Bedeutung für ihn über den Nutzen hinauszugehen.

"Könnt ihr mein Stirnband im Spiel ergänzen?", schrieb er ein paar Tage nach seinem ersten Auftritt damit an die Entwickler der Fußballsimulation 'FIFA' und hoffte auf eine Implementierung im Videospiel.

Während sich über derartige Aktionen sicherlich diskutieren lässt, sind seine fußballerischen Anlagen unbestritten. Mehr als ein Jahr ist seit Balotellis Aussage nun vergangen und Saint-Maximin scheint tatsächlich auf dem Weg zu einem Top-Klub zu sein.

Ob es sich dabei schon um die Königlichen aus Madrid handeln wird, sei dahingestellt, aber der nächste Schritt auf diesem Weg könnte im Sommer folgen.

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