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Exequiel Palacios von River Plate: Alle Wege führen nach Madrid

Von Kerry Hau

© getty

Exequiel Palacios ist eines der heißesten Eisen im argentinischen Fußball. Am Sonntag spielt das Mittelfeld-Juwel im Estadio Santiago Bernabeu mit River Plate gegen die Boca Juniors nicht nur um den Gewinn der Copa Libertadores (ab 20.30 Uhr live auf DAZN), sondern auch bei seinem möglicherweise zukünftigen Arbeitgeber vor. Real Madrid hat beste Chancen im Tauziehen um den 20-Jährigen, der von einem deutschen Nationalspieler lernt.

Als Alejandro Dominguez, das Oberhaupt des südamerikanischen Kontinentalverbandes Conmebol, vor zwei Wochen händeringend nach einem neuen Austragungsort für das wegen diverser Gewaltexzesse abgebrochene Rückspiel des Copa-Libertadores-Finals suchte, zögerte Florentino Perez nicht lange.

Der Präsident von Real Madrid bot Dominguez in einem Telefongespräch an, den Superclasico zwischen River Plate und den Boca Juniors am 9. Dezember kurzerhand nach Europa zu verlegen. Nach Madrid. Ins altehrwürdige Estadio Santiago Bernabeu.

Dominguez zeigte sich von der Idee begeistert und innerhalb von fünf Minuten war die Sache klar: Das Duell der verhassten Erzrivalen steigt in der spanischen Hauptstadt. "Herr Perez verlangte nicht einmal Geld dafür", berichtete Dominguez nach der offiziellen Bekanntgabe der Spielortverlegung.

Palacios-Berater: Auch Wolfsburg hat angerufen

Dem Real-Boss ist es einerseits aus Marketinggründen ein wichtiges Anliegen, das größte Spiel Südamerikas in "seinem" Tempel auszutragen. Auf der anderen Seite muss er selbst keine weite Reise auf sich nehmen, um den Transfer von Exequiel Palacios einzutüten.

Palacios ist so etwas wie der "player to watch" an diesem Sonntag. Der 20-jährige Rechtsfuß zieht die Fäden im zentralen Mittelfeld von River Plate. Halb Europa jagt ihn inzwischen. Zu seinen Verehrern zählt auch ein Bundesligist. "Mich haben zuletzt sehr viele Klubs aus Europa angerufen. Barca, Inter, Rom, Wolfsburg", verriet Palacios' Berater Renato Corsi zu Beginn der Woche in der spanischen Sportzeitung AS.

Am weitesten fortgeschritten seien allerdings die Verhandlungen mit den Königlichen. "Sie bemühen sich schon seit vielen Monaten um meinen Klienten", sagte Corsi.

Real und River einig - finale Gespräche nach Superclasico

Nach Informationen von SPOX und Goal besteht sogar bereits eine Einigung zwischen Real und River. 25 Millionen Euro Ablöse winken den Argentiniern für ihr größtes Talent. Finale Gespräche, das betonte auch Corsi, sollen aber erst nach dem Finale geführt werden. Wenn alles glatt läuft, könnte Palacios bereits im Januar, spätestens im Juli zum Champions-League-Sieger stoßen.

"Ich schaue mir sehr viele Spiele der spanischen und italienischen Liga an", verriet Palacios erst Ende August im Exklusiv-Interview mit Goal, es wäre "etwas Wunderbares" für ihn, "eines Tages in Europa zu spielen". Im Frühjahr 2017 hatte sich der Jungspund noch gegen einen Wechsel nach Europa entschieden.

Der italienische Erstligist FC Turin wollte ihn damals verpflichten, Palacios aber verlängerte seinen Vertrag in Buenos Aires bis 2021. "Ich war noch nicht so weit. Der Schritt in die Serie A wäre zu früh gekommen", sagte er rückblickend.

Lob für Palacios: "Der Beste der argentinischen Liga"

Dass er sich etwas mehr als eineinhalb Jahre später bereit fühlt für die große Bühne, liegt vor allem an Marcelo Gallardo. Unter dem River-Coach entwickelte sich das unerfahrene Eigengewächs zum unverzichtbaren Stammspieler, verdrängte mit Enzo Perez zeitweise einen gestandenen Nationalspieler aus der Startelf.

Für die Teilnahme an der WM reichte es zwar noch nicht, nach dem Debakel von Lionel Messi und Co. in Russland kam er aber schnell zu seinem A-Länderspieldebüt. Für die meisten Experten zählt der 1,70-Meter-Mann zu den verheißungsvollsten Kickern des Landes, Ex-Nationalspieler Oscar Ruggeri sieht in ihm sogar "den besten Spieler, den wir momentan in der argentinischen Liga haben".

Er könne "ein ganz Großer" werden, erzählte Ruggeri dem Radiosender Onda Cero, "wenn er beide Füße auf dem Boden behält". Danach sieht es aus. Zumindest trichtern ihm seine Eltern - Palacios wohnt noch zu Hause - und sein Trainer die nötige Disziplin ein. "Er macht es gut, keine Frage. Aber er ist erst 20 und muss noch viel lernen", findet Gallardo.

Palacios eifert Kroos und Modric nach

Palacios, Jahrgang 1998, ist ein typischer Box-to-Box-Spieler: ballsicher, zweikampfstark und mit Zug zum Tor. 2015 bestritt er seine erste Partie als Profi, seitdem kamen 37 weitere hinzu, in denen er neun Scorerpunkte sammelte (vier Tore, fünf Vorlagen).

"Mir gefällt das einfache Spiel. Ich spiele den Ball gerne direkt mit dem ersten oder zweiten Kontakt weiter, immer mit dem Ziel, meine Mitspieler vor dem Tor einzusetzen", sagt Palacios. Dabei orientiere er sich vor allem an zwei Real-Stars: Toni Kroos und Luka Modric. "Ich sehe mir viele Videos von ihnen an, generell gefallen mir gute Mittelfeldspieler, die nach vorne und hinten arbeiten."

Palacios konnte sich offenbar so viel von seinen Vorbildern abschauen, dass die Madrilenen ihm mittlerweile zutrauen, in deren Fußstapfen zu treten. Allen voran für Modric braucht Real alsbald einen Nachfolger, der Weltfußballer aus Kroatien wird nächstes Jahr 34 und der an den FC Chelsea verliehene Mateo Kovacic kehrt aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr zurück.

Vinicius, Rodrygo und Co.: Real schielt nach Südamerika

Reals Vorliebe für südamerikanische Hoffnungsträgern ist kein Novum. Juni Calafat, der Chefscout des spanischen Rekordmeisters, kommt aus Brasilien und streckt seine Fühler insbesondere in sein Heimatland aus. Für Vinicius Junior (18, Flügelstürmer von Flamengo Rio de Janeiro) und Rodrygo (17, Mittelstürmer vom FC Santos) investierte der Klub rund 90 Millionen Euro.

An der Concha Espina hoffen sie dass das Offensiv-Duo eine ähnliche Erfolgsstory wie Defensivstratege Casemiro schreibt, den Calafat einst beim FC Sao Paulo entdeckt und zum Schnäppchenpreis von sechs Millionen Euro nach Madrid gelotst hatte. Während Vinicius schon vornehmlich für Reals Reserve zum Einsatz kommt, soll Rodrygo zur neuen Saison zu den Blancos stoßen.

Auf dem argentinischen Markt schloss der Verein in der Vergangenheit ebenfalls erfolgreiche "Exportgeschäfte" ab. Das erfolgreichste in den fünfziger Jahren mit Alfredo di Stefano, der das Team zu fünf Europapokalsiegen in Folge führte und so erst den Mythos Real begründete.

Real schnappte sich neben Esteban Cambiasso und Gonzalo Higuain einst auch einen gewissen Santiago Solari. Allerdings war Reals heutiger Cheftrainer 1999 erst von River Plate zu Atletico Madrid gewechselt, bis ihn ein Jahr später der Stadtrivale verpflichtete. Ein Transfer über Umwege soll - geht es zumindest nach Florentino Perez - bei Palacios vermieden werden.

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