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Eintracht Frankfurt verzückt Europa League: Warum nicht träumen?

Von Kerry Hau

Eintracht Frankfurt wahrt mit dem Einzug ins Viertelfinale der Europa League die Ehre der krisengeplagten Bundesliga. Vielmehr dient der Triumph über Inter Mailand aber als Beleg dafür, dass die Hessen zum ganz großen Wurf fähig sind - vorausgesetzt, sie stehen sich nicht selbst im Weg.

Benfica Lissabon. Es gab Zeiten, da wären die Fans der Eintracht schon vor Freude jauchzend umhergesprungen, hätte sich diese Mannschaft nur für einen lauen Freundschaftskick vor dem Saisonstart im Waldstadion blicken lassen.

Dass diese Mannschaft nun der Frankfuter Gegner Viertelfinal-Gegner in der Europa League ist, mag für die fußballverliebten Hessen zwar immer noch etwas Außergewöhnliches sein. Sie freuen sich aber nicht mehr in erster Linie auf die Spieler, die da von der portugiesischen Metropole an den Main pilgern.

Sie freuen sich mehr denn je auf ihre eigene Mannschaft. Auf eine "Wahnsinnsmannschaft", wie Bruno Hübner zu sagen pflegt, die spätestens seit diesem Donnerstag auch über die deutschen Landesgrenzen hinaus für Begeisterung auf der einen und Furcht auf der anderen Seite sorgt.

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Eintracht Frankfurt: Auch die Defensive wird zum Prunkstück

Der von knapp 15.000 Anhängern begleitete Triumph im sagenumwobenen San Siro über Inter, er toppte noch einmal die grandiose Gruppenphase mit sechs Siegen aus sechs Spielen sowie die Gala in der ersten K.o.-Runde gegen Schachtjor Donezk.

Dass die Eintracht den Champions-League-Sieger von 2010 in die Knie zwang, war aufgrund der starken Hinspiel-Leistung nicht einmal sonderlich beeindruckend. Mit welcher Selbstverständlichkeit und welchem Spaß sie das tat, aber schon.

Ohne das Einwirken ihres gesperrten Trainer Adi Hütter und der in dieser Saisonphase immer größer werdenden körperlichen Belastung spielten die Frankfurter die mittellosen Nerazzurri phasenweise her, hätten mit einer besseren Chancenverwertung problemlos 4:0 statt 1:0 gewinnen können.

Eine Vorstellung, die belegte: Diese Eintracht braucht sich vor keinem Gegner zu verstecken. Weder vor Benfica noch vor den vermeintlichen Top-Favoriten aus London oder Neapel. Denn neben der oft gelobten Offensive erweist sich auch die Hintermannschaft der SGE als verlässliches Prunkstück. Großen Anteil daran haben die voll eingeschlagenen Winter-Neuzugänge Martin Hinteregger und Sebastian Rode, aber auch der unermüdliche Routinier Makoto Hasebe und der für seine 19 Jahre unheimlich abgezockte Evan N'Dicka.

Eintracht Frankfurt braucht sich vor niemandem zu verstecken

Trainer Hütter stellte nicht grundlos schon vor dem Spiel die alles andere als unberechtigte Frage: "Wenn man sich keine Ziele setzt oder nicht träumt, dann frage ich mich: Wofür war der Pokalsieg gut? Wofür hat man die Gruppenphase überstanden?"

Nach der Art und Weise des Auftretens gegen Inter besteht vielmehr der Eindruck, dass sich die Eintracht in diesem Wettbewerb nur selbst schlagen kann. Etwa, indem sie so fahrlässig mit ihren Chancen umgeht wie Luka Jovic und Co. im zweiten Durchgang. Oder indem sich einige Chaoten unter ihren fantastischen Fans daneben benehmen und zündeln wie in der Schlussphase.

Dass die UEFA abermals ein Ermittlungsverfahren gegen den Verein eröffnet, gilt als wahrscheinlich. Im schlimmsten Fall droht der vorbelasteten Eintracht ein Zuschauerausschluss im nächsten Spiel. Für die friedlichen Fans, die jahrelang nur von Duellen mit europäischen Schwergewichte träumen durften, wäre das besonders schade.

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