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Eintracht Frankfurt vor dem Weiterkommen in der Europa League: Dicke Bretter bohren

Von Frank Hellmann

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Eintracht Frankfurt stößt mit der Europa League (18.55 Uhr im LIVETICKER und live auf DAZN) in neue Dimensionen vor. Sportlich und wirtschaftlich schreibt der Klub eine Erfolgsgeschichte. Aber bis zum Champions-League-Kandidaten wird es dauern.

Für eine Europa-League-Partie nach Zypern reisen? Das kommt der treuen Anhängerschaft von Eintracht Frankfurt irgendwie bekannt vor. Fünf Jahre ist es her, dass der Bundesligist schon einmal auf der Mittelmeerinsel gastierte. Im Oktober 2013 hatten sich 2300 Fans auf den Weg gemacht, nun sollen es mindestens doppelt so viele sein, die wieder ins Neo GSP-Stadion von Nikosia strömen, obwohl der Gegner nicht APOEL Nikosia, sondern Apollon Limassol heißt. Denn die binnen sechs Jahren das vierte Mal für die Gruppenphase qualifizierten Zyprioten können ihr Tsirio-Stadion nicht nutzen, weil es nicht die UEFA-Bestimmungen erfüllt.

Das eine Stunde von Nikosia entfernt liegende Limassol wäre wegen seiner historischen Altstadt oder der kilometerlangen Strandpromenade allemal eine Reise wert. Aber kommt die in Heerscharen in Charterfliegern einschwebende hessische Entourage nicht ohnehin im Hochgefühl? Die dreimal siegreiche Eintracht dominiert bislang die Gruppe H.

Lazio Rom steht bei sechs Zählern, Vorjahresfinalist Olympique Marseille bei einem mickrigen Punkt. "Wir haben den ersten Matchball", sagte Eintracht-Trainer Adi Hütter am Mittwochabend auf der Pressekonferenz.

Eintracht Frankfurt profitiert von Doppelbelastung

Das Auswärtsspiel bei Lazio Rom (13. Dezember) soll möglichst zum unbeschwerten Frankfurter Feiertag werden. Für die letzte Partie haben sich kürzlich tatsächlich 17.000 Fans offiziell für eine Eintrittskarte angemeldet, aber Eintracht Frankfurt erhält Stand jetzt lediglich 5.800 Tickets. "Die Wucht der Kartenanfragen allein an einem Tag ist gigantisch", sagt Vorstandsmitglied Axel Hellmann, der unermüdlich darum kämpft, dass die römischen Behörden das Kontingent noch aufstocken. Geschätzt wird, dass sich 15.000 Frankfurter so oder so in die Ewige Stadt aufmachen.

Der deutsche Pokalsieger legt gerade Zeugnis ab, wie befruchtend der Europapokal für einen Bundesligist sein kann, wenn er sich ihm hingebungsvoll widmet. Die Adler schweben beinahe auf Wolke sieben durch beide Wettbewerbe, sind seit sieben Pflichtspielen ungeschlagen und haben sechs davon teilweise eindrucksvoll gewonnen.

Die Doppelbelastung scheint diesem robusten Kader kaum mehr etwas anhaben zu können. Wobei für Sportvorstand Fredi Bobic von Anfang feststand, die Strapazen auf internationaler Bühne bloß nicht als Ausrede für irgendetwas anzuführen. "Wir haben da eine Verantwortung für die ganze Liga."

Der Fakt, dass diese Plattform den UEFA-Cup-Sieger von 1980 auf die nächste Entwicklungsstufe hievt, hängt eng mit dem Standortprofil zusammen. "Stadt und Region seien international angehaucht, "und man sieht sich dann als Metropolregion auf Augenhöhe mit Paris und London", erklärt Hellmann. Dahinter stecke natürlich viel Wunschvorstellung, "aber wir verkörpern die Sehnsucht der Region nach Anbindung an die Welt." Nicht nur über den Flughafen, sondern auch den Fußball.

Europa League lohnt sich für Frankfurt auch finanziell

Die Mainfestspiele in der Europa League geben dafür entscheidenden Rückenwind. Das Urteil, das dieser früher gerne verspottete Wettbewerb außer Spesen wenig einbringe, stimmt längst nicht mehr. Sechs Millionen Euro hat die Eintracht allein schon über UEFA-Prämien eingespielt. Das ist längst noch nicht alles. DFL-Chef Christian Seifert hat einmal vorgerechnet, dass eine Teilnahme auf der Basis von zehn Punkten summa summarum schon 18,5 Millionen Euro wert sei, die über die Beteiligung an der internationalen Vermarktung auf Jahre ausgeschüttet würden.

Mittlerweile kassiert der in der Liga auf Platz fünf gelistete Klub selbst die These, die der langjährige Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen stets erneuerte: dass die Kräfteverhältnisse in der Bundesliga zementiert seien. Nun räumte der 70-Jährige dieser Tage ein: "Ich habe unsere Rolle damals immer im Mittelfeld gesehen. Ich hätte es der Eintracht nicht zugetraut, in die Phalanx von Bayern München, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach, Schalke 04, Bayer Leverkusen und Hoffenheim einzubrechen." Die handelnden Personen im sportlichen Bereich hätten Großartiges geleistet, so Bruchhagen, der sich am Ende nicht gerade als Förderer innovativer Ideen verdient machte.

Eintracht strebt hohe Ziele an

Die neue Führung will den Wachstumsschub auch für nachhaltige Projekte nutzen: Der Bau einer neuen Geschäftsstelle hat auf der im Abriss befindlichen Tennisanlage begonnen, auf der im Schatten des alten Waldstadions früher Steffi Graf aufgeschlagen hat. Die Eigenvermarktung soll zusätzliche Erlöse bringen. Auf vielen Ebenen ist eine ungeheure Eigendynamik zu spüren, wobei der Jurist Hellmann alle Tagträumer einbremst, die die Eintracht bereits zum Champions-League-Aspiranten heranreifen sehen.

Mittelfristig sei ein Konkurrent wie der FC Schalke 04, am Sonntag (18 Uhr im LIVETICKER) zu Gast im Frankfurter Stadtwald, kaum einzuholen. "Schalke hat sich auf ein Umsatzniveau von 200, 250 Millionen Euro aus dem laufenden Geschäft gebracht. Wir stehen bei einer Größenordnung von 150 Millionen", rechnet der 47-Jährige vor. Das würde 30, 40 Millionen Euro Differenz beim Lizenzspielerbudget ausmachen. Das könne nicht mit einem internationalen Jahr kompensiert werden, sondern: "Das bedeutet, dass man über fünf, sechs, sieben, acht Jahre eine permanente Teilnahme vorweisen muss." Aber was hatte Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing vor Saisonstart öffentlich verkündet: "Wir werden in den nächsten Jahren ganz, ganz dicke Bretter bohren. Das sind richtige Platten."

Eintracht Frankfurt: Die nächsten Spiele

DatumWettbewerbGegner
8. NovemberEuropa LeagueApollon Limassol
11. NovemberBundesligaFC Schalke 04
24. NovemberBundesligaFC Augsburg
29. NovemberEuropa LeagueOlympique Marseille
2. DezemberBundesligaVfL Wolfsburg

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