Milans deutsche Nummer zehn

Von Interview:
Florian Regelmann

Mittwoch, 25.03.2009 | 14:36 Uhr
© Imago
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Exklusiv Alexander Merkel wechselte mit 16 Jahren von Stuttgart nach Mailand. Nun steht er schon vor dem Durchbruch. Bei SPOX erzählt der Jungstar von seinem gelebten Milan-Traum und der Chance seines Lebens.
 

Es war der 20. April 2007, als ein U-15-Länderspiel zwischen Deutschland und der Schweiz alles änderte. Das DFB-Team gewann in Stuttgart mit 4:1 - und ein Junge namens Alexander Merkel war der alles überragende Mann auf dem Platz.

Mit diesem Auftritt spielte sich der offensive Mittelfeldspieler endgültig in die Notizblöcke der Scouts aller europäischen Spitzenklubs. Am Ende machte der AC Mailand das Rennen. Merkel wechselte mit 16 Jahren von der B-Jugend des VfB Stuttgart nach Italien.

Profivertrag ist in Sicht

Eine Kreuzbanddehnung warf den mittlerweile 17-Jährigen, der in Russland geboren ist und im Alter von 6 Jahren nach Deutschland kam, in letzter Zeit zurück, aber davor hatte sich Merkel in der Allievi Nazionali so gut entwickelt, dass ihm in Bälde ein Profivertrag winkt.

Im Interview spricht Merkel über seinen Traum, erzählt von seinem Leben im Milan-Internat und von Billard-Matches mit Superstar Alexandre Pato.

SPOX: Alex, hat DFB-Sportdirektor Matthias Sammer schon bei Ihnen angerufen?

Alexander Merkel: Nein, warum?

SPOX: Na, weil Sie eines von Deutschlands größten Talenten sind. Sie spielen immerhin bei Milan.

Merkel: Ja, aber ich stehe noch ganz am Anfang meiner Karriere. Ich muss noch viel lernen.

SPOX: Um viel zu lernen, ist Milan ja nicht die schlechteste Adresse.

Merkel: Oh ja, das stimmt. Ich durfte schon ein paar Mal mit den Profis mittrainieren. Es war natürlich ganz außergewöhnlich für mich, mit Beckham, Kaka und Ronaldinho zu kicken. Ich kannte diese Spieler nur aus dem Fernsehen. Es war ein großartiges Gefühl.

SPOX: Wie werden Sie denn von den großen Stars behandelt?

Merkel: Super. Sie waren alle sehr nett und freundlich zu mir und keineswegs arrogant oder überheblich. Mit Trainer Carlo Ancelotti hatte ich auch schon Kontakt, aber nur, wenn ich mit der ersten Mannschaft trainiere. Aber das ist ja völlig normal.

SPOX: Pato ist schon ein Superstar, er ist erst 19 Jahre alt, Sie sind 17. Machen Sie viel gemeinsam mit Pato?

Merkel: Freundschaft ist vielleicht ein zu starkes Wort, aber ich komme mit Pato sehr gut klar. Ab und zu spielen wir zusammen Billard.

SPOX: Mit Pato Billard spielen, das klingt gut. Sie scheinen einen Traum zu leben.

Merkel: Das kann man so sagen. Man bekommt nicht jeden Tag so eine große Chance, bei so einem Top-Klub zu spielen. Damit hat sich bei mir wirklich ein kleiner Traum erfüllt. Darum habe ich mich im vergangenen Sommer gegen den VfB entschieden, obwohl der VfB auch ein guter Klub ist.

SPOX: Es waren ja auch einige andere Vereine an Ihnen interessiert. Man hört von Bayern und Hoffenheim, stimmt das?

Merkel: Es gab einige Angebote, aber es macht jetzt wenig Sinn darüber zu reden, weil ich die Chance meines Lebens bekommen habe, mich bei einem der größten Vereine auf der Welt zu beweisen und einen Profivertrag zu bekommen.

SPOX: Wann unterschreiben Sie einen Profivertrag?

Merkel: Es ist noch zu früh, um so etwas zu besprechen. Erst einmal lautet meine Devise "Leistung zeigen" - das andere kommt dann von alleine. Aber ich weiß, dass ich noch überall dazulernen kann. Ich versuche, mich jeden Tag zu verbessern. Mein Ehrgeiz ist riesengroß.

SPOX: Wie ist es eigentlich zum Wechsel nach Mailand gekommen?

Merkel: Mein Berater Niki Chpilevski und sein Team haben mir ein Probetraining ermöglicht. Das war letztes Jahr im Sommer. Dort musste ich an den Trainingseinheiten teilnehmen und danach ging es eigentlich ganz schnell.

SPOX: So ein Angebot ist sicher ein Traum, aber in so jungen Jahren ist es auch nicht einfach. Hatten Sie auch ein bisschen Bammel?

Merkel: Sicherlich habe ich ab und zu darüber nachgedacht, ob es beim VfB vielleicht einfacher für mich wäre nach oben zu kommen. Aber ich wollte diesen Weg gehen und darum bin ich ihn auch gegangen. Letzten Endes zählt im Fußball nur die Leistung und die will ich beim AC Milan bringen, damit ich den Weg ganz nach oben schaffe.

SPOX: Einer, der es ganz nach oben geschafft hat, ist Alex Hleb.

Merkel: Alex ist immer noch mein absolutes Vorbild. Seine Art zu spielen gefällt mir sehr. Und er spielt in Barcelona in einem der besten Klubs der Welt.

SPOX: Wie kann man sich Ihr Leben in Mailand vorstellen?

Merkel: Ich lebe im Milan-Internat mit anderen Teenagern aus allen möglichen Ländern. Die Jungs sind sehr nett zu mir, ich verstehe mich sehr gut mit ihnen und der Verein kümmert sich ebenfalls sehr gut um mich. Es gibt eine Menge Leute, die sich nur um uns junge Spieler kümmern. Ansonsten lebe ich nicht anders als in Stuttgart, das Neue ist nur, dass es ein anderes Land, eine andere Kultur und eine andere Sprache ist. Und dass ich mehr auf mich allein gestellt bin, weil eben die Familie nicht in der Nähe ist.

SPOX: Mit 17 weit weg von der Familie, ist das nicht hart?

Merkel: Klar, am Anfang war es sehr ungewohnt für mich, so weit von der Familie weg zu sein. Man hat sich einfach noch nicht heimisch gefühlt, aber das hat sich mittlerweile geändert. Die Sprache war zu Beginn auch ein Problem, aber ich mache große Fortschritte. Ich besuche jeden Tag einen italienischen Sprachkurs. Ich weiß, was ich zu tun habe. Ich habe einen genauen Wochenplan.

SPOX: Hört sich nicht so an, als ob Sie noch viel Freizeit hätten, oder?

Merkel: Nein, sehr viel Freizeit habe ich nicht, eigentlich nur einen Tag in der Woche. Ich gehe dann mit meinen Mannschaftskollegen ins Kino oder in die Stadt. Manchmal ruhe ich mich auch einfach mal nur aus.

SPOX: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Entwicklung bislang bei Milan?

Merkel: Es kann immer besser laufen, aber bis jetzt sieht es ganz positiv für mich aus. Das Niveau in der Jugend in Italien ist sehr hoch. Vor allem sind die Spieler technisch stark, aber gerade das gefällt mir sehr gut und es passt auch zu mir.

SPOX: Sieht ganz positiv aus ist ja untertrieben. Es läuft richtig stark für Sie. Sie haben nicht umsonst die Nummer 10 bekommen. Die hat in Italien noch mal eine größere Bedeutung als in Deutschland.

Merkel: Ich weiß. Ich trage im Moment die 10, aber ich finde ehrlich gesagt, dass die Nummer keine große Rolle spielt. Die Leistung muss stimmen und nicht die Nummer.

SPOX: Da haben Sie wieder Recht. Wenn die Leistung weiter stimmt, wird in den nächsten fünf Jahren auch sicher die deutsche Nationalmannschaft ein Thema. Haben Sie eigentlich mal mit dem Gedanken gespielt, für Russland aufzulaufen?

Merkel: Da ich ja ursprünglich aus Russland komme, gab es diese Überlegung schon. Aber zurzeit spiele ich für den DFB. Das ist Tatsache.

SPOX-Serie, Teil 2: Adrion: Der Qualitätskontrolleur

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