Tom Starke im Interview: "Es gibt keine feste taktische Aufstellung"

Von Nino Duit

Mittwoch, 23.08.2017 | 13:54 Uhr

Das neu eröffnete Nachwuchsleistungszentrum soll dem FC Bayern München endlich wieder selbst ausgebildete Spieler für die Profimannschaft bescheren. Torwartkoordinator Tom Starke spricht im Interview über die neue Einrichtung, Visionen dafür und seine persönliche Zukunft.

SPOX: Herr Starke, Sie sind seit der Eröffnung des FC Bayern Campus in die tägliche Arbeit involviert. Wie sind Ihre ersten Eindrücke, auch im Vergleich zu anderen Nachwuchsleistungszentren?

Tom Starke: Ich kenne nicht so wahnsinnig viele andere Leistungszentren. Wenn man aber die Bedingungen sieht - nicht nur die Dimension, die Größe, sondern auch die Qualität -, dann ist das alles hochprofessionell, was unsere Jungs hier vorfinden. Wir haben jetzt alle Möglichkeiten, um die Jungs perfekt auszubilden.

SPOX: Gibt es eine spezielle Sache, die Sie an der Infrastruktur besonders begeistert?

Starke: Es ist alles in allem ein Schmuckkästchen. Ich habe bisher bei keinem anderen Verein auch nur annähernd so beeindruckende Bedingungen gesehen wie hier. Die physiotherapeutischen Einrichtungen, der ganze Kabinentrakt, der Reha-Bereich und natürlich auch die Anzahl und Qualität der Plätze - das ist hervorragend. Und wir reden hier nicht von einer Anlage unserer Profimannschaft, sondern der Nachwuchsabteilung.

SPOX: Ist die Anlage hier vielleicht sogar besser als die an der Säbener Straße?

Starke: Das Problem der Säbener Straße ist einfach die Enge. Dort gibt es kaum noch Möglichkeiten, die Infrastruktur weiter auszubauen. Bei all dem Platz hier konnten wir uns dagegen komplett austoben.

SPOX: Im Rahmen der Ausbildung von Talenten wird nicht selten in verschiedenen Dimensionen gedacht. Ist schon klar definiert, was der FC Bayern kurz-, mittel- und langfristig mit dem Campus erreichen will?

Starke: Natürlich wollen wir Ziele verfolgen. Es geht letztendlich darum, den Nachwuchs auszubilden - am besten für unsere erste Mannschaft auf direktem Wege - oder eben über Umwege.

SPOX: Wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen dem Personal innerhalb des Campus und welche Rolle nehmen Sie in diesem Konstrukt ein?

Starke: Es gibt für jede Jugendmannschaft einen Cheftrainer, der die Philosophie des Vereins in die Mannschaft trägt und auch dementsprechend ausbildet. Genauso ist es bei den Torhütern. Wir haben nicht für jede Mannschaft einen festen Torwarttrainer, sondern teilen das auf, sind in der Jugend zu dritt. Und ich trage dabei die Verantwortung für die Torwarttrainer und für die Talente, um alles im Auge zu behalten, das Scouting zu verfolgen und auch die Philosophie zu implementieren. So kann jeder so individuell wie möglich betreut werden.

Das Nachwuchsleistungszentrum des FC Bayern

SPOX: Gibt es eine einheitliche Philosophie wie beispielsweise in der berühmten La Masia, die sich durch alle Altersstufen durchzieht?

Starke: Es gibt keine feste taktische Aufstellung wie das 4-3-3, da wollen wir flexibel sein. Innerhalb eines Spiels wechselt das inzwischen ohnehin so oft, dass man da gar kein Dogma braucht. Wichtig ist, wie man das Spiel interpretiert - und da ist die Philosophie ganz klar: Wir wollen den Ball haben - und wenn der Gegner in Ballbesitz ist, wollen wir ihn so schnell wie möglich zurückerobern. Wir wollen das Spiel bestimmen und möglichst auf lange Bälle verzichten. Und am Ende wollen wir jedes Spiel gewinnen.

SPOX: Sind Sie persönlich glücklich in Ihrer neuen Rolle oder fehlt es Ihnen, selbst bei der Mannschaft zu sein?

Starke: Ich freue mich jeden Tag riesig, hierher zu fahren. Es macht unheimlich viel Spaß, mit den Jungs zu arbeiten und viele neue Sachen kennenzulernen. Das ist eine ganz andere Sichtweise für mich. Die ersten Wochen waren toll, ich konnte auch schon viele Dinge einbringen. Es ist aber auch noch ein wenig Wehmut dabei, wenn man die Profis trainieren oder spielen sieht.

SPOX: Haben Sie Ambitionen, selbst in den Trainerberuf einzusteigen, oder wird es auf Torwartebene bleiben?

Starke: Das weiß ich noch nicht. In meiner langen Karriere habe ich gelernt, dass man im Fußball nie länger als zwei Jahre vorausplanen kann. So ist es diesbezüglich auch. Ich will da also nichts ausschließen, sagen wir es so. Mein Einstieg geht jetzt in diese Richtung. Ich finde auch immer mehr Gefallen daran, nicht nur für zwei Torhüter verantwortlich zu sein, sondern für mehrere. Genauso an der Zusammenarbeit mit den Trainern und den Verantwortlichen des Vereins sowie daran, ein paar neue Sachen anzustoßen.

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