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Markus Weinzierl als neuer Trainer beim VfB Stuttgart: "Jahn Regensburg 3.0"

Von Stefan Petri

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Nur zwei Tage nach der Trennung von Tayfun Korkut hat der VfB Stuttgart mit Markus Weinzierl seinen neuen Cheftrainer präsentiert. - der war bekanntlich schon einmal erste Wahl im Ländle. Die Situation beim VfB erinnert dabei an eine Mixtur aus Schalke und dem FC Augsburg, und damit aus den beiden Vereinen, die Weinzierl zuvor trainiert hatte.

Als Markus Weinzierl im Juli dieses Jahres ein Interview mit der Augsburger Allgemeinen führte, hatte er gerade ein Jahr bezahlten Urlaub hinter sich. Der FC Schalke 04 hatte ihn zum Ende der Saison 2016/17 beurlaubt, auf eine Vertragsauflösung konnte man sich nicht einigen. Daran scheiterte übrigens schon ein Engagement beim VfB Stuttgart im Januar 2018 - stattdessen verpflichtete man im Ländle Tayfun Korkut.

Also nutzte Weinzierl die neu gewonnene freie Zeit, verbrachte Zeit mit seiner Familie und hospitierte unter anderem bei Pep Guardiola in Manchester und schaute sich das Training in Leverkusen, Bremen oder Mönchengladbach an. Aber es kribbelte wieder beim 43-Jährigen, weshalb schließlich doch die Einigung mit Schalke erfolgte.

Und so machte sich Weinzierl auf die Suche nach einem neuen Arbeitgeber. Vorzugsweise in Deutschland, weshalb er auch die Bundesliga über Monate "intensiv beobachtete", wie er bei seiner Vorstellung am Dienstag in Stuttgart betonte.

Ein Zitat aus besagtem Interview im Juli ist im Hinblick auf den VfB besonders interessant. Wie er sich seinen nächsten Verein denn vorstellen würde, wurde Weinzierl gefragt: "Ich hätte nichts dagegen, einen kleinen Verein wieder zu etablieren, aber ich hätte auch nichts gegen einen Traditionsverein, der erfolgreich ist."

Der VfB sitzt genau zwischen diesen beiden Polen. Markus Weinzierl ist bei einem erfolglosen Traditionsverein gelandet, der sich durch eigenes Verschulden klein gemacht hat und elf Jahre nach dem letzten Meistertitel wieder etabliert werden muss.

Markus Weinzierl: Erfolg mit Jahn Regensburg und dem FC Augsburg

Einen kleinen Verein neu zu etablieren, das wäre ein zweiter Jahn Regensburg für Weinzierl gewesen, wo er nach einem frühen Karriereende als Spieler zunächst als Co-Trainer anfängt und 2008 schließlich Cheftrainer wird. Diesen "Sprung ins kalte Wasser" meistert der junge Fußballlehrer erfolgreich, schafft 2012 über die Relegation sogar den Sprung in die 2. Liga. Schon damals erarbeitet er sich ein Image als "harter Hund", wie ein ehemaliger Mitstreiter gegenüber SPOX verrät: "Wer nicht mitzieht, ist sofort unten durch."

Oder es wäre ein "FC Augsburg 2.0" - quasi der Jahn, nur eine Nummer größer: Ein ähnlicher Jungstar wie sein Schalker Nachfolger Domenico Tedesco ist Weinzierl, als ihn der FCA aus Regensburg abwirbt. Nachfolger von Jos Luhukay soll er werden, aus den begrenzten Mitteln des Vereins das Maximum herausholen.

Maximaler geht nicht. Mit einer Spielweise, die auf Lauf- und Kampfbereitschaft, auf hoher Intensität beruht. Kein Hurra-Fußball, aber mit schnellem Umschaltspiel oft nicht weniger spektakulär. Und erfolgreich: Zuerst hält er die Klasse, obwohl aus der Hinrunde nur neun Punkte zu Buche stehen. 2013/2014 lässt Weinzierl bei der Wahl zum Trainer des Jahres sogar Pep Guardiola hinter sich, und ein Jahr später gelingt ihm sein Meisterstück: Er führt den FCA auf Platz fünf und in die Europa League.

Die bisherigen Trainerstationen von Markus Weinzierl

VereinAmtsantrittAmtsendeSpielePunkte/Spiel
Jahn Regensburg24.11.200830.06.20121401,39
FC Augsburg01.07.201230.06.20161541,30
FC Schalke 0401.07.201630.06.2017501,52

Markus Weinzierl scheitert als Trainer von Schalke 04

Mehr ist beim besten Willen nicht drin in Augsburg, das weiß Weinzierl. Als es in der folgenden Saison wieder gegen den Abstieg geht, geht er das Risiko ein und unterschreibt in Gelsenkirchen. Plötzlich leitet er keinen Underdog mehr, sondern einen der beliebtesten Klubs des Landes, mit dem viertgrößten Personalbudget. "Ich wusste, dass Schalke eine Riesen-Chance sein kann. Aber auch ein Risiko", sagt er im Rückblick.

Warum hat es nicht funktioniert? "Im Nachhinein kann man immer diskutieren, aber es hat einfach nicht zusammengepasst", zieht er Bilanz. Die Dreifachbelastung fordert ihren Tribut, viele Spieler werden erst spät verpflichtet, Max Meyer und Leon Goretzka kehren spät aus Rio zurück. So gibt es keine richtige Vorbereitung, Weinzierl kann seinen Spielstil nicht etablieren.

Dazu kommt der völlig verkorkste Saisonstart: Nach fünf Niederlagen in Folge steckt das Team in einem Loch, aus dem es in den folgenden Monaten nicht mehr herausklettern kann. "Von da an konnte ich nur noch mit dem Rücken zur Wand arbeiten - das emotionale Umfeld auf Schalke macht es dir natürlich auch nicht leichter", sagt Weinzierl der Sport Bild.

Dass ein Jahr später schon Schluss ist, liegt aber nicht nur am enttäuschenden Tabellenplatz zehn. Manager Christian Heidel stellt seinem Wunschtrainer ein vernichtendes Urteil aus, spricht von "keiner Entwicklung auf dem Spielfeld", keinem "klaren Konzept". Ihm fehlt die Spielidee, das Wasserzeichen, das Weinzierl dem Team verpassen sollte.

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Die untere Tabellenhälfte der Bundesliga

PlatzTeamSp.ToreDiffPkt.
10.FC Augsburg714:1318
11.SC Freiburg79:13-48
12.1. FC Nürnberg77:16-98
13.TSG Hoffenheim711:12-17
14.Bayer Leverkusen77:13-67
15.Schalke 0475:9-46
16.Hannover 9678:14-65
17.Fortuna Düsseldorf75:11-65
18.VfB Stuttgart76:13-75

Dieses Urteil hat Michael Reschke beim VfB Stuttgart nicht abgeschreckt. Er ist überzeugt davon, dass er nicht den Weinzierl von S04 geholt hat, sondern den vom FCA. "Es freut uns, dass wir mit Markus Weinzierl einen erfahrenen und zugleich ambitionierten Cheftrainer verpflichten konnten", sagte er am Dienstag.

Im Klartext: Weinzierl soll nicht nur den Abstieg verhindern, wie seinerzeit in Augsburg, sondern den VfB wieder dort etablieren, wo er laut Selbstverständnis hingehört. "Es geht darum, die Mannschaft zu stabilisieren. Speziell in der Offensive müssen wir erfrischender und torgefährlicher spielen." Weg vom Defensivfußball eines Korkut, her mit Leidenschaft und Esprit, mit einem Stil, der auch die Zuschauer elektrisieren kann.

Die Hürde für Weinzierl ist dabei erst einmal eine ähnliche wie auf Schalke. Bei seinem neuen Verein würde er gern vor Saisonstart anfangen, verriet er im Februar dem BR, also mit Vorbereitung und Einfluss auf die Kaderplanung. Das ist nicht gegeben, und ähnlich wie vor zwei Jahren ist der Saisonstart bereits gründlich missglückt - erneut steht er auf Platz 18 der Tabelle.

Vielleicht ist es aber auch genau der richtige nächste Schritt in Weinzierls Trainerkarriere. Noch ein bisschen größer als Augsburg, mit mehr Möglichkeiten, aber gleichzeitig ohne den ganz großen Druck wie auf Schalke - "Jahn Regensburg 3.0", auch wenn man das im Schwabenland wohl nicht so gerne hören wird.

Stuttgart, Schalke und Co.: Die Schleudersitze der Bundesliga seit der Jahrtausendwende

Weinzierl kann sich auf seine Stärken besinnen und den Klub mit harter, schnörkelloser Arbeit aus dem Tabellenkeller holen. Dafür braucht es kein Wunder, schließlich ist der Rückstand überschaubar und das Spielermaterial gut genug.

Und wenn das erst einmal geklappt hat, kann er immer noch zeigen, was er von Pep Guardiola gelernt hat.

Spielplan: Das sind die nächsten Gegner des VfB Stuttgart

DatumOrtGegner
20.10.HeimBorussia Dortmund
27.10.AuswärtsTSG 1899 Hoffenheim
02.11.HeimEintracht Frankfurt
10.11.Auswärts1. FC Nürnberg
23.11.AuswärtsBayer Leverkusen

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