"Dann muss eine Schlaftablette her"

Von Felix Götz

Dienstag, 02.12.2014 | 16:17 Uhr
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In München hielt es Felix Schütz nur kurz, mittlerweile ist er ans andere Ende der Welt zurückgekehrt - nach Wladiwostok. Der 27-Jährige spricht im Interview mit SPOX über abenteuerliche Reisen, das beste Sushi der Welt und sein legendäres Tor bei der Heim-WM 2010, das ihm Hall-of-Fame-Ehren einbrachte. Zudem erinnert er sich an einen der traurigsten Tage der Eishockey-Geschichte.

SPOX: Herr Schütz, nur gut einen Monat nach der Unterschrift beim EHC Red Bull München haben Sie von der Ausstiegsklausel Gebrauch gemacht und sind zurück zu Admiral Wladiwostok gewechselt. Was gab den Ausschlag?

Felix Schütz: Wir waren ja schon seit Monaten in Gesprächen. Wladiwostok hatte die Möglichkeit, mich zu traden. Sie entschieden sich dann aber dazu, meine Rechte zu behalten. Wir konnten uns schließlich auf einen Zwei-Jahres-Vertrag einigen. Jeder weiß, dass die KHL nach der NHL die beste Liga der Welt ist, mir hat schon meine erste Zeit sehr viel Spaß gemacht. Und natürlich ist es auch eine Geldfrage.

SPOX: Wie lebt es sich in Russland?

Schütz: Ich habe eine tolle Wohnung nicht so weit von der Arena entfernt bezogen, in der Nähe leben mehrere Mitspieler. Und wegen der Stadt: Wladiwostok ist wirklich schön.

SPOX: In der es allerdings verdammt kalt werden kann.

Schütz: Das stimmt. Wenn es 30 Grad Minus hat und dann noch der Wind vom Meer kommt, ist es wirklich unangenehm. Als ich das erste Mal nach Wladiwostok kam, hatte ich mir - nicht nur was das Wetter betrifft - die schlimmsten Dinge ausgemalt, um von nichts überrascht zu werden. Mittlerweile kann ich sagen: Es gibt in Wladiwostok, so wie wohl überall sonst auch, gute und schlechte Tage. Generell lässt es sich dort aber gut aushalten.

SPOX: Wie vertreibt man sich die Zeit?

Schütz: So viel Zeit hat man dort als Eishockey-Profi gar nicht. Also geht man mal in die Stadt, Kaffee trinken, einkaufen - die einfachen Dinge eben. Wirklich toll ist, dass es mehrere wirklich tolle Restaurants mit super Essen gibt.

SPOX: Vor allem Sushi soll es Ihnen angetan haben.

Schütz: Richtig. Viele Leute in der Region leben von der Fischerei, deshalb kannst du sensationell gut Sushi essen. Ganz ehrlich: Seit ich weiß, wie gut das frisch direkt am Meer schmeckt, brauche ich Sushi in Deutschland nicht mehr. Kaviar habe ich in Russland auch erstmals probiert. Frisch schmeckt das überragend.

SPOX: Und dazu einige Gläser Wodka?

Schütz: (lacht) Ach, immer diese Klischees. Wobei: Ein bisschen was ist schon dran. Aber in Deutschland ist es doch auch nicht anders - nur halt mit Bier. Hier der Wodka, dort das Bier.

SPOX: Sprechen Sie ein wenig Russisch?

Schütz: Guten Morgen, guten Abend, wie geht's, mein Name ist. Das kann ich bisher auf Russisch. Da ist noch Luft nach oben, würde ich sagen.

SPOX: Wie kommen Sie mit der Mentalität der Russen klar?

Schütz: Die Russen sind meistens eher ruhigere Typen. In der Mannschaft hat man immer gemerkt, dass sie kaum Gespräche suchen. Wenn man aber weggeht und es gemütlich wird, dann öffnen sie sich und sind sehr herzliche Leute. Aber wie gesagt: Es bleibt für einen Profi nicht so viel Freizeit.

SPOX: Ein Grund sind die mörderischen Auswärtstouren mit Flügen um die zehn Stunden.

So feiert der ERC den Titel

Schütz: Man ist meistens eine Woche unterwegs, dann zehn Tage zu Hause. Nah haben wir es nur, wenn es zu Amur Chabrowsk geht. 700 Kilometer, eine Flugstunde - fast ein Derby (lacht).

SPOX: Ansonsten geht es viel in Richtung Moskau. Wie verkraftet man als Leistungssportler die langen Touren und den permanenten Jetlag?

Schütz: Wenn es gar nicht anders geht, muss eben eine Schlaftablette her. Wenn wir hundemüde nach Wladiwostok zurückkehren, was meist um die Mittagszeit ist, habe ich meine eigene Taktik. Den Rest des Tages Kaffee reinhauen, spazieren gehen und irgendwie wach bleiben, um möglichst schnell wieder in den entsprechenden Rhythmus reinzukommen.

SPOX: Was passiert, wenn man es anders macht?

Schütz: Wenn du dich am Nachmittag für ein paar Stunden hinlegst, schläfst du danach erst wieder um 12 Uhr nachts ein, was zur Folge hat, dass du um drei Uhr mitten in der Nacht wieder wach bist, weil der Körper meint, das war ein Mittagsschlaf. Dann blickt man zwei oder drei Tage gar nicht mehr durch. Ich habe nur noch geschlafen, wenn ich müde war, und bin aufgestanden, wenn ich aufstehen musste. Aber mit der Zeit wird man schlauer.

Seite 1: Schütz über Sushi, Jetlag und die russische Mentalität

Seite 2: Schütz über Dietrich, den DEB und sein legendäres Tor

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